Fan-Bashing greift zu kurz: Ein vielschichtiges Problem

Ein Spiel, das mit einer Stunde Verspätung angepfiffen wird. Der FC Arsenal, der sich als Opfer inszeniert. Der überwältigende Teil der Anhänger des 1. FC Köln, die für eine große Party sorgten. Wenige, gewaltbereite Fans, die nicht nur den Effzeh, sondern ihre eigene Zunft in Verruf bringen. Und am Ende die Frage: Hätte es verhindert werden können?

London – Die Schlagzeilen fielen gemischt aus am Freitag in London. Von „Attacks of the Colognes“ bis zur ausgewogenen Berichterstattung und der Frage, ob nicht der FC Arsenal versagt hatte – es war alles dabei. Doch weil auch in Deutschland von der „Schande von London“ zu lesen war, schien der Fall schon in der Nacht klar: Die Schuldigen sind nur auf der Fan-Seite zu suchen. Doch das greift zu kurz.

Keiner von denen, die sowas schreiben, stand wirklich da draußen

Ein FC-Fan schrieb dem GEISSBLOG.KOELN am Freitagmorgen: „Keiner von denen, die sowas schreiben, stand wirklich da draußen. Eng gedrängt über 120 Minuten, von Polizisten mit Schlagstöcken bedroht, bei einer Gruppe friedlicher Fans, die einfach nur DAS Fußballspiel sehen wollten und von denen fast jeder ruhig geblieben ist. Aber wenn 50 Idioten vorher einfach reinrennen, ist es gleich die Schande von London.“ Die Emotionen waren noch am Freitag überall zu spüren, die Diskussion dürfte noch länger weitergehen. Über allem die Frage: Hätte es verhindert werden können?

Die Antwort dazu fängt beim FC Arsenal an. Die Gunners blockierten im Vorfeld die Option, mehr Kölner Fans ins Stadion zu lassen, obwohl die Regularien es zugelassen hätten, obwohl sie von dem enormen Ansturm auf die Tickets wussten, obwohl der 1. FC Köln mehrfach sogar persönlich in London vorsprach und obwohl am Donnerstagabend schließlich viele tausend Plätze verwaist blieben, weil das Interesse an der Partie in London, milde ausgedrückt, zurückhaltend war. Der FC Arsenal tat nichts, um im Vorfeld zu deeskalieren, warnte vielmehr davor, Kölner Fans aus dem Stadion zu verbannen, sollten sich diese im Heim-Bereich aufhalten. Eine der Situation gegenüber ignorante Haltung eines Klubs, der es eigentlich nach vielen Jahrzehnten internationaler Erfahrung besser hätte wissen müssen.

Polizei hätte Fans informieren sollen

Die Polizei dagegen verhielt sich über viele Stunden vor dem Spiel in der Stadt vorbildlich. Selbst, als tausende FC-Fans den Verkehr zum Erliegen brachten und einen Fan-Marsch quer durch die Stadt in Richtung Londoner Norden begannen, hielten sich die Ordnungskräfte zurück, ließen die Kölner Fans passieren. Das änderte sich, als das Stadion erreicht wurde. Mit Reiterstaffeln machte die Polizei dem Treiben ein Ende, ohne allerdings die wartenden Fans vor dem Stadion darüber zu informieren, warum es nicht weiterging. So entstand Unruhe.

Weiterlesen: Die eigentliche Schande von London

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