Wer wird der elfte Präsident in der Geschichte des 1. FC Köln? Von Franz Kremer bis Werner Wolf waren unterschiedlichste FC-Bosse dabei – und auch jetzt sind die drei Kandidaten höchst verschieden.
Am 13. Februar 1948 wurde Franz Kremer zum ersten Präsidenten des 1. FC Köln gewählt. Er hatte den FC durch die Fusion aus KBC und Spielvereinigung Sülz ermöglicht, er hatte die Vision eines modernen, professionellen Fußballclubs, der in Deutschland seines Gleichen suchen sollte. Seine Nachfolger versuchten sich stets an seinem Vorbild. Manchen gelang es besser als anderen.
Nun tritt mit Werner Wolf der zehnte Präsident in der FC-Geschichte am Samstag ab. Sechs Jahre stand der promovierte Psychologe den Geißböcken vor. Es ist an den Mitgliedern zu entscheiden, ob er Spuren hinterlassen hat – und wenn ja, welche. In jedem Fall wird am Samstagabend nach der Mitgliederversammlung sein Nachfolger feststehen. Nur, wer wird es? Ein Blick auf die Kandidaten (in alphabetischer Reihenfolge).
Sven Adenauer (Team FC Wahl 25)
Sven Adenauer tritt zusammen mit Martin Hollweck und Thorsten Kiesewetter an. Das Trio hat knapp 5000 Unterschriften gesammelt, um zur Wahl zugelassen zu werden. Adenauer ist 65 Jahre alt und gerade erst nach über 25 Jahren als gewählter Landrat des Kreises Gütersloh aus der aktiven Politik ausgeschieden.
Der gebürtige Bonner ist der einzige Politiker der neun Kandidierenden für den FC-Vorstand. Der Enkel von Konrad Adenauer will für politischen Einfluss und eine Stärkung der Demokratie beim FC einstehen. Dafür wirbt er mit seiner Führungserfahrung in der CDU und im Land NRW, mit einer Vereinfachung der Vereinsstruktur und insbesondere mit der Lösung in der Stadion-Frage.
Wegen letzterer Frage geriet Adenauer in Teilen der Fanszene in Kritik. Adenauer stellt den Standort Müngersdorf in Frage, würde im Zweifel ein neues Stadion außerhalb Kölns bauen. Auch seine Fürsprache für ein Rüstungsunternehmen als FC-Sponsor trug Adenauer Kritik ein, weil viele Fans in einer solchen Kooperation einen Widerspruch zu den Werten des 1. FC Köln sehen würden.
Jörn Stobbe (Team FC)
Jörn Stobbe wurde zusammen mit Jörg Alvermann und Ulf Sobek vom Mitgliederrat für das „Team FC“ als Präsidentschaftskandidat nominiert. Der gebürtige Essener wird im November 60 Jahre alt. Mit seinen 2,06 Meter sticht der ehemalige Handballer heraus. Seit 30 Jahren ist er FC-Mitglied.
Als Qualifikationen führt Stobbe, Jurist und Bankkaufmann, einerseits seine Erfahrung als Immobilienmanager (Ex-CEO bei Union Investment Real Estate GmbH) ins Feld. Als ehemaliger Aufsichtsrat der Geißböcke verfügt Stobbe zudem über Gremien-Erfahrung beim FC. Stobbe will damit insbesondere für den Ausbau des Geißbockheims einstehen, ebenso für eine perspektivische Lösung in der Stadionfrage.
Kritik an seiner Person kam früh auf durch seine Investorenrolle bei Kickers Offenbach und dem Hamburger SV. Stobbe machte aber klar, dass externe Investoren für ihn beim FC nicht in Frage kämen. Darüber hinaus will Stobbe mit seinem Team den FC aus der KGaA herausführen, entweder in eine GmbH oder in den e.V.. Letzteres stößt auf Kritik in Teilen der FC-Fangemeinde.
Wilke Stroman (Team Next Level FC)
Wilke Stroman wurde ebenso wie Tugba Tekkal von Vizepräsident Carsten Wettich angesprochen und in ein Team vereint, das wie das Team Adenauer die nötigen Unterschriften aufbrachte, um zur Wahl zugelassen zu werden. Der 1980 geborene Ostfriese lebt seit 20 Jahren in Köln und ist mit Abstand der jüngste der drei Präsidentschaftskandidaten.
Als Gründer von Sparhandy und heutiger CEO Deutschland von Mobilezone sieht sich der erfolgreiche Unternehmer in der Tradition Franz Kremers, der selbst Unternehmer und bei seiner Wahl zum FC-Präsidenten sogar jünger als Stroman heute war. Der ausgebildete Bankkaufmann verweist auf seine jahrelange Erfahrung in den Bereichen Unternehmensführung, Vermarktung und Digitalisierung.
Zwar wird Stroman von Lukas Podolski unterstützt, ebenso wie von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten in Köln und Deutschland. Diesen „VIP-Faktor“ sehen einige Fans jedoch auch kritisch, da die breite Mitgliederschaft entscheiden sollen. Auch, dass es womöglich zu Interessenskonflikten kommen könnte, da Stroman an weiteren Firmen beteiligt ist, die womöglich als FC-Sponsor in Frage kommen könnten.
Fazit
Der 1. FC Köln wird am Samstagabend wissen, welcher Präsident den Geißböcken für mindestens die nächsten drei Jahre vorstehen wird. Der Politiker Adenauer (65), der Immobilienmanager Stobbe (59) oder der Mobilfunk-Unternehmer Stroman (45) – das Trio wird sich am Samstag noch einmal in persönlichen Reden den Mitgliedern vorstellen, ebenso ihre Teams.
Die Besonderheit der FC-Wahl: Es werden nur die Teams gewählt. Bei anderen Clubs werden Einzelpersonen für die jeweiligen Posten gewählt, sodass sich erst nach der Wahl das vollständige Vorstandsteam ergibt. Ob eine Direktwahl des Präsidenten beim FC anders ausfallen würde als die tatsächliche Wahl des Vorstandsteams am Samstag, ist müßig.
Jedoch kamen in diesem Sommer erstmals Stimmen auf, die sich ein solches Wahlverfahren einzelner Kandidatinnen und Kandidaten wünschen würden, um das bestmögliche Team aus Einzelpersonen zu wählen. Dafür jedoch bräuchte es eine umfassende Satzungsreform, die in dieser Form aktuell von keinem der drei Teams angestrebt wird.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!