Das Drama um einen Fan im RheinEnergieStadion überschattet das 2:2 des 1. FC Köln gegen Hoffenheim. Danach äußert sich Lukas Kwasniok unglücklich – und liegt mit seiner Darstellung daneben.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Tom Krauß fand sensible und emotionale Worte nach dem 2:2 des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim. 90 umkämpfte Minuten lagen hinter dem Mittelfeldspieler, 90 Minuten ohne jede Fan-Unterstützung, weil rund um den Anpfiff ein 90-jähriger Mann im Zugangsbereich des Oberrangs auf der Osttribüne schwer gestürzt war.
„Nach 20 Minuten oder so habe ich den Co-Trainer gefragt, was los ist. Dann kriegst du es auch mit“, sagte Krauß später. „Wir wollten dann auch für den Fan spielen und haben den Punkt für ihn gewonnen.“ Der FC sprach zunächst von einem „Reanimierungsfall“ und davon, dass der Fan in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Am Sonntagnachmittag folgte dann die traurige Gewissheit: Der Fan erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Wirrer Vergleich mit Kompanys Rede
Ein Drama, das bei aller Wertschätzung für den Fußball weit über dieser Partie im Mittelpunkt stand. Umso verwunderlicher war, dass Lukas Kwasniok nach der Partie – auf die fehlende Unterstützung von den Rängen angesprochen – dies nicht so adressierte. Stattdessen überraschte er mit einem Vergleich zur eindrucksvollen Rede von Bayern-Trainer Vincent Kompany unter der Woche zum Thema Rassismus.
Zur Erinnerung: Kompany hatte am Freitag einen zwölfminütigen Monolog zum Rassismus-Vorfall um Vinicius Junior von Real Madrid im Champions-League-Spiel bei Benfica Lissabon gehalten. Kompany ordnete den Vorfall sehr differenziert und klug ein, wählte vereinende Worte und war doch in seiner Botschaft unmissverständlich deutlich in Richtung José Mourinho, der sich an dem Abend mit seinen Äußerungen ins Abseits manövriert hatte. Kompany beeindruckte mit Klarheit, Weitsicht und Haltung und vergaß dabei keine Seite eines schwierigen Themas.
Das sagte Kwasniok auf der Pressekonferenz
Warum Kwasniok nicht nur auf der Pressekonferenz, sondern auch vorher schon bei Sky sich genötigt sah, das Thema der Fanunterstützung mit Kompanys Rede zum Rassismus in Verbindung zu bringen, wurde nicht ersichtlich. Dass er zudem meinte, dass Kompanys zwölf Minuten ihm, Kwasniok, nicht ausreichen würden, um in Gänze über den Fansupport zu sprechen, verwunderte ebenso. Am Ende klangen seine Worte wie folgt:
„Es gibt Argumente dafür, es gibt Argumente dagegen. In Summe haben wir im Verlauf der Saison zum wiederholten Male erfahren müssen, dass Teile unserer Fans nicht dabei waren oder die Unterstützung bei Heimspielen nicht da gewesen ist, wie wir uns das erhoffen. Gleichzeitig haben wir ganz viel Verständnis für viele, viele Themen außerhalb des Fußballs. Das ist ein zweigespaltenes Thema. Für uns ist es grundsätzlich schade, weil das Heimspiel in dem Moment nicht mehr so einen Vorteil darstellt, wie es mit dem Support der Südkurve der Fall ist. Deshalb ist es traurig.“
Fanverhalten hätte Kwasniok ein Hinweis sein sollen
Damit lag Kwasniok daneben. Mitfühlende Worte in Richtung des gestürzten Mannes und dessen Familie wären angebrachter gewesen als die indirekte Kritik an der Fanszene. Dabei ist es ohnehin seit langer Zeit nicht nur in Köln gängige Praxis, dass aktive Fanszenen ihren Support einstellen, wenn Notfälle im Stadion auftreten. Dass der Support im Laufe des Spiels nicht zurückkehrte, hätte dem FC-Trainer eigentlich ein Hinweis sein sollen, wie schlecht es um den Fan gestanden hatte.
So blieb nach dem aus rein sportlicher Sicht eigentlich erfreulichen 2:2 für den FC nicht nur eine Schwere und Traurigkeit ob der ungewissen Situation des gestürzten Fans. Kwasnioks unglückliche Äußerungen waren außerdem Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Der FC-Trainer hätte am Samstag mit wenigen Worten eine mitfühlende Botschaft formulieren können. Stattdessen dürfte er bei so manchem FC-Fan an Sympathien eingebüßt haben.







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