Der 1. FC Köln pflegt im Nachwuchs ein positives Verhältnis zu Borussia Mönchengladbach. Mit Bayer Leverkusen hingegen hängt der Haussegen schief. Warum das jeweils so ist, erklärt Nachwuchs-Chef Markus Halfmann im GEISSBLOG-Interview.
Das Interview führten Marc L. Merten und Martin Zenge
Im ersten Teil des Nachwuchs-Interviews mit Markus Halfmann erklärte der neue Leiter der Akademie des 1. FC Köln: „Das Wichtigste ist, dass wir Spieler für die Profi-Mannschaft vorbereiten. Das ist der größtmögliche Erfolg, den wir feiern können. Nicht umsonst haben wir angefangen, das bildlich darzustellen, indem wir in der FC-Akademie von jedem Debütanten ein Foto aufhängen.“ Im zweiten Teil des Interviews spricht Halfmann über den harten Kampf um die besten Talente.
GEISSBLOG: Von welchem Talent dürfen Sie Ihr erstes Debütanten-Bild aufhängen?
MARKUS HALFMANN: „Da nenne ich jetzt natürlich keine Namen. Da ich einen mehrjährigen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, bin ich mir aber sicher, dass es unter meiner Leitung irgendwann passieren wird.“
In dieser Saison?
„Das weiß ich nicht. Man muss das schon einordnen: Vergangene Saison haben wir ganz viele Bilder an die Wand gebracht. Das lag natürlich auch daran, dass es die 2. Liga war und es Begleitumstände wie die Transfersperre gab. Jetzt ist die Hürde fürs Debüt bedeutend höher. Das ist ohnehin nichts, was man planen kann. Man kann nicht sagen, dass die Zielgröße ist, jedes Jahr drei oder vier Spieler bei den Profis anzubringen – das ist hochgradig individuell. Wir sind nicht in einer Fabrik, wo die Spieler über das Fließband laufen. Der eine oder andere Spieler muss nach der U21 einen Umweg über eine Leihe nehmen, um besser zurückzukommen – das kann genau der Weg sein, den der Spieler braucht, um sich langfristig zu etablieren. Dann warte ich lieber noch ein Jahr, bevor ich das Bild aufhänge.“
Halfmann über die Nachwuchstrainer
U19-Trainer Stefan Ruthenbeck ist seit dieser Saison auch Leiter des Leistungsbereichs in der Akademie, kümmert sich also um die Teams U16 bis U19. Wie funktioniert diese Doppelfunktion?
„Ich finde die Konstellation sehr gut. Mir persönlich hilft es, dass er nicht nur Trainer der U19 ist, sondern auch Leiter des Leistungsbereichs. Natürlich ist das für Ruthe neu und er hat nicht unendlich viel Zeit, weil die Trainertätigkeit viele Ressourcen bindet, aber es läuft sehr gut. Ich setze mich sehr dafür ein, dass diese Doppelfunktion noch länger so weiterläuft.“
Bei der U17 und der U16 setzte der FC zuletzt auf eine Rotation von Vladyslav Moschenski und Manuel Hartmann. Werden Sie daran festhalten?
„Grundsätzlich halte ich diese Zwei-Jahres-Rotation für sehr gut. Das ergibt Sinn und zieht sich bei uns durch die gesamte Altersstruktur. Über Arbeitsverträge rede ich natürlich nicht. Aber ich persönlich finde, es läuft sehr gut.“
Da ist hinlänglich bekannt, dass es mit Leverkusen leider nicht mehr funktioniert. Mit Gladbach funktioniert es hingegen sehr gut, darüber bin ich sehr glücklich.
Markus Halfmann
Ein Thema, das in den letzten Jahren immer wieder hochgekocht ist, ist das vermeintliche Gentlemen’s Agreement mit Leverkusen und Gladbach, sich gegenseitig keine Nachwuchsspieler abzunehmen. Seit der Personalie Florian Wirtz stellt sich die Frage, wie viel davon noch übriggeblieben ist?
„Ich halte es wirklich für sinnvoll, wenn wir hier im Westen mit dieser großen Dichte von Vereinen, gut miteinander auskommen und einen guten Kontakt pflegen. Was dieses Agreement zu Transfers von Jugendspielern angeht: Da ist hinlänglich bekannt, dass es mit Leverkusen leider nicht mehr funktioniert. Mit Gladbach funktioniert es hingegen sehr gut, darüber bin ich sehr glücklich. Ich hatte in meiner neuen Rolle auch schon erste Kontakte in diese Richtung mit Mirko Sandmöller und weiteren Gladbacher Verantwortlichen. Ich glaube, von beiden Seiten besteht das Interesse, dass diese Vereinbarung bestehen bleibt.“
Warum funktioniert es mit Leverkusen nicht mehr?
„Ich würde sagen, da darf man nicht uns beim 1. FC Köln fragen. Der ambitionierte Jugendfußball ist allgemein sehr kompetitiv und wird von Geldinteressen dominiert. Da will ich uns als 1. FC Köln auch gar nicht rausnehmen. Auch der FC ist ein Unternehmen, bei dem es um wirtschaftliche Fragestellungen geht. Aber nach wie vor bin ich der Meinung, dass Vereinswechsel von Spielern aus Leistungszentren, wenn sie zu früh und zu häufig passieren, der Entwicklung der Spieler nicht zuträglich sind. Man muss immer abwägen und im Blick behalten, was kurzfristig Nutzen bringt und was langfristig wichtig ist. Ich finde, dass wir da einen sehr humanen und ausgewogenen Zugang haben.“
„Da kann man noch mal Wirtz heranziehen“
Erst in diesem Sommer hat Leverkusen mit dem Brüder-Paar Simone und Luca Cannizarro zwei vielsprechende Talente des FC geholt.
„Es ist schade, dass es auseinandergegangen ist. Aber grundsätzlich muss man auch sagen, dass das eine freie Welt ist und jeder selbst entscheiden kann, wo er sich entwickeln will. Da kann man noch mal das Beispiel Florian Wirtz heranziehen. Für uns war der Abgang sehr schade, aber ich glaube, es wird sich heute niemand hinstellen und sagen, dass die Entscheidung, die er und seine Familie damals getroffen haben, für seinen Karriereweg falsch war. Wir als Verein wollen die talentierten Jungs natürlich immer hierbehalten, aber man muss auch ein Stück weit akzeptieren, wenn das nicht immer gelingt.“
Da sich das Agreement mit Leverkusen erledigt hat: Schaut sich der FC auch bei Bayer um?
„Ja, das ist die Folge. Klar gibt es auch Jungs aus Leverkusen, die zu uns wechseln. Und natürlich erlegen wir uns auf, in diesen Fällen immer sehr transparent und direkt zu kommunizieren. Die Gesprächskanäle zwischen den Vereinen wurden ja auch nicht zerstört.“
Ich glaube nicht, dass wir irgendwann dazu übergehen werden, fünf solcher Transfers pro Jahr zu machen
Markus Halfmann
Mit der Verpflichtung mit Maik Afri Akumu von Hertha BSC hat der FC in diesem Sommer für einen Nachwuchsspieler tief in die Tasche gegriffen. Soll es in Zukunft häufiger zu solchen Transfers kommen?
„Die Realität hat gezeigt, dass so etwas bei uns nicht ständig passiert. Wie sich das in Zukunft entwickelt, wird man sehen müssen. Ich finde aber, dass der 1. FC Köln dafür steht, das Gros der Spieler aus den eigenen Reihen zu entwickeln. Wir fangen schon früh an, gute Mannschaften zu entwickeln und wollen möglichst viele unserer Spieler von der einen in die nächste Altersstufe bringen. Wenn es als Ergänzung für eine Mannschaft Sinn ergibt, kann hier und da mal so ein Transfer unternommen werden. Dass die Verpflichtung von Maik geklappt hat, war super. Er macht es gerade gut. Ich glaube aber nicht, dass wir als FC irgendwann dazu übergehen werden, fünf solcher Transfers in diesem Altersbereich oder jünger pro Jahr zu machen.“
Hier geht’s zum ersten Teil des Interviews mit Markus Halfmann.








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