Mahnmal für den Druck im Profifußball: Als Köln gegen Mainz abgesagt wurde

Babak Rafati bei der Baller League mit Lukas Podolski. (Foto: IMAGO / Kirchner-Media)
Babak Rafati bei der Baller League mit Lukas Podolski. (Foto: IMAGO / Kirchner-Media)

Stell Dir vor, es ist Bundesliga, alles ist angerichtet – und dann kommt der Schiedsrichter nicht. Genau das gab es vor fast 15 Jahren bei der Partie des 1. FC Köln gegen den 1. FSV Mainz 05, als sich eine Tragödie um Babak Rafati entspann.

Im November 2011, also vor fast 15 Jahren, warteten Heimpublikum, Gästefans, Sicherheitskräfte und Medienvertreter vergeblich auf den Anpfiff im RheinEnergieStadion. Zunächst hieß es, das Spiel des 1. FC Köln gegen Mainz 05 müsse ausfallen. Kurz darauf machte der schockierende Grund die Runde: Der angesetzte FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati hatte sich in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollen.

Der damals 40-jährige Hannoveraner war als Leiter der Bundesliga-Begegnung vorgesehen, erschien jedoch nicht im Stadion. Das Spiel wurde schließlich abgesagt. Wenige Tage später ging Rafati an die Öffentlichkeit und machte eine schwere Depression als Ursache für seinen Suizidversuch bekannt. Der stetig wachsende Leistungsdruck im Profifußball, die intensive mediale Beobachtung und die permanente Angst vor Fehlern hätten ihn zunehmend belastet. Am Ende habe er sich dieser Situation nicht mehr gewachsen gefühlt.

Rafatis Karriere begann und endete mit Köln gegen Mainz

Rafati begab sich in therapeutische Behandlung, kehrte jedoch nicht mehr als aktiver Bundesliga-Schiedsrichter zurück. Am 24. Mai 2012 erklärte er seinen Rücktritt. Dabei hatte seine Karriere vielversprechend begonnen: Sein Bundesliga-Debüt gab er im August 2005 – auch hier war es eine Partie zwischen 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05.

Insgesamt leitete Rafati 84 Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse, war von 2008 bis 2011 FIFA-Referee und pfiff unter anderem ein Länderspiel sowie zahlreiche internationale Qualifikationsspiele. Hinzu kamen über 100 Zweitliga-Duelle, Einsätze im DFB-Pokal und ein Bundesliga-Relegationsspiel.

Babak Rafati: Für die Baller League wieder im Einsatz

Ganz verabschiedet hat sich Rafati vom Fußball dennoch nicht. Bei mehreren Abschiedsspielen prominenter Profis stand er noch einmal als Schiedsrichter auf dem Platz – etwa 2014 beim Karriereende von Ailton, 2015 beim Abschiedsspiel von Dedé vor mehr als 80.000 Zuschauern in Dortmund und 2018 beim Abschied von Per Mertesacker in Hannover. Seit 2024 pfeift er zudem die Final-Spiele in der Baller-League und tritt als Schiri-Experte in der Dritten Liga auf.

Seine persönliche Geschichte verarbeitete Rafati in dem Buch „Ich pfeife auf den Tod! Wie mich der Fußball fast das Leben kostete“. Darin beschreibt er offen die psychischen Belastungen im Profisport und gibt Einblicke in ein System, das für viele Beteiligte enormen Druck bedeutet. Der Fall Rafati erinnerte damals auch an den früheren Nationaltorwart Robert Enke, der 2009 Suizid beging, nachdem er an Depressionen gelitten hatte.

1.⁠ ⁠FC Köln gegen Mainz 05: Abgesagtes Spiel als Mahnmal

Heute ist Babak Rafati zudem als Autor, Redner und Mentaltrainer tätig. In Vorträgen spricht er über Burnout, Mobbing, Depressionen und Leistungsdruck – und setzt sich dafür ein, psychische Erkrankungen im Leistungssport aus der Tabuzone zu holen. Das abgesagte Bundesligaspiel von Köln gegen Mainz bleibt damit nicht nur ein außergewöhnliches Kapitel der Fußball-Geschichte, sondern auch ein Mahnmal für den oft unsichtbaren Druck hinter den Kulissen des Profisports.

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