„Habe ich selten erlebt“: Wagner überzeugt Kessler nicht nur als Taktikfuchs

Thomas Kessler im Gespräch mit René Wagner. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)
Thomas Kessler im Gespräch mit René Wagner. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)

René Wagner könnte für den 1. FC Köln mehr als nur eine kurzfristige Lösung sein. Der neue Cheftrainer bringt nicht nur fachliche Kompetenz mit – sondern vor allem eine Qualität, die für Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler eine zentrale Rolle spielt: Kommunikation.

Nach den zuletzt schwierigen Monaten unter Vorgänger Lukas Kwasniok setzt der 1. FC Köln bei seinem neuen Trainer bewusst auf einen anderen Ansatz. Näher dran an der Mannschaft, verbindender, zugänglicher. Eigenschaften, die Wagner bereits in seinen ersten Tagen unter Beweis gestellt hat. Und die intern offenbar gut ankommen.

„René ist ein sehr kommunikativer Mensch und hat seine Art, Leute mitzunehmen“, sagt Kessler. Zuletzt hatte es genau daran immer wieder gehakt: an der Ansprache, am Ton, an der Verbindung zwischen Trainer und Team. Wagner soll diese Lücke nun schließen. Dabei hilft ihm nicht nur seine ruhige Art, sondern auch ein praktischer Vorteil in einem international besetzten Kader. „Er hat natürlich auch den großen Vorteil, dass er in unserer internationalen Mannschaft sein eigener Simultandolmetscher sein kann“, erklärt Kessler. 

Qualität der Ansprache ist entscheidend

Vor allem aber geht es um die Qualität der Ansprache. „Ich habe selten jemanden erlebt, der auch in Ansprachen zur Mannschaft auf Deutsch und auf Englisch sehr natürlich sprechen kann, sodass auch Emotionen übergeleitet werden.“ Eine Fähigkeit, die über reine Sprachkenntnisse hinausgeht. Und die in einer Mannschaft, die von Emotionen lebt, womöglich entscheidend sein kann.

Dass Wagner damit Wirkung erzielen kann, scheint sich intern bereits in den vergangenen Monaten unter Lukas Kwasniok gezeigt zu haben. „Er hat einen guten Zugang zu den Jungs. Ich nehme die Jungs auch so wahr, dass sie es als sehr wohltuend empfunden haben, mit René zusammenzuarbeiten“, erklärt Kessler.

Kessler: „Da erhoffe ich mir natürlich…“

Nach einer Phase, in der Reibung Teil des Prozesses war, setzt der FC nun auf ein anderes Klima. Mehr Vertrauen, mehr Austausch, mehr Nähe. Auch deshalb fiel die Entscheidung gegen eine externe Lösung und für Wagner aus den eigenen Reihen. Die Hoffnung dahinter ist klar formuliert: „Da erhoffe ich mir natürlich, dass der ein oder andere Spieler einen noch engeren Zugang zu René findet.“

Es geht also nicht nur um Taktik oder Trainingsinhalte. Es geht um Verbindung und um das Gefühl innerhalb der Mannschaft. Und darum, dass ein Trainer nicht nur vorgibt, sondern seine Spieler damit auch erreicht. Allerdings gehört zur Bewertung auch die andere Seite der Medaille.

Verbindendes Element wird zum Hauptverantwortlichen

Denn als Co-Trainer ist es naturgemäß leichter, ein enges und positives Verhältnis zur Mannschaft aufzubauen. Die Rolle bringt weniger Reibungspunkte mit sich, unbequeme Entscheidungen wie Startelf-Nominierungen, Kaderstreichungen oder personelle Härtefälle liegen in der Regel beim Cheftrainer. Der Co-Trainer kann näher dran sein, vermitteln und im Zweifel auffangen.

Genau dieser Rollenwechsel steht Wagner nun bevor. Aus dem verbindenden Element im Hintergrund wird der Hauptverantwortliche – inklusive aller Konsequenzen. Nähe und Zugang zur Mannschaft sind ein Vorteil, entscheidend wird aber sein, wie stabil dieses Verhältnis bleibt, wenn Wagner erstmals selbst die schwierigen Entscheidungen treffen muss. Die Stärke in der Kommunikation hat er bereits bewiesen. Ob sie den Trainer und seine Mannschaft auch in den kritischen Momenten trägt, wird sich erst noch zeigen.

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