Julian Pauli wurde in der vergangenen Saison vom Shootingstar zum Pechvogel des 1. FC Köln. Im GEISSBLOG-Interview spricht der 20-Jährige unter anderem über seine schwere Kopfverletzung sowie seine Zukunft bei den Geißböcken.
Das Interview im Trainingslager in Bad Waltersdorf führten Sonja Gauer, Martin Zenge und Marc L. Merten
GEISSBLOG: Herr Pauli, als wir hier vor einem Jahr zusammengesessen haben, waren Sie gedanklich beim Saisonstart mit der U21. Bekanntlich ist es anders gekommen und Sie haben sich direkt bei den Profis etabliert. Wie ordnen Sie die vergangene Saison für sich ein?
JULIAN PAULI: „Rückblickend ging alles schon relativ schnell. Vor allem die erste Hälfte der Saison war gefühlt wie ein Abenteuer für mich. Ich konnte viele neue Eindrücke sammeln. Dann hatte ich mit der Verletzung gegen Hertha BSC Pech. Ich hatte gehofft, dass ich die gesamte Saison spielen kann. Deswegen war es nervig und hat die Saison für mich nicht ganz so schön enden lassen. Für uns als Team war es aber das Beste, dass wir letztlich aufgestiegen sind.“
Waren Sie zu Beginn überrascht, dass Sie sich so schnell im Profi-Fußball zurechtgefunden haben?
„Überrascht war ich nicht. Ich habe schon im Training gemerkt, dass ich recht gut mithalten kann. Ich bin selbstbewusst aufgetreten, auch wenn ich wusste, dass es ein anderes Niveau sein würde als in der Regionalliga.“
Wechsel auf Dreierkette war hilfreich für Pauli
Im Laufe der Hinrunde hat Ex-Trainer Gerhard Struber von der Vierer- auf die Dreierkette umgestellt. Wie sind Sie damit zurechtgekommen?
„Das war nach den Spielen gegen Darmstadt und Paderborn, bei denen wir ein bisschen eingeknickt sind. Als junger Spieler habe ich dann viel hinterfragt, was ich besser machen könnte. Dann war es ein guter Zeitpunkt, um auf die Dreierkette zu wechseln. Mit Dominique Heintz hatten wir dann auch mehr Erfahrung in der Abwehr, das hat mir persönlich gutgetan.“
In welchem System haben Sie sich wohler gefühlt?
„In dem Moment war es die Dreierkette. Ansonsten fühle ich mich in der Viererkette wohler.“
Haben Sie an den Moment Ihrer Verletzung im DFB-Pokal gegen Hertha BSC eigentlich noch eine Erinnerung?
„Alles weiß ich nicht mehr ganz genau. Danach habe ich aber gemerkt, dass ich in dem Moment etwas daneben war. Direkt im Anschluss nimmt man das noch nicht so wahr. Am Ende hat sich das dann doch viel länger gezogen als gedacht.“
Womit hatten Sie die größten Probleme?
„Lärm hat mir extreme Probleme bereitet, auch Fernsehen konnte ich nicht gucken.“
Pauli konnte kaum noch geradestehen
Wann haben Sie gemerkt, dass die Verletzung länger dauern würde?
„Als ich die Belastung gesteigert habe. Vor dem Hinspiel gegen Nürnberg war ich mit Läufen wieder auf dem Platz. Da habe ich gemerkt, dass mir wieder schwindelig wird. Das war aber kein Schwindel, der vom Kreislauf kommt, sondern das war ganz eindeutig vom Kopf. So etwas hatte ich noch nie und es war einfach komisch. Ich hatte gehofft, dass das nach einer Woche wieder weggeht. Aber wir konnten den Schwindel immer wieder provozieren.“
Im Trainingslager in Spanien waren Sie dann wieder dabei und zunächst wirkte eigentlich alles wieder in Ordnung.
„Genau. Ich hatte im Winter auch die Läufe ganz normal absolviert und es war alles fein. Ich dachte, dass es dann weg wäre. Die ersten zwei Tage im Trainingslager waren auch noch okay, aber dann fing es an, wieder mehr zu werden und sogar schlimmer als zuvor. Ich hatte auch zunächst mit leichtem Schwindel weiter trainiert, aber irgendwann konnte ich kaum noch geradestehen. Dann musste ich dem Trainer sagen, dass es nicht mehr geht.“
Waren die Folgen der Gehirnerschütterung medizinisch irgendwie erklärbar?
„Nicht wirklich, wir hatten alles durchgecheckt. Es gibt ähnliche Fälle, da habe ich mich eingelesen. Aber es scheint eine individuelle Sache zu sein, wie der Körper reagiert. Mir hat es gutgetan, dann langsam die Belastung zu steigern, damit sich der Kopf daran gewöhnen konnte.“
Gab es dann die eine Sache, die Ihnen geholfen hat?
„Nein. Es war eine Mischung aus gutem Training und Neuroathletik. Ich habe auch versucht, Kleinigkeiten wie den Schlaf zu perfektionieren. Ich habe alles ausgeschlossen, was Einfluss darauf genommen hatte. Vor jedem Spiel mache ich jetzt auch meine Neuroathletik-Übungen und versuche, das beizubehalten. Ich weiß, dass mir das guttut und mir Sicherheit gibt.“
Was hat Ihnen durch diese schwierige Zeit geholfen?
„Meine Familie und meine Freunde. Ich habe mich so gut es geht versucht abzulenken. Am meisten haben mir dann die kleinen Fortschritte geholfen, zum Beispiel, als ich wieder normal joggen konnte und ich gemerkt habe, dass es nicht für immer so bleiben wird.“
Sorge um die Karriere
Sie hatten also nie Angst, dass es ein Dauer-Zustand bleibt?
„Doch, zeitweise schon, um ehrlich zu sein. Nach dem Winter-Trainingslager habe ich zwei, drei Wochen lang mit vielem gehapert. In den ersten Wochen konnte ich nur zehn Minuten Fahrrad fahren, was ja für uns Profi-Fußballer nichts ist. Als es dann aber langsam besser wurde, ging es wieder bergauf.“
Gerade als junger Spieler muss das auch beängstigend gewesen sein, wenn plötzlich die Karriere auf dem Spiel steht.
„Ja, definitiv. Vor allem, nachdem das erste Halbjahr für mich persönlich so gut verlaufen war. Insgesamt war ich ja fast vier Monate raus. Es war auch nicht einfach, wieder richtig ins Training reinzukommen.“
Hatten Sie bei Zweikämpfen oder Kopfbällen zunächst noch Sorge?
„Sogar fast bis zum Ende der Saison. Ich war bei Kopfbällen im Training tatsächlich noch sehr zurückhaltend. Im Spiel war es mir dann egal, da habe ich nicht drüber nachgedacht.“
Ist die Sommer-Vorbereitung daher jetzt eine Art Neustart für Sie?
„Auf jeden Fall. Inzwischen ist alles wieder gut und ich habe keine Probleme mehr. Das Zutrauen ist definitiv wieder da.“
Pauli: „Ich fühle mich besser als je zuvor“
Sie gehen die Saison vermutlich auch mit einem anderen Selbstverständnis an als vor einem Jahr.
„Ich bin jetzt nicht mehr so schüchtern wie letztes Jahr (lacht). Die Jungs kenne ich mittlerweile schon. Ich will auf dem Platz einfach wieder selbstbewusst auftreten und eine gute Saison spielen.“
Fühlen Sie sich bereit für die Bundesliga?
„Definitiv. Wir haben einen super Trainer und super Jungs dazu bekommen. Das Niveau ist nach oben gegangen. Ich fühle mich besser als je zuvor.“
Was ist Ihr persönliches Ziel für die Saison?
„Jeder, der hier spielt, will viele Minuten sammeln. Natürlich ist das auch mein Ziel. Das Wichtigste ist, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.“
Lukas Kwasniok bringt auch wieder eine neue Idee vom Fußball mit zum FC. Wie finden Sie sich da bislang zurecht?
„Es ist eine komplett neue Spielidee, daran müssen wir uns erstmal gewöhnen. Wir finden die gut. Wir sind erst in der dritten Woche der Vorbereitung, merken aber, dass es immer besser wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die Kleinigkeiten perfektionieren.“
Passen Ihre Stärken zu dem, was der Trainer spielen lassen will?
„Meine Stärken sehe ich im Zweikampf, das schätzt er sehr wert. Das ist wichtig als Innenverteidiger und dafür stehe ich. Ihm ist es aber auch wichtig, dass er uns viel am Ball sieht – da versuche ich aktuell, mich weiter zu verbessern.“
So sieht der Youngster seine Zukunft
Mit Damion Downs und Max Finkgräfe haben zwei Ihrer langjährigen Weggefährten den Verein verlassen. Sie haben gemeinsam mit der U19 einige Erfolge gefeiert. Macht das für Sie einen Unterschied?
„Das waren schon meine besten Kumpels, zudem auch Marvin Obuz. Sie waren in meinem Alter, jetzt kommen nochmal ein paar Jüngere dazu. Die Altersspanne ist recht groß, der nächstältere ist jetzt Jan Thielmann mit 23 Jahren. Ich verstehe mich aber mit jedem super und ich kenne die Jungs jetzt auch schon seit einem Jahr. Deswegen ist das für mich kein Problem.“
Ihr Vertrag läuft noch bis zum Sommer 2027. Sehen Sie Ihre Zukunft langfristig beim FC?
„Wenn der FC das auch will, dann sehr gerne.“
Sie sind in London geboren. Ist die Premier League für Sie ein perspektivisches Ziel?
„Als kleiner Junge hat man immer mal nach England geschaut. Ich lebe aber im Hier und Jetzt und nehme alles sehr locker. Wer weiß, was noch alles auf mich zukommt. Es können vielleicht auch noch zehn Jahre FC sein.“
Dann muss Sportdirektor Thomas Kessler ja nur bei Ihnen vorbeikommen.
„Ja, ich bin da sehr offen, was das angeht.“








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