Mit dem Transfer von Imad Rondic hat der 1. FC Köln seinen gewaltigen Kader-Umbruch vorerst abgeschlossen. Sportdirektor Thomas Kessler hat eine lange Liste an Aufgaben erfolgreich abgearbeitet.
Eine kommentierende Analyse von Marc L. Merten
Als der 1. FC Köln vor 108 Tagen in die Bundesliga zurückkehrte, war die Freude in Müngersdorf riesig. Doch ebenso riesig war die Aufgabe für den gerade erst installierten Sportdirektor Thomas Kessler, den Kader der Geißböcke auf Vordermann zu bringen. Denn die Leistungen in der 2. Liga hatten auf alles schließen lassen, nur nicht auf Bundesliga-Tauglichkeit.
Also musste Kessler zahlreiche Entscheidungen treffen. Acht Abgänge standen praktisch sofort fest. Bei Damion Downs und Max Finkgräfe zögerte Kessler nicht Geld einzunehmen, wenn schon eine Vertragsverlängerung unmöglich war. Andere Spieler wurden in mehreren Stufen aussortiert, entweder zur U21 oder in separate Trainingsgruppen versetzt. Imad Rondic am Dienstagabend war der 17. Abgang in diesem Sommer.
Vor dem Aussortieren: Funkel nein, Kwasniok ja
Bei wem es nicht für die Bundesliga reichte, der bekam eine klare Ansage. Dabei wagte sich Kessler auch an gestandene Spieler, die sich selbst anders einschätzen. Leart Pacarada wurde knallhart mitgeteilt, dass es für ihn nicht mehr reiche. Enttäuscht verließ er den Verein. Auch Dominique Heintz bekam eine solche Ansage, auch wenn der Innenverteidiger als loyaler Kaderspieler beim FC blieb.
All dies unternahm Kessler aber erst, nachdem er die erste Machtprobe bereits bestanden hatte. Friedhelm Funkel hatte FC-Trainer bleiben wollen und dabei medial Druck auf den Club – und auf den jungen Sportdirektor ausgeübt. Kessler hielt diesem Druck Stand und verpflichtete stattdessen seinen Wunschtrainer: Lukas Kwasniok. Und scheute sich dabei ebenso nicht davor, in diesem Zuge das Trainerteam komplett umzubauen.
17 Abgänge, 13 Neuzugänge
Mit Kwasniok und dem neuen Technischen Direktor, Lukas Berg, begann in der Folge der Neubau des Kaders. Wer 17 Spieler aussortiert, muss eine beachtliche Zahl an Neuzugängen hinzufügen. Also kamen im Laufe des Sommers insgesamt elf Neue. Wenn man die El-Mala-Brüder mitzählt, sogar 13. Dafür nahm Kessler fast 25 Millionen Euro in die Hand – nach der brutalen Sanierung der letzten Jahre eine beachtliche Kehrtwende in der Transferpolitik, bei der die Downs- und Finkgräfe-Millionen eine wichtige Rolle spielten.
Mit Rav van den Berg setzte der FC zudem ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt und tätigte den drittteuersten Transfer der Vereinsgeschichte. Darüber hinaus kamen aber auch vier Spieler auf Leihbasis, um finanziell kein allzu großes Risiko einzugehen. Dabei achtete der FC darauf, dass die neuen Spieler allesamt ein Merkmal mitbrachten: Sie sollten sofort auf Bundesliga-Niveau spielen können.
Nur noch ein Aussortierter nicht transferiert
Nur die El Malas kamen als Talente in den Kader. Darüber hinaus kam eine Mischung aus jungen und alten Spielern, vor allem aber allesamt mit Profi-Erfahrung. Am wichtigsten: Bülter, Krauß, Kaminski und Zieler brachten Bundesliga-Erfahrung mit. Hinzu kamen die physischen und fußballerischen Qualitäten, die die Neuzugänge praktisch sofort zu Startelf-Kandidaten machten.
Die ersten drei Saisonsiege sind zwar noch kein Versprechen, dass der FC vor einer erfolgreichen Saison steht. Doch die Erfolge haben Selbstvertrauen gegeben. Kesslers letzte Aufgabe in den vergangenen Tagen war, den Kader noch zu verkleinern. Das ist mit den Transfers von Pacarada, Christensen und Rondic gelungen. Einzig Sargis Adamyan ist von den Aussortierten übrig geblieben, doch der Stürmer weiß in der U21 um seinen Platz beim FC. Es liegt nun an ihm, seine Zukunft zu bestimmen.
Gelingt dem FC der Wendepunkt?
Ein neues Trainerteam und ein zu 50 Prozent neuer Kader – beim FC ist im Sommer 2025 kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Kessler hat dem FC ein neues Gesicht verliehen. Ob es ein erfolgreiches werden wird, werden sprichwörtlich erst die nächsten Monate zeigen. Doch ein Zeichen haben die Verantwortlichen in jedem Fall gesetzt. Nach Jahren des sportlichen Strauchelns und falscher Transfers soll dieser Sommer einen Wendepunkt darstellen. Dafür hat der FC alles unternommen.








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