Beim 5:0-Erfolg des 1. FC Köln gegen Union Berlin hat auch Joel Schmied seine Chance genutzt. Darf der Schweizer am Sonntag erneut ran oder muss er seinen Platz für Luka Lochoshvili wieder räumen?
Es war eine der unauffälligeren, aber keineswegs weniger überzeugenden Leistungen beim Pokal-Spektakel des 1. FC Köln. Während vorne die Offensivspieler beim 5:0 gegen Union Berlin für Furore sorgten, erledigte Joel Schmied seine Aufgaben in der Defensive nahezu fehlerfrei. Der Schweizer war für Luka Lochoshvili in die Startelf gerückt und durfte überhaupt erst zum zweiten Mal von Beginn an auflaufen.
Zuvor hatte er lediglich beim Bundesliga-Spiel in Frankfurt in der Startelf gestanden, musste dort allerdings verletzungsbedingt vorzeitig vom Platz. Gegen Union bekam der 28-Jährige nun die nächste Gelegenheit, sich zu beweisen. Mit einer Passquote von 97 Prozent leistete sich Schmied im Spielaufbau praktisch keine Ungenauigkeiten. Auch in den direkten Duellen zeigte sich der Schweizer äußerst robust. 83 Prozent seiner Bodenzweikämpfe entschied er für sich, in der Luft waren es sogar 86 Prozent.
19 Millionen Euro für die Schmied-Konkurrenten
Dabei war Schmied vor der Saison in der internen Hierarchie zunächst ins Hintertreffen geraten. Mit Jahmai Simpson-Pusey und Luka Lochoshvili hatte Wagner in der Viererkette zwei anderen Innenverteidigern den Vorzug gegeben. Beide waren den Kölner Verantwortlichen im Sommer einiges wert gewesen. Für Lochoshvili überwies der FC knapp fünf Millionen Euro nach Nürnberg, bei Simpson-Pusey wurde die Kaufoption gezogen. Für den Engländer flossen knapp sechs Millionen Euro.
Und dann wäre da noch Rav van den Berg. Für den Niederländer hatte der FC bereits vor einem Jahr acht Millionen Euro an den FC Middlesbrough bezahlt. In dieser Saison hat der 22-Jährige allerdings gänzlich den Anschluss verloren und fehlt derzeit zudem verletzt. Rund 19 Millionen Euro haben die Geißböcke für die drei Innenverteidiger investiert.
Im Vergleich dazu war Schmied ein echtes Schnäppchen. Im Winter 2025 war der Schweizer für 2,5 Millionen Euro vom FC Sion nach Köln gewechselt. Und während die teureren Konkurrenten zunächst die Nase vorn hatten, meldete sich Schmied gegen Union nun eindrucksvoll im Kampf um einen Stammplatz zurück.
Zweites Mal in Folge zu null
Dass der Schweizer die Qualität für die Kölner Defensive mitbringt, hatte er bereits in der Vergangenheit bewiesen. Seine Vorstellung gegen die Berliner dürfte deshalb auch für Wagner ein wichtiges Signal gewesen sein. Dass der FC nach monatelangen Problemen in der Defensive nun zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor geblieben ist, dürfte den Trainer ebenfalls freuen.
Nach der Partie gegen Union hob Wagner die Leistung seiner Abwehrreihe ausdrücklich hervor: „Jahmai mit der Ruhe hintendrin. Joel, der reinkommt und Gas gibt. Alessio Castro-Montes und Borna Sosa waren auf beiden Seiten mit Ball gefährlich, aber auch gegen den Ball griffig.“
Gerade für Schmied dürfte das Lob eine Bestätigung gewesen sein. Der Schweizer hat nicht nur seine Chance genutzt, sondern auch seinen Anteil daran, dass die Kölner Defensive gegen Union kaum etwas anbrennen ließ. Ohnehin gilt es festzuhalten: In den 180 Minuten, die Schmied in dieser Saison bislang spielte, kassierte der FC keinen einzigen Treffer.
Wachablösung in der Abwehr?
Für Wagner stellt sich vor dem erneuten Duell mit Union Berlin am Sonntag damit die Frage nach einer Wachablösung in der Innenverteidigung. Eigentlich gibt es nach der überzeugenden Vorstellung im Pokal keinen Grund, Schmied an der Alten Försterei wieder aus der Startelf zu nehmen. Dann müsste Lochoshvili erneut auf der Bank Platz nehmen.
Der Georgier wurde im Sommer als potenzieller Anführer geholt, ist der einzige Linksfuß in der Abwehrzentrale. Doch im bisherigen Saisonverlauf war nicht zu übersehen, dass er in der Bundesliga noch Anpassungsprobleme hat. Zudem wurde er mehrfach von Krämpfen geplagt, was bei Innenverteidigern eher selten ist.
Jahmai überzeugt sehr mit seinem Talent und ich gehe eher mit der Mentalität voran.
Joel Schmied
Aktuell könnten Schmied und Simpson-Pusey das bessere Duo sein – Schmied der bessere Partner für den jungen Engländer. „Jahmai überzeugt sehr mit seinem Talent und ich gehe eher mit der Mentalität voran. Das hat gut harmoniert, wir haben sehr gut ergänzt“, sagte Schmied am Dienstag. Er versuche, Simpson-Pusey „immer ein bisschen zu pushen“. Das hilft dem 20-Jährigen zweifellos.
Und so spricht derzeit einiges für Schmied. Zumal der FC nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten in der Bundesliga gut daran täte, die positiven Erkenntnisse aus dem Pokalspiel mitzunehmen. Für Wagner wird die Entscheidung wohl zu den spannendsten Personalfragen vor dem Spiel an der Alten Försterei zählen. Schmied hat jedenfalls alles dafür getan, dass der Trainer an ihm vorerst nur schwer vorbeikommt.





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