Said El Mala hat beim 1. FC Köln einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Zuletzt wirkte er nicht mehr so unbeschwert. Für Lukas Kwasniok ein normaler Teil der Entwicklung. Wie Spieler und Verein jetzt agieren wollen.
Für die Fans des 1. FC Köln ist Said El Mala vieles zugleich: Hoffnungsträger in dieser Saison, Gesicht des FC für die Zukunft, Torjäger, Dribbler, Millionen-Mann, der teuerste FC-Spieler in der Geschichte. Das müssen die Anhänger genauso verkraften und einzuordnen lernen wie der Spieler selbst. 19 Jahre alt, gerade einmal ein halbes Jahr Bundesliga-Spieler. Da kann man schon mal ins Nachdenken kommen.
In den letzten Woche ist genau das bei El Mala passiert. „Er ist nicht mehr ganz so frei, wie er bis Dezember gewesen ist“, sagte Lukas Kwasniok. „Er geht sehr gut damit um, aber im Trainingslager hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ihn das beschäftigt.“ Und so überrascht es nicht, dass dies auch dem Spieler anzusehen ist, wenn er auf dem Rasen steht.
El Mala darf immer häufiger ran
Als er in Heidenheim traf, jubelte er kaum. Als er gegen die Bayern fast nur Arbeit gegen den Ball leisten musste, ging ihm irgendwann die Kraft aus. Als er gegen Mainz nie so richtig ins Spiel fand, wirkte er genervt. Und als er nach einer kurzen Krankheit in Freiburg in die Partie kam, wirkte er kraftlos. Doch wenn einer beim FC in dieser Saison all das darf, dann ist es Said El Mala.
Kwasniok weiß, wie groß die Hoffnungen sind, was auch von ihm als Trainer erwartet wird. Von außen betrachtet, sagen viele, er müsse El Mala immer spielen lassen. Und wenn man genau hinschaut, spielt El Mala inzwischen deutlich mehr als zu Saisonbeginn. Seit seinem ersten Startelf-Einsatz am 6. Spieltag stand El Mala in acht von 14 Spielen in der Startelf. Auch seit Anfang Dezember gerechnet: in vier von sieben.
Kwasniok: „Damit er nicht die Freude verliert“
Faktisch lässt Kwasniok den Youngster also immer häufiger von Beginn an ran. Und dennoch ist es gerade auch für den FC-Trainer nicht so einfach. „Es ist vielleicht das erste Mal, dass Said etwas ins Stocken geraten ist, sagt der 44-Jährige. „Bis jetzt ist es fast schon unmenschlich gewesen, was er geliefert hat. Das geht aber ja nicht immer genau so weiter. Wir wollen ganz behutsam mit ihm umgehen, damit er an dem, was er am liebsten macht, nicht die Freude verliert.“
Es ist ein Balanceakt für Spieler, Trainerteam und Verein. Einerseits hat der kometenhafte Aufstieg mit der dazugehörigen Euphorie diese Entwicklung noch einmal befeuert, denn El Mala genoss die Begeisterung der Fans für sein Spiel und zog daraus zusätzliche Energie. Nun merkt er das erste Mal, dass diese Entwicklung aber auch Energie kosten kann. „Es hilft natürlich nicht, wenn der Hype so immens ist“, sagt Kwasniok. „In dieser Phase befindet er sich gerade.“
Du siehst deine eigene Visage nicht im Spiegel, sondern die ganze Zeit in deinem Handy
Lukas Kwasniok
Erstmals sickert ein, was der 19-Jährige schon erreicht hat. Aber auch, wie viel Arbeit es ist, dieses Level zu halten und weiterzuentwickeln. „Die Jungs leben ja am Handy. Du siehst deine eigene Visage nicht im Spiegel, sondern die ganze Zeit in deinem Handy“, sagt Kwasniok. „Natürlich macht das was mit dir. Das hat er noch nicht erlebt. Daher muss man auch schauen, dass man sich etwas von denen abschaut, die auch schon in jungen Jahren so gehypt worden sind.“
Beispiele gibt es zuhauf, positive wie negative. Der FC will zusammen mit El Mala beide Seiten betrachten, die Fehler anderer analysieren und nicht wiederholen, die Empfehlungen von Spielern, die es aber geschafft haben, dagegen einholen und dem Spieler ans Herz legen. Dabei gilt: Der beste Umgang liegt im Fußballspielen selbst. Und bei El Mala: im Dribbling, im Toreschießen, im Gewinnen. Das soll schon am Freitag gegen Wolfsburg wieder gelingen.








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