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FC kritisiert Maritim: "Haben unsere Gedanken mitgeteilt"

Wie jedes Jahr wird der 1. FC Köln seine Karnevalssitzung auch 2017 im Maritim Hotel am Kölner Heumarkt ausrichten. Doch in diesem Jahr wird es politischer als gewünscht. Denn die Alternative für Deutschland (AfD) richtet an gleicher Stelle im April ihren Bundesparteitag aus.

Köln – Laut Satzung soll der 1. FC Köln als Verein politisch neutral bleiben. Nun aber haben die Verantwortlichen am Geißbockheim klar Stellung bezogen. Wie Geschäftsführer Alexander Wehrle dem GEISSBLOG.KOELN bestätigte, hat ein Gespräch mit der Geschäftsführung des Maritim Hotels stattgefunden.

Effzeh fordert Vielfalt und Toleranz

Der Inhalt ist wenig nicht schwer zu erahnen. Laut Satzung unterstützt, fördert und steht der 1. FC Köln für Werte wie Vielfalt und Toleranz. Diese sieht der Klub nun durch die AfD gefährdet – und hat dies in einem Gespräch mit den Maritim-Bossen zum Ausdruck gebracht. „Wir haben den Verantwortlichen unsere Gedanken mitgeteilt“, erklärte Wehrle auf GBK-Nachfrage, ohne auf das Gespräch näher einzugehen.

Das Maritim Hotel war in den vergangenen Tagen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil es der AfD als Austragungsort des Parteitages und weiterer Veranstaltungen dienen sollte. Nach einer skandalösen Rede des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke in Dresden ging über dem Maritim ein veritabler Shitstorm her. Auch die Kölner Politik äußerte sich parteiübergreifend eindeutig und forderte die Hotel-Kette auf, sich von der rechtspopulistischen Partei zu distanzieren.

Maritim distanziert sich von der AfD

Dies erfolgte nun in mehreren Schritten. Zunächst wurde Höcke ein Hausverbot erteilt, später distanzierte sich die Hotel-Kette „deutlich von der aktuellen politischen Ausrichtung und Gesinnung der AfD“, wie es in einer Stellungnahme hieß. „Deshalb werden die Maritim Hotels gegenwärtig keine weiteren Räumlichkeiten an die AfD vergeben.“ Der Parteitag wird allerdings dennoch in Köln stattfinden. Ebenso wie die Karnevalssitzung des 1. FC Köln, der sich mit seiner Kritik allerdings positioniert hat.


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17 Kommentare
  1. Pitter
    Pitter says:

    Ich mag die AfD nicht.
    Ich halte es jedoch für sehr heikel, sich in Politik einzumischen, von der der FC nicht selbst aktiv betroffen ist. Wenn sich der FC gegen eine bestimmte Partei stellt, müsste er das dann nicht konsequenterweise auch gegen andere Parteien tun? Im Bundestag sitzt z.B. bereits eine Partei, die wegen Extremismusverdacht vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Weiterhin ist Populismus auch bei anderen Parteien schon lange vor der Gründung der AfD salonfähig gewesen. Im Ausland gibt es bereits zahlreiche Staatsoberhäupter, die die FC-Werte mit Füßen treten. Müsste der FC dann nicht z.B. auch öffentlich die WM in Russland oder Katar kritisieren?

    Entweder der FC mischt sich in die Politik ein – dann sollte er es aber konsequenterweise auch bei anderen Parteien und Politikern tun. Oder er hält sich gemäss der Satzung komplett aus allem raus, solange er nicht direkt selbst betroffen ist.
    Leider gibt es sehr viele Menschen und Parteien, die die in der FC-Satzung verankerten Werte nicht teilen. Aber deshalb die eigene Satzung an anderer Stelle selbst zu brechen, halte ich nicht für den richtigen Weg.

      • Pitter
        Pitter says:

        Ich habe ganz bewusst von Politik geschrieben, „von der der FC nicht selbst aktiv betroffen ist“.
        Beim Ausbau des GBH hat sich die lokale Politik aktiv gegen den FC gestellt. Dass der FC hierzu eine Stellungnahme abgegeben hat, ist verständlich. Aber auch hier hat sich der FC doch nur über die lokale Politik beschwert und nicht die Politik der Bundespartei kritisiert. Etwas Vergleichbares gab es jedoch bisher noch nicht von der Kölner AfD. Ohnehin bezieht sich die FC-Kritik nicht auf die Kölner AfD sondern auf die Bundespartei.
        Wenn der FC selbst aktiv von einer politischen Entscheidung betroffen ist, halte ich eine Stellungnahme für verständlich. Ansonsten sollte sich der FC aber entweder grundsätzlich in die Politik einmischen oder sich grundsätzlich raushalten.
        Ich halte es jedenfalls für ziemlich inkonsequent, wenn sich der FC gegen die AfD äußert, nicht jedoch gegen die WM in Russland oder Katar.

        • Ottla
          Ottla says:

          dat is käse. natürlich äußert sich der FC nicht dauernd und ständig zu allem auf der welt – das wäre ja irre. im falle der afd im maritim ist aber gerade die stadtgesellschaft und der karneval aktiv dagegen – und da gehört der FC nun mal auch dazu.

          • Pitter
            Pitter says:

            Warum hat der FC dann in der Satzung stehen, dass er politisch neutral ist?
            Wenn sich Wehrle als Privatperson gegen Rechtspopulismus stark macht, finde ich das absolut vorbildlich! Ich sehe es aber als problematisch an, wenn er dies in seiner Funktion als FC-Vorstand tut. Wenn ihn die Satzung stört, kann man sie selbstverständlich ändern. Tut man dies nicht, muss man sich aber auch an sie halten. Eine Satzung, über die man sich nach Belieben drüber hinwegsetzen kann, ist jedenfalls nichts wert und kann man genauso gut in die Tonne kloppen – egal ob man die Beweggründe hierfür gut findet, oder nicht.

        • Nick
          Nick says:

          Und neue Märkte im Reich der Mi…Menschenrechte China erschließt… ;)

          Ach Leute wir sind ein Fußballverein, mir ist es recht egal wozu der FC-Stellung bezieht. In Zeiten von Facebook und Twitter bezieht doch eh jeder zu allem Stellung. Wichtig ist dann der Inhalt – der FC hat die AFD ja nicht in Geissbockheim eingeladen…

          Es wird zwar auch FC-Fans geben, die Frauke Petry gut finden, wenn die nun, weil der FC mit dem Maritim über die AFD gesprochen hat, keine FC-Fans mehr sein wollen, dann von mir aus…

    • Michael
      Michael says:

      Der Verein hat sich nicht gegen eine politische Partei gestellt, sondern einem Geschäftspartner mitgeteilt, dass dessen Geschäftsgebahren ein Risiko für das eigenen Unternehmen darstellen. Der Job von Geschäftsführung und Vorstand ist, Schaden vom Unternehmen abzuwenden.

      • Pitter
        Pitter says:

        Wo hast du diese Info her?
        Ich lese überall nur, dass der FC seine Meinung deutlich zum Ausdruck gebracht hätte, weil die AfD andere Werte vertritt als der FC. Für mich klingt das recht deutlich danach, dass der FC diese Partei kritisiert.
        Inwiefern soll denn der Parteitag der AfD oder gar das Maritim ein Risiko für den FC darstellen?

        • R.S.
          R.S. says:

          Es geht nicht um ein direktes Risiko, z.B. für ausländische Spieler des FCs, sondern darum, dass man sich als Firma (Hotelkette oder Sportklub) die Geschäftspartner aussucht, die die gleichen Werte vertreten. U.A. weil man a/ die freie Wahl hat und b/ weil die Entscheidung, mit wem man Geschäfte macht und mit wem nicht, IMMER auf einen abfärbt.

          Für Maritim sind sowohl AfD als auch Effzeh Geschäftspartner. Ich kenne die Einzelheiten natürlich nicht, kann es mir aber nicht vorstellen, das FC jährlich, ganz spontan und ohne irgendwelchen verträglichen Vereinbarungen bei Maritim anruft und fragt, ob sie vielleicht ein Raum frei hätten, weil mal wieder eine FC-Karnevalssitzung fällig ist. Ergo: Es ist vereinbart, vielleicht auch mehr als nur die Räume für Sitzungen und man ist dadurch bereits Geschäftspartner.

          Man kann also durchaus einer Hotelkette, die nicht einmalig in Kölle, sondern deutschlandweit mit AfD vereinbart hat, ihre Räume für Parteizwecke zur Verfügung zu stellen, mitteilen, dass man selbst die freie Wahl hat und den Karneval nicht zwingend am Heumarkt feiern muss.

        • R.S.
          R.S. says:

          Das, was du da oben schreibst „Wenn sich Wehrle als Privatperson gegen Rechtspopulismus stark macht …“ stimmt in diesem Zusammenhang auch nicht. Bei diesem Schreiben war es nicht Wehrle solo. Es handelte sich um „einem gemeinsamen Brief von Vorstand und Geschäftsführung“. Ich glaube auch nicht, dass A.W. je durch GBH mit irgendeinem Schreiben rumgelaufen ist um Unterschriften unter einer Petition zu sammeln :) Ein bisschen professioneller sind die Herren schon!

          Es kann auch nicht jeder beim FC werben oder die Logge mieten.

          • Pitter
            Pitter says:

            Ich sehe überhaupt nicht, dass die AfD in irgendeiner Weise auf den FC abfärben könnte. Ich unterstelle mal, dass jeder in der Lage ist, zwischen FC und AfD unterscheiden zu können. Weiterhin könnte der FC auch nach außen hin nochmals verdeutlichen, dass er politisch neutral ist und sich gemäß Satzung hier nicht einmischen dürfte. Jeder rational denkende Mensch müsste hierfür Verständnis haben.

            Wenn der FC mit dem Maritim vereinbart hätte, dass parallel zur Sitzung keine politische Veranstaltung stattfinden darf, wäre die Kritik natürlich berechtigt. Ich glaube aber nicht, dass das der Fall war, da in diesem Fall nicht betont worden wäre, dass die AfD andere Werte vertritt, als der FC.

            Selbstverständlich kann der FC selbst entscheiden, wo er feiert. Wenn er sich aber gegen ein bestimmtes Hotel entscheidet, nur weil es ebenfalls Räumlichkeiten an eine unliebsame Partei vermietet, ist er nicht mehr politisch neutral. Selbiges gilt, wenn er z.B. den Vertrag mit REWE nicht verlängern würde, weil auch die AfD für ihre Parteiveranstaltung bei REWE einkauft. Wenn der FC grundsätzlich nicht an Parteien vermietet, wäre das absolut legitim und im Enklang mit der Satzung. Würde er aber z.B. an die CDU vermieten, aber aus Prinzip nicht an die AfD, würde die politische Neutralität verletzt werden.

            Ich wusste nicht genau, wer den Brief alles unterschrieben hat, oben stand nur der Name Wehrle. Ändert aber auch nichts an meiner Aussage. Dann ersetz einfach „Wehrle“ durch „die unterschreibenden Personen“ ;)

            Nochmal: Mir geht es hierbei nicht darum, die AfD in irgendeiner Weise verteidigen zu wollen! Dass díe AfD kacke ist, will ich auch gar nicht in Frage stellen ;) Mich stört einfach nur, dass sich der FC nicht an seine Satzung hält. Würde die Satzung des FC keine politische Neutralität fordern, fände ich die Kritik des FC super! Da die Satzung dies aber nunmal tut, halte ich die Kritik für falsch.

  2. OlliW
    OlliW says:

    Ja, Vielfalt leben und ertragen – das sollten wir doch alle! Allerdings habe ich persönlich so meine Probleme mit Gruppierungen und Parteien, die das pluralistische Grundprinzip demokratischer Toleranz eben selbst nicht so sehr befolgen oder, im Gegenteil, aushebeln wollen. Gerade die AfD hat bislang keinerlei Anschein erweckt, für Toleranz, Pluralismus und Weltoffenheit einzustehen! Deutschland und Deutsche zuerst ist deren Ansinnen. Es gilt: Jede Jeck hätt gleich zo sinn – Die Antipode zu Köln!

  3. Ottla
    Ottla says:

    ich find’s super, dass der FC klar stellung bezieht – wenn in den 30ern die gesellschaft so früh aufgewacht wäre, hätte all das unglück verhindert werden können. denn auch damals sahen sich die meisten als zivilisiert an und fühlten sich als teil einer der größten und anerkanntesten kulturnationen der welt. der fehler war nur, man lachte am anfang über die braunen irren und dachte, das würde schon nicht so schlimm werden… – natürlich gab es zu dieser zeit einen viel größeren hang zu „heimat“, auch wegen dem vergangenen kaiserreich, und natürlich zum militarismus allgemein. das ist heute zum glück nicht so. dennoch: wehret den anfängen! – ich finde es daher auch höchst problematisch, dass in berlin dieser furchtbare trümmer von stadtschloss gebaut wird – das ist reaktionärer unsinn und ganz gefährlich, denn was haben uns die preußen mit ihrem militarismus gebracht? – doch nur unglück! und wer sich darüber wundert, wie die dresdner so drauf sind, der muss sich nur mal diesen reaktionär-nostalgischen wahnsinn um die frauenkirche angucken – das ist ein heimatgefühle-disney-land in völlig schmerzfrei. ok. das war jetzt off-topic. und dennoch: an so etwas zeichnen sich ganz schwierige emotionale gemengelagen ab!

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