René Wagner stand immens unter Druck und hat gemeinsam mit seiner Mannschaft geliefert. „Es geht hier nicht um mich“, sagte der Trainer des 1. FC Köln nach dem 5:0-Pokalsieg gegen Union Berlin. Doch natürlich ging es auch um ihn.
Nur drei Tage lagen zwischen den Spielen gegen Schalke 04 und Union Berlin. Was die Stimmung beim 1. FC Köln angeht, waren es jedoch Welten. Am Samstag nach der Nullnummer in der Bundesliga hatte es im RheinEnergieStadion erstmals „Wagner raus“-Rufe gegeben. Und beim 5:0-Triumph im DFB-Pokal? Da ertönte plötzlich der schon länger nicht mehr gehörte Evergreen: „Eines Tages, eines Tages wird’s geschehen …“
Auf die Forderungen nach einem Trainerwechsel folgte der Gesang von Mailand. „Das war ein bisschen Crashkurs 1. FC Köln“, kommentierte der zuletzt immens in der Kritik stehende René Wagner die turbulenten Tage in der Gefühlsachterbahn. „Man hat erlebt, was passieren kann, wenn Leute mit Ergebnissen und Leistungen unzufrieden sind – und was passieren kann, wenn wir den Fußball auf den Platz bringen, den wir wollen.“
Höher gewann der 1. FC Köln zuletzt 2023
Denn nicht nur stimmungstechnisch lagen Welten zwischen Samstag und Dienstag. Natürlich war die Leistung des FC ebenfalls eine ganz andere. Wobei Wagner einordnete: „Ich glaube nicht, dass wir gegen Schalke alles schlecht gemacht haben, genauso wie wir gegen Union nicht alles gut gemacht haben.“

Ein entscheidender Unterschied zu den vergangenen Wochen: Der FC ist nach der Pause auf dem Gaspedal geblieben, konnte erstmals nicht nur phasenweise überzeugen. „Unser Problem war immer, dass wir eine super erste Halbzeit spielen und dann nachlassen“, so Matchwinner Said El Mala. Gegen Union Berlin konnte davon keine Rede sein. „Wir haben uns immer wieder Chancen erspielt und sind gallig geblieben“, lobte Wagner.
Das Ergebnis war der höchste Sieg in seiner jungen Cheftrainer-Karriere – höher gewann der FC zuletzt beim 7:1 gegen Werder Bremen im Januar 2023. Für Wagner persönlich war es der wichtigste Erfolg nach seiner Beförderung, eine durchaus eindrucksvolle Antwort auf die Kritik der vergangenen Tage und Wochen.
Pokal-Motto ist Wagners Motto
Keine Frage: Hätte der FC im Pokal erneut enttäuscht, hätte die Trainerdiskussion rund ums Geißbockheim so richtig Fahrt aufgenommen. Im Falle einer Niederlage im anschließenden Bundesliga-Spiel an der Alten Försterei hätte es für Wagner eng werden können. Nach dem furiosen Sieg am Dienstag gilt das Motto des DFB-Pokals aber zweifelsfrei auch für den 38-Jährigen: Gewinner bleibt.
„Mich hat es extrem gefreut für René“, sagte Matchwinner El Mala. Der ebenfalls starke Linton Maina schloss sich an: „Nach Samstag, nach den Pfiffen und Rufen hier, freut es mich extrem, dass wir allen heute zeigen konnten, was in uns steckt.“ Sportchef Thomas Kessler, ein großer Befürworter Wagners, steckte seine Freude nach Abpfiff derweil in eine innige Umarmung.
El Mala war es ein Bedürfnis, Wagners Anteil am Sieg hervorzuheben: „Er hat uns mit seinem Trainerteam super vorbereitet. Das ist die Belohnung dafür. Wir arbeiten jede Woche hart auf dem Platz und im Videoraum.“ Die Mannschaft wisse, was sie am jungen Coach hat: „Das sieht man jeden Tag im Training. Das seht ihr nicht, das sehen nur wir. Deswegen können wir uns auch für ihn freuen.“
Am Ende geht’s hier nicht um mich, es geht um den 1. FC Köln – dass wir gemeinsam als Verein Erfolg haben.
René Wagner
Wagner selbst, der sich nach dem Unmut gegen Schalke emotionaler als zuvor gezeigt hatte, wollte die persönliche Bedeutung des Sieges schnell beiseite schieben. „Es geht hier nicht um meine Gefühlslage. Ich habe sie nach dem Spiel gegen Schalke preisgegeben, weil es wichtig war, den Leuten zu zeigen: Wir sind hier Menschen, das macht etwas mit uns. Aber am Ende geht’s hier nicht um mich, es geht um den 1. FC Köln, dass wir gemeinsam als Verein Erfolg haben.“
Und so freute er sich „unglaublich, dass die Jungs sich belohnen konnten, dass sie sich in den Armen liegen können nach einem Sieg“. Ein Erfolgserlebnis wie gegen Union würde der Mannschaft das Gefühl vermitteln, „dass wir an den richtigen Dingen arbeiten“, war sich Wagner sicher. „So ein Spiel gibt uns viel, viel Mut für den Weg und die Prozesse, die wir angestoßen haben. Das ist wichtig für mich, aber am Ende geht’s um den 1. FC Köln.“
Wagners „flaues Gefühl“ weicht
Nicht um seine persönliche Gefühlslage. Wenngleich er am Dienstagabend vermutete: „Natürlich habe ich morgen wahrscheinlich nicht das flaue Gefühl, sondern im Gegenteil eher ein euphorisches Gefühl.“ Anders als am Sonntagmorgen nach dem Schalke-Spiel (der GEISSBLOG berichtete).
Kehrt rund um den Trainer nun mehr Ruhe ein? „Ich denke schon“, sagte El Mala und versicherte: „Es macht extrem Spaß, mit ihm zu arbeiten. Es gibt keine negative Stimmung. Das haben wir heute gezeigt.“ Wobei allen Beteiligten klar sein dürfte, dass der FC am Sonntag in Berlin nahtlos an den Pokalauftritt anknüpfen muss.
Nach dem Derbysieg gegen Borussia Mönchengladbach, der erst zweieinhalb Wochen zurückliegt, hat sich gezeigt, wie schnell Euphorie verfliegen und die Stimmung kippen kann. El Mala: „Der Sieg gibt sehr viel Selbstvertrauen für die nächsten Spiele. Wir dürfen uns aber nicht darauf ausruhen.“ Ansonsten geht es in der Gefühlsachterbahn wieder bergab.








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