Merlin Polzin und der Hamburger SV stehen eng zusammen. Das wollen auch René Wagner und der 1. FC Köln. Doch zwischen beiden Cheftrainern gibt es entscheidende Unterschiede.
Sie waren gemeinsam Co-Trainer beim Hamburger SV unter Steffen Baumgart. Nun sind beide Cheftrainer in der Bundesliga – Merlin Polzin beim HSV, René Wagner beim 1. FC Köln. Am Samstag in Hamburg wurde deutlich, dass die beiden Übungsleiter an unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung bei ihren Clubs stehen.
Dabei hatte es in der vergangenen Woche so ausgesehen, als sei die Stimmung beim HSV besser als beim FC. Und das, obwohl der FC vier Punkte auf dem Konto hatte, die Hamburger hingegen null – und das bei null geschossenen Toren. Dennoch: Erst feierten die Hanseaten die Rückkehr von Mario Vuskovic nach vierjähriger Doping-Sperre ins Training. Dann unterschrieb Polzin mitten in dem sportlichen Tal einen neuen Vertrag. Zur Krönung der Woche folgte der Sieg gegen den FC.
„Es haben uns einige Stimmen irritiert“
Anschließend war durchaus bemerkenswert, wie sich Polzin auf der Pressekonferenz äußerte. „Die Wochen waren für mich als Trainer und für uns als Verein interessant“, sagte der 35-Jährige. „Wenn zurecht sachliche Kritik aufkommt, setze ich mich damit auseinander. Es haben uns einige Stimmen aber auch irritiert.“ Gemeint waren die Kritiker, die nach drei Niederlagen mit 0:12 Toren dem HSV deutlich mitgeteilt hatten, dass es so nicht weitergehen dürfe.
Polzin ging diese Kritiker nicht direkt an. Er sagte jedoch Sätze, die man gerne auch in Köln sagen würde: „Wir haben hier über zwei Jahre mit dem Aufstieg und letzte Saison etwas auf den Weg gebracht, das deutlich stabiler ist als drei Niederlagen. Die Verbundenheit, der Glaube ineinander ist stärker als das, was Niederlagen mit uns machen können.“
Polzin hat sich den Kredit in zwei Jahren erarbeitet
Diese Verbundenheit, diesen Glauben wünscht man sich eigentlich auch beim FC. Doch Polzins Hinweis auf die vergangenen zwei Jahre zeigt, warum die Situation in Hamburg eine gänzlich andere ist als in Köln. Polzin ist der Aufstiegstrainer der Hanseaten, der Trainer, der es nach sieben Jahren endlich schaffte, den HSV wieder in die Bundesliga zu führen, nachdem so viele andere Übungsleiter – auch Baumgart mit Polzin und Wagner – daran gescheitert waren.
Polzin ist ein Kind des HSV, trainierte dort schon tief im Nachwuchs, ist das Trainer-Eigengewächs, welches sich viele Clubs sehnlichst wünschen. Ähnlich wie Julian Schuster beim SC Freiburg. Im vergangenen Sommer schaffte der 35-Jährige nach einem ähnlich schwachen Saisonstart die Wende, passte sich und den HSV der Bundesliga an und sicherte die Klasse mit sechs Punkten vor dem FC. Kurzum: Polzin hat sich seit seiner Amtsübernahme im November 2024 den Kredit erarbeitet, von dem er nun zehren und für den er mit der Vertragsverlängerung belohnt wurde.
Verkehrte Welten beim FC und dem HSV
Der FC hingegen schaffte es 2024 nicht, den richtigen Trainer zu installieren. Gerhard Struber fremdelte immer mit Köln und dem FC, umgekehrt genauso. Lukas Kwasniok konnte ebenso nicht den Schwung des Aufstiegs für den FC und sich nutzen. Es folgte Wagner in einer schwierigen Phase im Frühjahr 2026. Doch bislang konnte er seine Mitverantwortung für die Zeit unter Kwasniok nicht abschütteln. Er konnte sich bislang keinen Kredit aufbauen, von welchem er zehren könnte.
Und so ist der HSV trotz des kolossalen Fehlstarts in die neue Saison dem FC etwas voraus. Auch deswegen waren das 1:1 gegen Bremen und das 1:2 in Hamburg für den FC und für Wagner so bitter. Es wäre so viel mehr drin gewesen. Der FC hätte mit etwas mehr Konsequenz gar jetzt in den Top 5 der Liga stehen können. Alles nur Momentaufnahmen, freilich. Doch in diesen Momentaufnehmen sind Vertrauen und Begeisterung so wichtig – und genau das hätten zwei gute Ergebnisse gegen Bremen und den HSV geliefert. So herrscht beim HSV nun Zuversicht, während beim FC die Zweifel beginnen. Und das, obwohl Köln weiterhin einen Punkt mehr auf dem Konto hat.







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