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Heiße Pyro-Show: Bilanz eines besonderen Spiels

Im Vorfeld des Spiels zwischen dem 1. FC Köln und Roter Stern Belgrad hätte man durchaus das Gefühl bekommen können, Köln befände sich in einem kriegsähnlichen Zustand. Doch weder kam es zu offenen Straßenschlachten zwischen Hooligans. Noch eskalierte die Situation im Stadion. Die Bilanz eines Spiels, das zum Schulterschluss zwischen FC-Fans und Mannschaft führte.

Köln – Die serbischen Fans seien für ihre Pyrotechnik bekannt, erklärte die Kölner Polizei zwei Tage vor der Partie. Es gäbe feindähnliche Beziehungen zwischen den Roter-Stern-Anhängern und Kölner Fans. Rund 2000 Polizisten wurden eingesetzt, inklusive Panzerwagen, Wasserwerfern und Reiterstaffeln. Am Ende blieb fast alles ruhig.

FC-Ultras zünden Pyro-Feuerwerk

Die offizielle Bilanz der Kölner Polizei: eine Auseinandersetzung am Friesenwall mit rund 30 Festnahmen, ein Vorfall am Barbarossaplatz mit vier Ingewahrsamnahmen, sieben Kölner Fans an der Moltkestraße während des serbischen Fanmarsches und weitere sechs Kölner nach der Partie, die mit Pyrotechnik eine Straßenbahn beworfen hatten: Das ist die polizeiliche Bilanz eines Tages, der von den Behörden wie vom Boulevard überhöht wurde zu einem Duell zweier verfeindeter Lager, die aller Wahrscheinlichkeit nach die Kölner Innenstadt verwüsten würden. Das hätte wohl auch passieren können, doch am Ende fanden die hitzigsten Aktionen innerhalb des Stadions statt – mit Pyrotechnik.

Nicht die serbischen, sondern die Kölner Fans brannten ein Feuerwerk auf den Rängen ab, zum Einmarsch der beiden Mannschaften tauchten die FC-Ultras die Südkurve in rotes Feuer und dichten Rauch. Die akustische Unterstützung war 90 Minuten lang atemberaubend, doch während die serbischen Anhänger sich mit Pyrotechnik weitgehend zurückhielten, leuchteten in der Südkurve immer wieder rote Pyrostangen auf. Es schien, als ob die FC-Ultras den Gästen zeigen wollten, dass nicht nur Serben mit Pyrotechnik umgehen können.

Nur der Erfolg der Geissböcke fehlt

Darüber hinaus wurde es ein Spiel mit außergewöhnlicher Atmosphäre. Die FC-Fans feierten die Rückkehr auf die europäische Bühne im heimischen Müngersdorf ausgiebig. Und obwohl sich in Hälfte eins einige Pfiffe zur Leistung der Mannschaft von Trainer Peter Stöger mischten, ließ gerade die zweite Halbzeit kaum Wünsche offen – nur der Erfolg der Geissböcke fehlte.

Weiterlesen: Großes Lob des FC für Kölner Anhänger

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17 Kommentare
  1. LOCUTUS
    LOCUTUS says:

    Meiner Meinung nach ist es alleine der souveränen Arbeit der Polizei zu verdanken, dass die Lage außerhalb des Stadions nicht eskaliert ist. Jeder der in der Innenstadt und vor allem auf der Aachener Str. unterwegs war, konnte die Bereitschaft von großen expliziten Gruppen erkennen, die auf Konfrontationskurs waren. Ergo: die deutsche Polizei hat das Szenario ernst genommen und war sehr gut vorbereitet. Gruß nach London ;)

  2. der 8. Tag
    der 8. Tag says:

    http://de.uefa.com/uefaeuropaleague/season=2018/matches/round=2000890/match=2022052/index.html

    Zu Spielbeginn:
    „Es geht los. Die Stimmung ist überragend. Beide Fanlager geben alles. Mehr Europapokal-Atmosphäre geht nicht in ein Fußballstadion…“
    „Der @fckoeln ist bereit für das 1. Europapokal-Heimspiel seit über 25 (!) Jahren. Hier regiert die Gänsehaut!“

    Selbst die offzielle Stimme der Uefa honorierte den Spielauftakt samt beeindruckender Bengalo-Intro.

    Dank an die gesamte Südkurve und den Rest des Stadions für den unvergesslichen Abend – welch großartige Rückkehr auf die europäische Bühne! (bei den nächsten beiden Spielen fallen dann auch noch die Tore…)

  3. Markus Schulze
    Markus Schulze says:

    100% FC oder 0% Verstand
    Euer verharmlosender Artikel ist ein Tritt in den Allerwertesten für jeden der über 2.000 Polizisten die im Rahmen des Spiels im Einsatz waren. Mein Dank und meine Hochachtung für jeden einzelnen der mal wieder genau diesen hingehalten hat.
    Am Abend vor dem Spiel 8 Festnahmen, vor dem Spiel rd. 50 Festnahmen und nach dem Spiel 70 festgesetzte Hools auf den Ringen. Und ihr tut so als ob die Polizei einen Kindergeburtstag gestört hätte. Klar konnte man den Eindruck gewinnen, dass in Köln Bürgerkrieg herrscht, aber was glaubt ihr eigentlich was los gewesen wäre wenn die Polizei nicht so massiv und so rigoros aufgetreten wäre.

    Ja, es war eine verdammt geile Stimmung im Stadion, Gänsehaut pur, das ist so nur beim FC möglich. Aber die „heiße Pyro-Show“ kotzt mich an.
    Ihr geht auf der Mitgliederversammlung an´s Mikro und redet davon, dass der Verein den Mitgliedern gehört. Es ist also euer Verein. Nein, es ist auch mein Verein, und ihr schadet meinem Verein. Die Südkurve ist euer 2. Wohnzimmer, eure Mami würde euch den Arsch versohlen wenn ihr euch so zuhause benehmen würdet.
    Andere Meinungen zählen nicht für euch. Vielleicht habt ihr vor lauter Pfeifen und rumpöbeln nicht mitbekommen, dass Herr Spinner u.a. mitgeteilt hat, dass der FC seit 2004 rd. 2 Millionen an Strafen für euer Verhalten bezahlen musste. Und Ihr wollt 100% FC sein?

  4. NICK
    NICK says:

    Die Ultras haben „100% FC“ unterstützt, richtig, ich auch, auch wenn ich kein Shirt gekauft habe, kein Ultra bin und auch noch nie Pyro gezündet habe…also schimpf an die richtige Adresse.

    Mir hat die Pyroshow und die Stimmung der Ultras gut gefallen. Ich musste leider sitzen und rundum um mich hat keiner gesungen, nicht mal geklatscht…Mega-Support für die Mannschaft, so unterstützt man sein Team…gut das wir diese Ultras haben.

    Es war die erste richtige Pyroshow im RES, beim ersten Europacupspiel nach 25 Jahren, dazu noch eine optisch ansehnliche – also Ball flach halten – so schlimm wars nicht.

    Auch brauch man keine 2300 Polizisten in Kampfmontur mit Helmen, Quarzhandschuhen und Schlagstöcken…da lob ich mir die Londener Polizei – so geht Deeskalation.

  5. Markus Schulze
    Markus Schulze says:

    Niemand bestreitet, dass die Ultras für die fantastische Stimmung im Stadion maßgeblich verantwortlich sind. Das rechtfertigt oder legalisiert aber doch nicht die „Pyro-Show“. Ob einem das gefällt oder nicht, es ist verboten, kostet unseren Verein verdammt viel Geld – also lasse ich es.

    Die Situation in London ist doch überhaupt nicht vergleichbar. Die Polizei hatte Erkenntnisse, dass 500 gewaltbereite aus Belgrad anreisen, die nicht gerade als Chorknaben bekannt sind. Genau so viele wurden auf Kölner Seite erwartet. Sollen die denen das Feld überlassen?
    Wenn es trotz massivem Polizeiaufgebot zu mehr Festnahmen kommt als in einer ganzen Saison, möchte ich mir nicht vorstellen was losgewesen wäre ohne so viel Polizei.

    Ich gehe seit 40 Jahren in´s Stadion, mir ist völlig wurscht ob die Kampfmontur, Schlagstock oder sonst was haben. Ich habe mich noch nie provoziert dadurch gefühlt, warum auch. Im Gegenteil, es gab durchaus Situationen in denen ich dankbar für die Anwesenheit der Polizei war.
    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich nicht zur ACAB Fraktion gehöre.

    Denke, dass wir da nicht auf einen Nenner kommen, was aber ja nicht schlimm ist. Jeder hat da seine eigene Sichtweise.

    • NICK
      NICK says:

      Man muss den Jungs auch ab und an mal was zugestehen, mal ein Auge zudrücken…das war jetzt in 13 Jahren RES die erste Pyroshow und gegen einen Gegner der für seine Pyroaktionen bekannt ist. Da wollten die halt zeigen – „Wir können es auch!“ Hat bestimmt was mit übertriebenem…auf die Brust trommeln zu tun, ist aber in dem Alter halt so. Ich denke wir werden jetzt im eignen Stadion so schnell keine Fackeln mehr sehen und wenn das so eintritt, sollte man dann hier eben mal „ein Auge zudrücken“. Niemandem ist was passiert.

      Klar kosten so Aktionen den Effzeh-Geld. Jedoch hat der FC auch immer mit den Choreo-Bildern geworben und hat auch schon den ein oder anderen Spieler u.a. eben wegen dieser Stimmung im Stadion zum Wechsel bewegt und diese Stimmung, so haben mir die letzten Jahre gezeigt, kommt halt LEIDER nur von oder mit diesen Ultras…

      Ich finde, wenn es im Rahmen bleibt ok. Zum ersten Europapokal-Heimspiel – ok, gegen Gladbach auswärts – wenns denn sein muss, wahrscheinlich werden n Belgrad auch beide Kurven leuchten -ok und dann soll es aber auch gut sein…

      In zwei, drei Jahren gibts dann diese „kalte“ Pyro, die jetzt in Dänemark zugelassen wird und dann werden die Dinger eh zugelassen…

  6. Hermann
    Hermann says:

    Ich bin pro FC Ultras. Ohne sie wäre alles anders und zwar nicht besser anders. Das abbrennen von Pyros sehe ich als völlig unproblematisch an. Tolle Show Jungs!
    Jedoch war die Vorsicht berechtigt. Die sogenannten „Delije“ von Roter Stern sind nicht ohne. Die Fussballszene auf dem Balkan ist geprägt durch eine Definition des Fussballs, die etwas gewaltbereiter ist als anderswo.

  7. Dieter
    Dieter says:

    Sorry, aber das verstehe ich jetzt nicht ganz. Gehe ich ins Fußballstadion um eine Show zu sehen oder einen sportlichen Wettkampf. Habe so langsam den Eindruck, es geht vielen gar nicht um das, was auf dem Rasen passiert. Es wird gebrüllt, unabhängig vom Spiel und Spielstand. Schon mal überlegt, dass man damit auch junge Spieler unsicher machen kann? Wer sich prügeln will, der sollte in ein Boxclub eintreten. Wer Show machen will, hier empfehle ich Film und Fernsehen, eventuell Hollywood. Es ist und bleibt eine sportliche Veranstaltung. Anfeuern ja – Selbstdarstellung, sich selbst feiern und brüllen ohne jeglichen Bezug zum Spielgeschehen? NEIN danke.

    Wie sahen die Zuschauer in den 60er/70er Jahren aus. Anzug, weißes Hemd und Hut. Keine Pyro, kein Ohrenbetäubender Lärm aber den erfolgreichsten FC aller Zeiten. Der Name 1.FC Köln war in Europa eine Institution. Darum unterstützt man als Mitglied den Verein. Die Sehnsucht nach diesem Erlebnis ist größer als all das, was heute im Stadion abgeht. Ich würde lieber mit Anzug und Krawatte ins Stadion gehen und als Anhänger einer erfolgreichen Mannschaft nach einem siegreichen Spiel den Heimweg antreten.

  8. NICK
    NICK says:

    „Wie sahen die Zuschauer in den 60er/70er Jahren aus. Anzug, weißes Hemd und Hut. Keine Pyro, kein Ohrenbetäubender Lärm aber den erfolgreichsten FC aller Zeiten.“ – und Europacup-Spiele vor 8.000 Zuschauern…

    Was hat denn den Verein zu seinem neuen Slogan „Spürbar anders“ gebracht? Was hat denn den Verein in den letzten Jahren ausgemacht und zusammen gehalten? Die wahnsinnige, erfolgsunabhängige Unterstützung der Fans im Stadion, trotz aller sportlichen Tiefschläge. Das sich bei den Leistungen die teils geboten wurden, auch schon mal ironisch selbst gefeiert wird – warum nicht?

    Ich bin jedenfalls auch Fan dieser Stimmung im Stadion, das ist für mich ein
    wichtiger Teil des Effzeh. Wenn wir immer so ne Stimmung im Stadion hätten, wie bei den letzten Ultra-Boykotten, wo der Rest (zu dem ich mich auch zähle) der glorreichen FC-Fans hätte in die Breche springen müssen und es nicht getan hat, dann wäre auch das Stadion schnell wieder auf den Zuschauerzahlen des erfolgreichen FC aller Zeiten…

    „Ich würde lieber mit Anzug und Krawatte ins Stadion gehen und als Anhänger einer erfolgreichen Mannschaft nach einem siegreichen Spiel den Heimweg antreten.“ – ich nicht!

  9. Dieter
    Dieter says:

    Schön zu lesen, dass es angebliche FC Fans gibt, die lieber nach einer Niederlage das Stadion verlassen als mit dem Gefühl des Sieges. Wenn Sinn des Fußballspiels die Stimmung auf den Rängen ist und das Ergebnis bestenfalls zweitrangig, dann sollten sich einige mal Gedanken darüber machen, ob Fußball der richtige Zeitvertreib ist. Ich kenne niemanden, der gerne verliert. Offenbar ist da einiges an mir vorüber gegangen. Für was fährt der DFB eigentlich 2018 nach Russland; der Stimmung wegen oder wegen der Möglichkeit dort was zu erreichen? Und warum verlassen die Spieler hängenden Hauptes das Spielfeld, wenn doch die Stimmung bombastisch war? Ich verstehe es nicht. Vermutlich bin ich zu doof dafür, gehöre noch der Generation an, für die Regeln und Verhaltensweisen ein wichtiger Bestandteil des Lebens sind. Auf Regeln pfeifen, tun und lassen was man will, dem Verein, den man ja angeblich liebt zu immer höheren Strafen verhelfen ist kein Bestandteil meines Lebens.
    Aber was sagt die Werbung von Media Markt so schön:
    „Hauptsache Ihr habt Spaß“

    • NICK
      NICK says:

      Vielleicht hast Du ja Glück und man findet einen Investor der uns in diese Dimensionen pumpt. Vielleicht hast Du ja Glück und es wird ein neues Stadion in Porz gebaut, dem die Ultras und weite Teile der Fanscene fernbleiben, dann kannst Du da, ganz in Ruhe verstehen, was auf dem Platz gerufen wird, hast auf der Tribüne frei Platzwahl und kannst in Ruhe Dein Würtschen essen und den 1.FC Investor Köln um die Meisterschaft spielen sehen.

      Ich verzichte darauf gerne und kämpfe lieber in Müngersdorf mit allem was mir zur Unterstützung der Mannschaft möglich ist, um den Klassenerhalt und träume von besseren Zeiten…

  10. Dieter
    Dieter says:

    Wer sagt, dass Fans wie ich auf einen Investor warten. Spiele werden auf dem Rasen und nicht auf den Tribünen entschieden. Wer sagt, dass der FC Europapokalspiele vor 8000 Zuschauern ausgetragen hat. Bitte erst mal informieren bevor man solche Unwahrheiten schreibt. Wer das toll findet, was momentan in den Fußballstadien abgeht, den werde ich gerne nochmals fragen, wenn seine Kinder oder sonstige nahe Angehörige im Stadion verletzt worden sind. Erst nachdenken bevor man etwas tut. Hinterher flennen und sagen. dass haben wir nicht gewollt ist nicht das Benehmen Erwachsener. Kopf einschalten, dann Handeln. Wer brüllen und Randale machen will dem empfehle ich die Dorfkirmes. Da wird das gerne gesehen und mit dem vorhandenen Alkoholpegel hat man gleich die passende Entschuldigung parat. Träumt weiter. Eine Unterstützung der Mannschaft sieht anders aus, wer wissen will wie, der kann uns gerne mal begleiten, wenn wir im Vereinsheim sind. Tschüss Böllerwerfer, Schreihälse, Randalemacher und Straftzahlungsverursacher. Dies hat mit Fankultur nichts zu tun. Betonung liegt hier klar auf Kultur.

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