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Kommentar: Der FC trägt ein blaues Auge davon

Der 1. FC Köln ist am Montagabend mit einem blauen Auge davon gekommen. Auf der Mitgliederversammlung lief so ziemlich alles schief, nur das Abstimmungsergebnis konnte am Ende eines denkwürdigen Abends im Sinne des Effzeh sein.

Köln – Alle hatten sie getrommelt: der Effzeh mit kostenlosen Europa-Hoodies, die Initiative „100% FC – Dein Verein“, der Südkurve 1. FC Köln e.V., selbst Lukas Podolski hatte dazu aufgerufen, zur Versammlung zu gehen. Die Sozialen Netzwerke liefen in den Tagen zuvor über, es war klar, dass der Rekord von rund 4000 Anwesenden aus dem Jahr 2013 geknackt werden könnte. Doch mit 6404 Mitgliedern hatte der FC nicht gerechnet.

FC kann froh über deutliches Ergebnis sein

Die Folge: Nichts reichte. Nicht die Anzahl an Anmeldestellen, um alle Mitglieder pünktlich in die Arena zu lotsen. Nicht die Anzahl an funktionierenden elektronischen Abstimmungsgeräten für die so hitzig diskutierte Satzungsänderung. Nicht die Reichweite dieser Geräte, die auf den Oberrängen keinen Empfang mehr hatten und so schon vor Beginn der Versammlung nutzlos wurden. Nicht die Anzahl an Hoodies, die den Fans in der Arena versprochen worden waren. Auch reichte die Kinderstube einiger weniger Mitglieder nicht, die auf die Volunteers losgingen, weil diese die Hoodies während der Veranstaltung noch nicht rausgeben durften. Und auch das Benehmen einiger anderer Anwesenden reichte nicht aus, um eine gänzlich friedliche Mitgliederversammlung zu erleben.

Der FC stand am Montag vor einer richtungsweisenden Abstimmung seiner Mitglieder. Dass ausgerechnet an einem solchen Abend die Technik erst nicht in ausreichender Zahl vorhanden zu sein schien und dann nicht funktionierte, ist bedauerlich genug. Dass hinterher auch noch der Computer, der die händisch ausgefüllten Stimmzettel automatisiert zählen und auswerten sollte, zwischenzeitlich streikte, setzte einem Wahlvorgang voller Pannen die Krone auf. Am Ende wurde der Prozess notariell begleitet und beglaubigt, doch der FC kann froh sein, dass das Ergebnis überdeutlich ausfiel. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Antrag die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit nur knapp verpasst hätte. Ein fader Beigeschmack bleibt, dass eine solch wichtige Abstimmung nur mit so großen Problemen über die Bühne gebracht werden konnte.

Der Dialog muss erneuert werden

Unterm Strich reichte es also nicht für die Initiative „100% FC“. Ihr Antrag wurde deutlich abgelehnt. Und doch stimmten 34 Prozent der Mitglieder für das, was Werner Spinner zuvor als Misstrauensvotum gegenüber dem Vorstand bezeichnet hatte. So muss sich der Präsident nun also damit auseinandersetzen, dass ein Drittel der Anwesenden am Montagabend einem Antrag folgte, gegen den die FC-Bosse mit aller Vehemenz opponiert hatten. Im Vorfeld waren deutliche Risse zwischen den Verantwortlichen und einem Teil der Basis offen zu Tage getreten. Dieser Teil der Basis blieb am Montagabend zwar in der Minderheit. Doch der Dialog, den Spinner und Co. in den letzten Jahren immer wieder propagiert hatten, muss erst wieder erneuert werden. Dazu trug die Mitgliederversammlung am Montagabend nur insofern bei, als dass zumindest offen über die Streitthemen gesprochen wurde.

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1 Antwort
  1. Jürgen Otto says:

    Lieber Herr Merten,

    schöner Artikel, den ich aber an einigen Stellen kommentieren möchte.

    Mich stört der Duktus von allem zu wenig. So sind wir um Punkt 19:00 Uhr in die Arena gekommen und wurden sehr geordnet in absolut vernünftiger Zeit durch den Anmeldevorgang geschleust. Hier kann ich für uns nicht die geringste Kritik anbringen.

    Damit wir zusammen sitzen konnten, haben wir uns in den Oberrang begeben. Hier war zunächst die Tonqualität nicht akzeptabel, wurde aber recht bald angepasst.
    Von drei Abstimmgeräten funktionierten leider nur 2. Bemerkenswert empfand ich den Spruch des „Dienstleisters“, der trocken und emotionslos der versammelten FC Führungsmannschaft mitteilet, das man nun eben per Papier abzustimmen habe.
    Ich glaube, wir sollten aufhören, immer die Verantwortlichen alleine an die Wand zustellen.
    Wenn der ausgewählte Dienstleister scheitert, ist das zwar doof aber nicht dem FC oder seinen Gremien zuzuschreiben. Im Übrigen empfand ich die störenden Buhrufe und Pfiffe der angeblichen, um das wohl des Vereins besorgten Fans als weitaus störender.
    Wenn diese, oder zumindest teile dieser Truppen dann sich nicht einmal vor den FC Mitarbeitern, die einen fleissigen Job machen, benehmen können fehlt mir jegliches Verständnis. Statt das die in Frage kommenden Gruppen in Form einer Selbsthygiene die Jungs mal ein wenig einbremsen , wird hier eine Grenzüberschreitung toleriert, die nur noch peinlich ist.
    Ich würde mir wünschen, das alle mal auf sich und auch ihre Nachbarn im Block oder eben vor der Hoodie Ausgabe schauen. längst nicht alles, was da geboten wird, ist witzig. So finde ich z.B. den Kollegen aus der ersten Reihe des Gästeblocks in Arsenal, der sich die größte Zeit mit der herrlichen Strickmütze mit Augenlöchern getarnt hat, nur noch peinlich.

    In diesem Sinne

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