Sechs Minuten VAR, zweimal Gelb-Rot: Schiedsrichter erklärt Entscheidungen

Daniel Schlager schlägt mit Marvin Schwäbe ein. Merlin Polzin rechts. (Foto: Bucco)
Daniel Schlager schlägt mit Marvin Schwäbe ein. Merlin Polzin rechts. (Foto: Bucco)

Schiedsrichter Daniel Schlager hat nach dem 4:1 des 1. FC Köln gegen den Hamburger SV die diversen kniffligen Entscheidungen erklärt, die Einfluss auf den Spielverlauf genommen hatten.

Schiedsrichter Daniel Schlager hat am Sonntag in Müngersdorf im Mittelpunkt gestanden. Der 1. FC Köln gewann gegen den HSV mit 4:1, doch nach der Partie wurde vor allem über mehrere Entscheidungen des 35-Jährigen diskutiert. Anschließend äußerte sich der Referee bei DAZN.

Insgesamt ging es um drei Situationen: Zunächst nahm Schlager das vermeintliche 2:1 durch Fabio Vieira wegen eines Foulspiels von Rayan Philippe an Eric Martel zurück. Dann zeigte er Immanuel Pherai innerhalb von nur 42 Sekunden die Gelb-Rote Karte. Kurze Zeit später folgte die Gelb-Rote Karte für Vieira.

1. Abseits oder Foulspiel?

In der 50. Minute erzielte Vieira das vermeintliche Anschlusstor für den HSV. „Ich habe das Tor anerkannt, habe aber auch gesehen, dass ein Spieler im Sichtfeld des Torhüters war“, erklärte Schlager hinterher. „Deshalb hat der Videoassistent das zuerst geprüft.“ Philippe hatte vor Marvin Schwäbe im Sichtfeld gestanden, als Vieira eingeschossen hatte.

Einen klaren Fehler habe der VAR „beim Abseits nicht gesehen“, erklärte Schlager. Der Treffer hätte demzufolge also gezählt. Dann aber habe der VAR einen klaren Fehler bei der Bewertung des Zweikampfes zwischen Martel und Philippe erkannt. Schlager gab zu, Philippes „Vergehen mit dem Ellenbogen gar nicht wahrgenommen“ zu haben.

„Der Videoassistent hat mir bestätigt, dass die Abseitssituation knifflig ist. Dann habe ich gefragt, was mit dem Foul sei. Er hat gesagt, dass ihm klare Bilder vorliegen und dass der Unterarm im Gesicht des Spielers ist.“ So besah sich Schlager die Bilder selbst in der Review Area an. „In erster Linie war das Foulspiel Thema, aber ich habe mir die Abseitsszene zeigen lassen, um einfach insgesamt einen Gesamteindruck von der Situation zu bekommen.“ Am Ende stand die Entscheidung: kein Tor.

2. Gelb-Rot für Pherai

Diese Szene erhitzte die Gemüter beim HSV. Trainer Merlin Polzin erklärte hinterher: „Die Verhältnismäßigkeiten haben nicht gepasst. Es war ein Wegrutschen von Pherai. Dafür kann man Gelb und damit Gelb-Rot ziehen. Aber in der ersten Halbzeit wurde uns gesagt, dass es kein Gelb für einen Kölner Spieler gab, weil er weggerutscht sei und es keine Absicht gewesen sei.“ Schlager hingegen bewertete die Szene anders.

„Der Spieler geht mit hoher Intensität in den Zweikampf, spielt nicht den Ball und grätscht mit hohem Tempo in die Beine seines Gegenspielers“, erklärte der Unparteiische die Szene. „Für mich ist das in dem Fall rücksichtslos – und da er schon verwarnt war, ist es eine Gelbe Karte.“

3. Gelb-Rot für Fabio Vieira

Noch einmal anders lag die Situation beim zweiten Platzverweis, der das Fass beim HSV endgültig zum Überlaufen brachte. „Die zweite Gelb-Rote war schwierig, wenn ein Spieler den Schiedsrichter darauf hinweisen möchte, dass das Fortsetzen des Spiels länger dauert“, sagte Polzin. „Da hätte ich mir mehr Fingerspitzengefühl gewünscht.“ Polzin schloss mit den Worten: „Der Schiedsrichter hat massiv ins Ergebnis eingegriffen.“

Das wollte Schlager nicht auf sich sitzen lassen und gab einen Einblick, dass Vieira schon mehrfach ermahnt worden war – weil er sich ständig beim Schiedsrichtergespannt beschwert hatte. Schlager bestätigte, dass der Platzverweis „eine längere Vorgeschichte“ gehabt habe. Bereits in der ersten Hälfte habe Schlager den Spieler „darauf hingewiesen, dass er das bitte unterlassen soll. Ich habe das Spiel extra unterbrochen, bin zu ihm gegangen und habe gesagt, dass ich die Art und Weise nicht dulden werde.“

Diesen Hinweis hatte Schlager dann auch in der Halbzeitpause bei Polzin persönlich hinterlegt. „Es hat aber nicht aufgehört. Ich habe versucht Brücken zu bauen, aber irgendwann ist auch bei mir mal eine Grenze erreicht.“ Und dies war in der 83. Spielminute der Fall. Der Ball lag bei Schwäbe, der FC-Keeper ließ sich Zeit – und Vieira war wieder beim Schiedsrichter. „In der Szene hat er Zeitspiel gefordert“, sagte Schlager. Als sich der HSV-Profis dann fortbewegt habe, habe der Portugiese auf eine imaginäre Uhr gedeutet und damit „die Gelbe Karte gefordert. Deshalb habe ich entschieden, den Spieler des Feldes zu verweisen.“

Fazit

Der FC wollte sich nicht ausführlich zu den Entscheidungen äußern. Trainer Lukas Kwasniok erklärte lediglich, dass im Laufe des Spiels viele Elemente auf die Seite des FC gefallen seien. So auch die Entscheidungen von Daniel Schlager. „In Summe hatte ich das Gefühl, dass der liebe Gott gesagt hat: Was bei den letzten Spielen nicht der Fall war, gebe ich euch heute zurück.“ Zur Erinnerung: Am Mittwoch gegen den FC Bayern war ein klares Abseitstor der Münchner nicht aberkannt worden.

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