Der 1. FC Köln hat für die neue Bundesliga-Saison bislang sieben Spieler neu verpflichtet und acht Spieler aus dem letztjährigen Kader abgegeben. Wie hat sich das Kräfteverhältnis im Kölner Aufgebot durch die Transfers verändert?
Streng genommen hat der 1. FC Köln in diesem Sommer schon 13 Spieler abgegeben. Doch wenn man Jaka Cuber Potocnik, Jusuf Gazibegovic und Rasmus Carstensen als bereits vorherige Leihspieler sowie Luca Kilian (fiel die gesamte Saison aus) und Fynn Schenten (gehörte nur vorübergehend dem Profikader an) aus der Gleichung nimmt, stehen unter dem Strich bislang acht echte Abgänge für den FC.
Dagegen hat der FC sich mit sieben externen Neuzugängen verstärkt. Nicht mitgerechnet sind dabei die zuvor geliehenen und anschließend fest verpflichteten Jahmai Simpson-Pusey und Tom Krauß. Ebenso hinzugekommen sind die beiden Leih-Rückkehrer Julian Pauli und Elias Bakatukanda. Da der FC jedoch bereits zum Start der Vorbereitung erklärte, Bakatukanda wieder zu verleihen, zählte nur Pauli als Rückkehrer mit Chancen auf einen Kaderplatz.
Veränderungen in der Defensive
Martin James hat den FC im Tor verstärkt. Die neue Nummer drei schließt die Vakanz hinter Marvin Schwäbe und Ron-Robert Zieler, da zuvor weder Mikolaj Marutzki noch Matthias Köbbing zugetraut worden wäre, für die arrivierten Torhüter einzuspringen. Fazit: Verbesserung.
Luka Lochoshvili kam vom 1. FC Nürnberg und ersetzt Cenk Özkacar, dessen Leihe nicht verlängert wurde. Mehr Wucht, mehr Kopfballstärke, mehr Zweikampfstärke und mehr Führungsstärke verspricht sich der FC vom Georgier im Vergleich zum Spanier. Insbesondere die Kopfballstärke konnte „Locho“ in der Vorbereitung schon nachweisen. Fazit: Verbesserung.
Julian Pauli rückt für Dominique Heintz in die Phalanx der Innenverteidiger. Ein Talent, welches in Dresden gute Leistungen gezeigt hat, für einen Routinier, der zuletzt keine Rolle mehr spielte und dessen Karriere nun in Düsseldorf in Liga drei weitergeht. Pauli konnte sich in der Vorbereitung allerdings noch nicht durchsetzen und könnte, wie Bakatukanda, noch einmal verliehen werden. Fazit: ausgeglichen.
Gideon Mensah wurde für Kristoffer Lund verpflichtet. Der WM-Teilnehmer Ghanas kommt mit einer immensen Erfahrung und soll defensive Stabilität und Verlässlichkeit auf der linken Abwehrseite bringen. Lund war unter dem Strich noch nicht für die Bundesliga gemacht und musste zu viel Lehrgeld bezahlen. Daher war die Entscheidung richtig, hier eine Veränderung herbeizuführen. Mensah hat zwar noch Eingewöhnungsprobleme, verspricht aber ein Upgrade zu Lund zu werden. Allerdings braucht es weiterhin einen zweiten Linksverteidiger im Kader. Fazit: Verbesserung.
Mittelfeld-Rotation in der zweiten Reihe
Während Tom Krauß und Isak Johannesson im Mittelfeld geblieben sind – als einzige beiden FC-Spieler im Zentrum – kam Paul Okon-Engstler und nimmt die Position von Denis Huseinbasic ein. Letzterer konnte sich in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr weiterentwickeln und blieb in der Bundesliga vieles schuldig. Der Australier ist als Sechser und Achter mit starkem linken Fuß sein Nachfolger und zeigte bereits gute Ansätze. Laufstark und gutes Auge, wenn er sich nun an die Härte der Bundesliga gewöhnt, ist er ein Upgrade. Fazit: Verbesserung.
Dazu ging Felipe Chavez, der ein halbes Jahr vom FC Bayern ausgeliehen war. Auf ihn folgte Gil Neves. Beides Top-Talente, beide noch ohne den Nachweis ihrer Tauglichkeit in der Bundesliga. Völlig offen, wie schnell sich Neves in Köln eingliedern wird. Fazit: ausgeglichen
Die entscheidende Personalie ist dagegen der Abgang von Eric Martel. Und genau hier hat der FC auch zwei Wochen vor Ende der Transferphase noch keinen Nachfolger präsentiert. Es ist eine der großen Schwachstellen im Kader. Martel blieb zwar in seiner Entwicklung zuletzt stehen, aber klar ist: Ohne ihn fehlt dem FC-Aufgebot ein wichtiges Puzzlestück, das erst noch gefunden werden muss. Fazit (bislang): Verschlechterung.
In der Offensive fehlt ein Kaminski-Nachfolger
Florian Kainz hat seine Karriere beendet. Der Österreicher war lange Jahre als Linksaußen nicht aus dem Kader wegzudenken. Zuletzt spielte er zwar eher zentral, aber eine beste Zeit hatte er links. Dort ist nun Reigan Heskey als Versprechen für die Zukunft hinzugekommen. Pfeilschnell, dribbelstark, guter Abschluss – all das will der Youngster zeigen. Noch hat er Probleme sich zurechtzufinden, doch auf Linksaußen soll er in den kommenden Monaten ein Upgrade für Kainz sein. Fazit (bislang): ausgeglichen – mit klarer Perspektive zur Verbesserung.
Das große Problem ist, dass der FC mit Jakub Kaminski den Schlüsselspieler der letzten Saison verloren hat. Nach seinem Wechsel nach Portugal fahndet Köln weiterhin nach einem Nachfolger. Wer kann den Polen ersetzen? Bislang kam niemand von den Neuzugängen, der Kaminskis Rolle übernehmen könnte. Daher wie beim noch nicht präsentierten Martel-Nachfolger ist das Urteil eindeutig. Fazit (bislang): Verschlechterung.
Auf einer Position hat der FC allerdings nachgelegt, ohne dass ein Spieler den Verein verlassen musste. Wenn man von Schenten absieht, der keine echte Alternative zu Ragnar Ache als Mittelstürmer war, ersetzt Thijs Dallinga im Kader niemanden, sondern füllt endlich die Lücke, die neben Ache riesengroß war. Ein zweiter Stoßstürmer mit Strafraum-Präsenz, Kopfballstärke und Arbeit mit dem Rücken zum Tor – das war dringend nötig. Fazit: Verbesserung.
Fazit
Der Kader hat in der Breite im Vergleich zur Vorsaison klar verbessert. Der FC hat fußballerisch mehr Talent hinzugeholt, im Sturmzentrum mehr Wucht und in der Abwehr mehr Erfahrung. Das Problem: Der Kader hat in der Spitze an Qualität verloren. Stand jetzt, wohlgemerkt. Ohne einen Sechser und ohne einen Kaminski-Nachfolger haben die Geißböcke auf zwei neuralgischen Positionen erhebliche Lücken.
Wer hält die Defensive als Anführer zusammen? Wer ist der go-to-guy in der Offensive, der das Zepter in die Hand nimmt? Diese Fragen muss Sportchef Thomas Kessler dringend beantworten. Und dann nimmt die Personalie Said El Mala sogar noch einmal Fahrt auf, nachdem das Kapitel eigentlich beendet schien. RB Leipzig will ernst machen. Sollte der 19-Jährige tatsächlich gehen, würde dies eine weitere Lücke in den Kader reißen. Dann aber auch so viel Geld freisetzen, dass für alle genannten Lücken noch einmal auf anderem Niveau nachgerüstet werden könnte.







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