Stadion-Streit: Adenauer will neue FC-Arena außerhalb von Köln bauen

"Müngersdorf unverhandelbar: Die Südkurve hat eine klare Meinung. (Foto: IMAGO / Mika Volkmann)
"Müngersdorf unverhandelbar: Die Südkurve hat eine klare Meinung. (Foto: IMAGO / Mika Volkmann)

Am Freitagabend sind die drei Vorstandsteams beim 1. FC Köln erstmals in einer Wahlarena gemeinsam aufgetreten. Bei der Stadionfrage wagte sich Sven Adenauer vor und legte einen Plan vor, der den Auszug aus Müngersdorf vorsieht.

Das Fanprojekt des 1. FC Köln fans1991 hat am Freitagabend die Teams Stobbe, Stroman und Adenauer zur Wahlarena eingeladen. Im Hotel Marriott in Köln-Marsdorf kamen die neun Vorstandskandidaten der Geißböcke zusammen und diskutierten dreieinhalb Stunden die wichtigsten Zukunftsthemen des FC.

Ein zentrales Thema für die Fans ist die Stadionfrage. Die 50.000 Plätze in Müngersdorf reichen schon lange nicht mehr aus. Nur noch wenige Anhänger bekommen Tickets, selbst die Mitgliedschaft ist dafür schon lange keine Garantie mehr. Viele Fans fordern einen Stadionausbau. Was aber wollen die drei Vorstandsteams?

Adenauer will Vorbild-Stadion bauen

Am Freitag legten die Trios erstmals die Karten in einer Diskussion auf den Tisch. Und etwas überraschend kam Sven Adenauer, der mit Martin Hollweck und Thorsten Kiesewetter antritt, direkt mit einer Idee um die Ecke, die einigen Fans nicht gefallen dürfte: dem Auszug aus Müngersdorf. „Wir wollen ein neues Stadion in der Nähe von Köln bauen“, sagte der CDU-Politiker. „Es soll nicht nur ein Fußballstadion werden, sondern ein Magnet für Touristen.“

Als Größe schwebt Adenauer eine Zuschauerkapazität von 80.000 vor. Zudem soll das Stadion klimaneutral und so „ein Vorbild für Stadien in Deutschland und in der ganzen Welt werden“. Damit jedoch stellte sich Adenauer mit seinem Team gegen den Standort Müngersdorf, der seit Jahren insbesondere von der aktiven Fanszene als unverhandelbar eingestuft worden ist.

Neuer Pachtvertrag läuft bis 2034

Aktuell ist der FC mit einem neuen Pachtvertrag noch bis 2034 an das RheinEnergieStadion gebunden. Die Arena gehört der Stadt Köln, der FC ist Hauptpächter, kann baulich aber nur minimale Veränderungen vornehmen. Ein großzügiger Ausbau wäre architektonisch zwar möglich, aber politisch und finanziell eine Herausforderung.

Die anderen beiden Teams würden es jedoch versuchen. Adenauer-Partner Martin Hollweck wollte zwar nicht gänzlich gegen Müngersdorf argumentieren, man müsse mit der Stadt Köln um den Standort und den Aus- oder Neubau „pokern“. Die Teams um Jörn Stobbe einerseits und Wilke Stroman andererseits sahen das aber anders.

Wir pokern nicht um den Standort Müngersdorf – nicht eine einzige Sekunde

Jörg Alvermann (Team Stobbe)

„Wir pokern nicht um den Standort Müngersdorf – nicht eine einzige Sekunde“, stellte Rechtsanwalt Jörg Alvermann klar, der im Team Stobbe antritt. „Wir bringen Müngersdorf nicht in die Verhadnlugnsmasse mit ein. Sonst verlieren wir viel mehr als nur Verhandlungschancen, sondern das Vertrauen der Fan-Basis.“ Vielmehr, so ergänzte Stobbe, wolle dessen Team für ein anderes Szenario werben: für eine Vision 100 Jahre 1. FC Köln.

„Jetzt habe ich mich von dem Schreck erholt, dass man in der Nähe von Köln bauen will“, begann der Immobilienfachmann mit einem Lächeln in Richtung Adenauer. „Wir bleiben in Köln und bleiben in Müngersdorf. Das ist ein riesiger Standort mit dem Velodrom, der Sporthochschule. Wir müssen größer denken. Warum können wir beim Ausbau nicht ganzheitlich an eine Olympia-Bewerbung denken? Und wir wollen bei einer WM oder EM auch mal ein Halbfinale oder Finale haben. Das geht aber nicht mit 50.000 Zuschauern.“

Stobbe will „Stadion-Vision für 2048“ entwickeln

Also müsse schon jetzt an die Zeit in den nächsten zwei Jahrzehnten gedacht werden. „Wir wollen eine Stadion-Vision für 2048 entwickeln“, sagte Stobbe. Da träfe es sich gut, dass das Stadion – errichtet 2004 – ohnehin bald ein neues Dach brauchen werde. „Dann können wir ein Dach bauen, das sich schließen lässt.“ Dafür aber müsse der FC „Herr im eigenen Haus sein“. Daher wolle man den Stadionkauf angehen. Dies sei die einzige Chance, um perspektivisch das Ticketproblem und die fehlende Kapazität angehen zu können.

In ähnliche Sphären denkt das Team Stroman. Der noch amtierende Vizepräsident Carsten Wettich bestätigte, dass auch für das Team Stroman „ein Neubau auf der grünen Wiese nicht in Betracht kommt. Nur in Müngersdorf soll der FC spielen.“ Wettich verwies auf die jahrelang diskutierten Probleme mit Politik, Anwohnern und einer Machbarkeitsstudie, die einen viel zu hohen Preis für den Ausbau aufgezeigt habe.

Wettich sieht Zeitpunkt gekommen

„Einfach ausbauen, würde sich finanziell nicht lohnen“, sagte Wettich, erklärte aber: „Wenn überhaupt, dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, weil wir bald einen neuen Vorstand und einen neuen Oberbürgermeister in Köln haben werden. Dann gibt es Verlässlichkeit über mehrere Jahre hinweg. Dann muss man die Zukunft des Stadions angehen.“ Man müsse das Stadion zum „ganzjährigen Anlaufpunkt für Sport, Kultur und Unternehmen machen, einen Leuchtturm für die Stadt Köln.“ So haben sich die drei Teams am Freitag erstmals offen unterschieden.

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