Im Moment des größten Drucks hat René Wagner seinen bislang überzeugendsten Sieg mit dem 1. FC Köln gefeiert. Nun gilt es, eine alte Fußballweisheit zu widerlegen – damit das Spektakel nicht direkt wieder verpufft.
Ein Kommentar von Martin Zenge
Die Frage, die sich Michael Trippel stellte, kam am Dienstagabend wohl so einigen Fans des 1. FC Köln in den Sinn. „Bin ich hier richtig?“, lautete der Kommentar des Stadionsprechers nach Sebastian Sebulonsens Treffer zum 5:0. Nach dem dürftigen Auftritt gegen Schalke hatte man in Müngersdorf mit vielem gerechnet. Aber nicht mit dem deutlichsten Sieg gegen einen Bundesligisten seit dem fast schon legendären 7:1 gegen Werder Bremen im Januar 2023.
Das 5:0 gegen Union Berlin war ein Erfolg, der gewissermaßen dem Abhaken einer Checkliste gleichkam. René Wagner wurde in den vergangenen Wochen für viele Dinge zu Recht kritisiert – doch an diesem Abend fand er auf den Großteil dieser Kritikpunkte die passenden Antworten und feierte den richtigen Sieg zur richtigen Zeit.
Was gegen Schalke misslang, klappte gegen Union
Die Balance zwischen Defensive und Offensive? Check. Nach einer zuvor langen Durststrecke glückte das zweite Zu-null-Spiel in Folge, obwohl der FC selbst ein Spektakel bot. Nach einer guten Phase endlich mal nicht einbrechen? Check. Mit der Pausenführung im Rücken blieben die Kölner am Drücker, ließen den Gegner nicht zurück in die Partie.
Die passende Rolle für Said El Mala? Check. Der Nationalspieler zeigte, wie er seine zentralere Position gewinnbringend ausnutzen kann. Die richtigen taktischen Mittel? Check. Tom Krauß in die Dreierkette zurückzuziehen, erwies sich als entscheidender Kniff. Die richtigen Wechsel? Check. Isak Johannesson und Sebastian Sebulonsen trafen als Joker. Und gegnerische Standards verteidigen? Check, gegen die in dieser Disziplin traditionell gefährlichen Unioner.
Ja, der FC traf auf ein schwaches Berliner Team – aber auch auf eine Mannschaft, die zuvor fünf Punkte aus den jüngsten drei Bundesliga-Partien geholt hatte. Unter anderem durch ein 0:0 gegen Borussia Dortmund. Das 5:0 war ein Erfolg, an dem Wagner und sein Trainerteam gehörigen Anteil hatten. Doch dieser Fakt beantwortet längst nicht die alles entscheidende Frage der Nachhaltigkeit.
Kann der 1. FC Köln der Spirale entfliehen?
Schon der Auftaktsieg gegen Hoffenheim und erst recht der Erfolg gegen Gladbach waren perfekte Ausgangspunkte, um einen grundsätzlichen Stimmungsumschwung herbeizuführen. Doch die Skepsis und die Kritik an Wagner kehrten jeweils schnell zurück. Gerade mal zwei Wochen dauerte es nach dem Derby, bis in Müngersdorf „Wagner raus“-Rufe ertönten.
Es gilt, dieser Spirale zu entfliehen. Es gilt, eine alte Fußballweisheit zu widerlegen: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Der FC muss das gezeigte Niveau am Sonntag auf die Liga übertragen und beweisen, dass die Leistung nicht nur das Ergebnis einer magischen Nacht war.
Schließlich ändert die Pokalgala nichts an dem Fakt, dass der Vorsprung auf die Abstiegsränge lediglich zwei Punkte beträgt und die Geißböcke noch kein einziges der Topteams vor der Brust hatten. Zeigt der FC am Sonntag an der Alten Försterei wieder sein anderes Gesicht, wird die Ekstase schnell vergessen sein. Der Sieg darf nur ein Anfang sein.








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