Die Fans des 1. FC Köln wollten einen Wahlkampf. Es hieß, ein Wahlkampf würde dem FC gut tun. Doch manche haben ihn genutzt, um zu Donald-Trump-Methoden zu greifen.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Wer keine eigenen Argumente hat, greift die Gegenseite an. Diese politische Taktik ist so alt wie die Politik selbst. In Reinform erlebt man sie dieser Tage in den USA unter Donald Trump, aber auch in Deutschland. Angstmache vor dem politischen Gegner hat sich in den vergangenen Jahren wieder als sehr erfolgreiche Strategie im Kampf um Macht herausgestellt.
Umso trauriger war in den vergangenen Wochen, dass diese Taktik auch beim 1. FC Köln angewendet wurde. Eckhard Saurens Ausbruch in Richtung des angeblich Ultra-dominierten Mitgliederrates und damit des angeblich Ultra-gelenkten Vorstandsteams um Jörn Stobbe war da nur die Spitze des Eisbergs.
Viele „Informationen“ schlichtweg unseriös
Vieles von dem, was zuletzt im Hintergrund erzählt, gemunkelt und durchgesteckt wurde, hat der GEISSBLOG nicht geschrieben. Vieles haben auch andere Journalisten nicht aufgegriffen. Es wäre schlichtweg unseriös gewesen. Und trotzdem wurde vielerorts keine Chance ausgelassen, vor den Vorstandsteams zu warnen – je nach dem, welcher Seite man angehörte.
Das Team Stobbe war Zielscheibe für zahlreiche Angriffe: Das Trio würde den FC an Investoren verkaufen oder über den e.V. in den Ruin treiben. Stobbe werde sofort nach der Wahl als Präsident abgelöst und durch Alvermann ersetzt. Das Mitgliederrats-Team wolle Philipp Türoff entlassen, den FC wieder ins finanzielle Risiko führen und mit Sobek einen Sportchef im Vorstand installieren, der sich ins operative Geschäft einmischen werde.
Persönliche Rechnungen werden beglichen
Auch das Team Stroman musste zuletzt einiges aushalten. Man wolle Eckhard Sauren als Beiratschef und Werner Wolf als Aufsichtsratschef installieren, sodass beide weiter im Gemeinsamen Ausschuss sitzen würden und Alt und Neu zusammen durchregieren könnten. Stroman werde seine eigenen Firmen als Sponsoren beim FC einbringen. Und dann waren da natürlich die unsäglichen Angriffe auf die einzige Frau, Tugba Tekkal. Sexismus und Rassismus dürfen niemals zum FC gehören.
Auch das Team Adenauer sah sich Gerüchten und Angriffen ausgesetzt. Die Spitze waren Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand, Adenauer werde Roland Koch zum Sport-Geschäftsführer machen und sich dafür einsetzen, den Ultras die Macht in der Südkurve zu entziehen.
Je länger der Wahlkampf dauerte, desto häufiger klingelten die Telefone in den Redaktionen. Das Motto: Im Zweifel helfen grobe Foulspiele gegen unliebsame Teams oder Einzelpersonen. Doch genau dieses Schüren der Angst darf nicht zum 1. FC Köln gehören. Es hätte in den vergangenen Wochen um Inhalte gehen sollen. Stattdessen wurden reihenweise persönliche Rechnungen beglichen und damit letztlich dem FC geschadet.
Neuer Vorstand und Mitgliederrat in der Pflicht
Hat der Wahlkampf der Demokratie des 1. FC Köln wirklich geholfen oder nur noch weiter gespalten? Das muss jetzt die Mitgliederversammlung zeigen. Die Mitglieder müssen zeigen, dass sie sich bei allen inhaltlichen Unterschieden nach einer Wahl hinter einem Team vereinen können. Anschließend müssen die künftigen Verantwortlichen – Vorstand und Mitgliederrat – gemeinsam einen Weg finden, den FC wieder zusammenzuführen.
Dazu gehört auch, dass der Mitgliederrat sich einer Wahrheit stellen muss: Viele Mitglieder wünschen sich eine hybride Mitgliederversammlung. Diesen Wunsch auch in Zukunft zu ignorieren, wäre ein Verstoß gegen die Pflichten des Gremiums. Wer für Demokratie stehen will, wer den Verein zusammenführen will, muss alles unternehmen, um möglichst viele Menschen mitzunehmen. Und dazu gehört auch, allen Menschen zu ermöglichen, am demokratischen Prozess teilzunehmen.








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