Jörg Jakobs: "Wir wollen nicht wahllos Talente verpflichten"

Was bedeutet es, wenn Sie sagen, dass Sie nicht wahllos Talente verpflichten?
Das Sportliche ist abzuklopfen, indem man den Spieler auf dem Platz beobachtet. Aber darüber hinaus wollen wir noch viel mehr über den Jungen wissen. Wie ist der soziale Hintergrund? Wie unterstützend oder vielleicht auch fordernd und beeinflussend sind die Eltern? Wie ist der schulische Werdegang? Welche Bildungsziele hat ein Spieler? Wie können wir ihn dabei unterstützen? Wie realistisch sieht ein Junge seine Karrierechancen? Wo sieht er sich sportlich?

Dieser Verantwortung müssen wir uns als Klub stellen

Was heißt das?
Wenn ein Spieler sich zum Beispiel als Stürmer sieht und wir ihn als Abwehrspieler, muss man sich darüber unterhalten. Es ist ganz wichtig, dass man keinen Transfer tätigt, bei dem es schon von vorne herein unterschiedliche Erwartungshaltungen gibt.

Welche Erwartungshaltung gab es bei Nikolas Nartey, dem 16-jährigen Dänen, den der FC gerade verpflichtet hat?
Nikolas ist erst einmal offensichtlich ein außergewöhnliches Talent. Darüber hinaus hat er aber ein soziales Umfeld und eine Familie, die ihn sehr gut unterstützt und sehr interessiert daran war, wie wir mit ihm planen. Wir stehen im ständigen Austausch, auch jetzt, denn mit der Verpflichtung allein ist es ja nicht getan. Eine Mutter gibt ihren 16-jährigen Sohn ja nicht einfach so von heute auf morgen ins Ausland – das ist ein einschneidender Prozess. Dieser Verantwortung müssen wir uns als Klub stellen. Der Spieler muss sich hier geborgen fühlen.

Der Transfer hätte nicht vom NLZ alleine gestemmt werden können

Aber es war ein größerer Transfer: Nicht nur, weil der Spieler aus dem Ausland kam, sondern weil er sehr umworben war.
Das stimmt. Der Transfer hatte für uns eine finanzielle Größenordnung, die nicht nur vom NLZ alleine hätte gestemmt werden können. Deswegen gab es da auch einen engen Austausch mit Jörg Schmadtke und auch Lizenzspieler-Trainer Peter Stöger. Die beiden haben den Prozess mit begleitet, denn der Transfer ist für uns schon ein Ausrufezeichen, zumal der Spieler andere Angebote hatte und sich bewusst für uns entschieden hat.

Der zweite Teil des Interviews mit Jörg Jakobs erscheint am Sonntag.

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