WM als Transfer-Test: Berater verschweigt FC-Interesse

Paul Okon-Engstler im Trainingslager in Kitzbühel. (Foto: GEISSBLOG)
Paul Okon-Engstler im Trainingslager in Kitzbühel. (Foto: GEISSBLOG)

Paul Okon-Engstler ist einer von zwei WM-Teilnehmern, die in diesem Sommer zum 1. FC Köln gewechselt sind. In Kitzbühel überzeugt der Australier in seinen ersten Einheiten als FC-Profi und spricht über seinen Transfer.

Aus dem Trainingslager in Kitzbühel berichten Marc L. Merten und Martin Zenge

Nicht jedem ersten Eindruck ist zu trauen, schon gar nicht während einer Saisonvorbereitung. Doch nach Paul Okon-Engstlers ersten Auftritten im Mannschaftstraining des 1. FC Köln haben nicht wenige Beobachter den Eindruck, dass der Australier in der Bundesliga schneller als gedacht Fuß fassen und zu einer der positiven Überraschungen der kommenden Spielzeit avancieren könnte.

Mit seinem präsenten Auftreten im Mittelfeldzentrum, seinem nicht zu übersehenden Spielverständnis und seinen Qualitäten als Ballverteiler wirkt der 21-Jährige weder wie jemand, der zuletzt von einem hartnäckigen Infekt ins Bett gezwungen wurde, noch wie jemand, der sich – aus der australischen A-League kommend – großartig an das Tempo bei einem Bundesligisten gewöhnen müsste.

Keine Gespräche während der WM

Knüpft Okon-Engstler an diese ersten Eindrücke an, wäre das eine Bestätigung für die Kölner Verantwortlichen. Thomas Kessler und sein Team hatten den australischen Nationalspieler bereits vor der WM im Blick, wollten sich beim Turnier aber erst davon überzeugen, ob der Youngster seine in Sydney gezeigten Qualitäten auf der großen Bühne untermauert. Das tat er unter anderem mit einer sehenswerten Vorlage gegen die Türkei.

Damit sich Okon-Engstler voll und ganz auf seine erste Weltmeisterschaft konzentrieren konnte, wurde ihm das bereits hinterlegte Kölner Interesse bewusst verschwiegen. „Nach der WM habe ich davon erfahren. Mein Berater und mein Vater haben mir nichts davon erzählt, damit ich mich voll und ganz darauf fokussieren kann, die Weltmeisterschaft zu spielen“, berichtet der Neuzugang nun im Trainingslager.

Nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Ägypten war die Anfrage aus einer europäischen Top-Liga ein willkommener Trost. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ein Verein wie Köln an mir interessiert war. Jetzt bin ich hier und bin glücklich.“

Vorschusslorbeeren für Okon-Engstler

Für Okon-Engstler setzt sich das Pendeln zwischen den Kontinenten fort: Geboren im belgischen Oostende, wo sein Vater Paul Okon gerade in der ersten Liga spielte, aufgewachsen in Australien, als Teenager in Brügge und bei Benfica Lissabon ausgebildet und für das Profi-Debüt zurück nach Sydney gewechselt. „Das ist der Weg, den ich gewählt habe. Ich dachte einfach, es wäre der bestmögliche Karriereschritt, nach Australien zurückzukehren. Ich bin froh, dass es sich ausgezahlt hat und ich für Köln in der Bundesliga spielen kann.“

Den früheren Schalke-Profi Alexander Baumjohann überrascht dieser Schritt nicht. Baumjohann fungiert inzwischen als Sportdirektor bei Okon-Engstlers Ex-Club Sydney FC und schwärmte jüngst gegenüber dem Kicker: „Aus meiner Sicht kann er mit seinem Gesamtpaket einer der besten australischen Spieler aller Zeiten werden.“

Das sind Okon-Engstlers Qualitäten

Gewaltige Vorschusslorbeeren, die den Neu-Kölner jedoch genauso wenig belasten wie die beachtliche Karriere seines Vaters. „Ich glaube nicht, dass ich unter Druck stehe. Es gibt viele gute Spieler in Australien, und ich habe natürlich großes Glück, einer von ihnen zu sein. Ich möchte mich hier beim 1. FC Köln einfach beweisen und mir meinen Platz in der Mannschaft erkämpfen.“

Ein Platz finden könnte er mit seinen Anlagen sowohl als Sechser als auch als Achter. „Ich habe gerne den Ball am Fuß, bin mir nicht zu schade für die Drecksarbeit, erkämpfe mir gerne Bälle und sorge dafür, dass die Mannschaft stabil und kontrolliert bleibt“, beschreibt Okon-Engstler sein Aufgabengebiet.


Auch Chefcoach René Wagner ist nach den ersten Einheiten angetan: „Ich glaube, man sieht schon jetzt, dass Paul ein Spieler ist, der das Spiel kontrollieren möchte, der gut am Ball ist, der auch gegen den Ball viel Volumen hat – und darauf freuen wir uns.“ Täuschen die ersten Eindrücke nicht, dürften sich die eine Million Euro, die der FC nach Sydney überwiesen hat, auszahlen.

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