Der Hype um Said El Mala nimmt immer größere Ausmaße an. Nach seinem nächsten Traumtor für den 1. FC Köln gegen Augsburg sollen nun auch internationale Top-Clubs interessiert sein. Trainer Lukas Kwasniok mahnt zur Besonnenheit und appelliert an die Vernunft.
Er dribbelt, er trifft, er begeistert eine ganze Stadt – und er sorgt Woche für Woche für neue Schlagzeilen: Said El Mala bleibt das Gesicht der noch jungen FC-Saison. Beim 1:1 gegen den FC Augsburg erzielte der 19-Jährige sein nächstes Traumtor. Der Jubel danach: bewusst zurückhaltend. El Mala drehte zur Südkurve ab und hielt sich die Ohren zu. Eine klare Geste: Der Youngster will von dem Trubel um seine Person gar nichts hören.
Dies dürfte auch für die neuerlichen Gerüchte nach seinem dritten Saisontreffer gelten. Wie die Bild am Sonntag berichtete, sollen nun sogar bereits die internationalen Top-Clubs Inter Mailand und Paris Saint-Germain Interesse am Kölner Shootingstar zeigen. Schon zuvor wurde angebliches Interesse von Borussia Dortmund und sogar einem konkreten Angebot des FC Bayern München kolportiert. Der Marktwert des Offensiv-Talents ist in Rekordtempo explodiert – von drei auf inzwischen 18 Millionen Euro.
FC betrachtet Hype mit gemischten Gefühlen
Beim FC betrachtet man diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Zwar erklärte Lukas Kwasniok nach dem 1:1 am Samstagabend, den Hype und die Euphorie um El Mala gar nicht bremsen zu wollen. Trotzdem verfolgt der Trainer die aktuelle Entwicklung um seinen jungen Spieler mit Sorge. „Manchmal wäre es vielleicht sinnvoll, innezuhalten und mal darüber nachzudenken, was mit einem jungen Menschen passiert, der so im Mittelpunkt steht“, sagte Kwasniok nun in einem Interview mit der FAZ.

Seit seinem Amtsantritt im Sommer werde er „in jeder Woche dreimal zu Said El Mala befragt“, und das, obwohl der gebürtige Krefelder gerade einmal sieben Bundesliga-Einsätze zu verzeichnen hat und erst ein einziges Mal in der Startelf stand. Für den Trainer geht die mediale Aufmerksamkeit dabei inzwischen ein Stück zu weit. Während der U21-Nationalspieler noch dabei ist, sich an das Bundesliga-Tempo zu gewöhnen, wird er längst mit Europas Eliteclubs in Verbindung gebracht. Zwar versteht Kwasniok die Faszination um sein Juwel, dennoch will er den Menschen Said El Mala vor dem Spieler schützen.
Kwasniok zieht Vergleich zu Fiete Arp
Kwasniok zog dabei einen Vergleich zu jenen jungen Talenten, die unter der Last der Erwartungen zerbrochen sind: „Ich denke im Moment oft an die vielen Negativbeispiele, die wir hatten, wenn ein medialer Hype jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren hat“, meinte der 44-Jährige und nannte dabei explizit Ex-HSV-Talent und den späteren Bayern-Spieler Fiete Arp. Auch der Angreifer galt einst als Zukunft des deutschen Fußballs, ehe der Druck und die Erwartungen seine Karriere ins Stocken brachten. Auch Youssoufa Moukoko hat bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. Beide spielen inzwischen in Dänemark – abseits des großen Trubels der großen europäischen Fußball-Bühne.
Mit Blick auf seinen eigenen Spieler ärgern Kwasniok insbesondere die gestreuten Gerüchte um angebliche Angebote von astronomischer Höhe. „Solch ein Umgang ist für mich einfach nicht in Ordnung. Für solch eine Behauptung muss kein Journalist eine Konsequenz fürchten, aber wie soll ein so junger Spieler das verarbeiten? Wie soll da jemand normal bleiben?“, stellte Kwasniok die rhetorische Frage und ergänzte: „Mit so etwas beschweren wir auch Saids Laufbahn, nicht zuletzt durch Behauptungen, mit denen einfach nur Klicks und Aufmerksamkeit generiert werden sollen.“
Kwasniok appelliert an die Vernunft
Beim FC weiß man freilich, was man an El Mala hat: ein außergewöhnliches Talent, das mit seiner Unbekümmertheit und Spielweise den Unterschied machen kann. Aber die Verantwortlichen wissen auch: Wer so früh so hell leuchtet, dessen Stern kann schnell erlöschen.
Said hat immer völlig befreit Fußball gespielt, und jetzt kommt so ein Pflock der medialen Berichterstattung, und wir haben alle keine Erfahrungswerte, wie er damit umgehen wird.
Lukas Kwasniok
Entsprechend plädiert Kwasniok dafür, „ihm mal Luft zu geben, zu atmen. Es ist eine enorme Challenge, in der Bundesliga dauerhaft erfolgreich zu sein. Said hat immer völlig befreit Fußball gespielt, und jetzt kommt so ein Pflock der medialen Berichterstattung, und wir haben alle keine Erfahrungswerte, wie er damit umgehen wird. Deswegen möchte ich einfach mal an die Vernunft appellieren.“
El Mala selbst versucht, sich von all dem nicht beirren zu lassen. Sein Ohren-zu-Jubel war kein Zufall, sondern ein Statement: Er will Fußball spielen, keine Schlagzeilen liefern. Wenn ihm das gelingt, kann Köln noch lange an ihm Freude haben – ganz egal, welcher Club sich im Werben um das Top-Talent angeblich neu in Stellungen zu bringen scheint.








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