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„Vermissen Sie Anthony Modeste, Herr Stöger?“

Es scheint schon ewig lange her zu sein, dass Anthony Modeste mit seinem Brillenjubel durch Müngersdorf lief, seiner Freude freien Lauf ließ und die Fans und Mitspielern mit dem Franzosen jubelten. Der 1. FC Köln muss nun ohne den Stürmer auskommen und tut sich schwer, den 29-Jährigen vergessen zu machen.

Köln – Ob Peter Stöger Anthony Modeste vermisse, wurde der Trainer des 1. FC Köln am Freitag vor der Partie der Geissböcke bei Hannover 96 gefragt. Eine nachvollziehbare Frage, schließlich schoss Modeste in der vergangenen Saison 25 Tore, der FC zog in die Europa League ein – und liegt nun ohne den Franzosen punktlos auf den letzten Tabellenplatz – mit gerade einmal einem erzielten Tor (durch Verteidiger Frederik Sörensen).

Hätten von Tony nicht wieder 20 Tore erwarten können

„Es ist müßig darüber zu diskutieren“, begann Stöger seine Antwort. Er hatte sie wohl kommen sehen, wusste, dass sie irgendwann gestellt werden würde. Nicht, dass sie nicht schon vorher gestellt worden war. Aber da hatte sich die Lage des FC noch nicht in einer handfesten Krise manifestiert. „Wir hätten von Tony in dieser Saison nicht wieder 20 Tore oder mehr erwarten können“, fuhr Stöger fort, der immer betont hatte, dass sein Top-Stürmer – wer es auch immer sei – im Idealfall für zehn bis 15 Tore gut sein müsse. „Vielleicht hätten wir jetzt mit Tony auch nur ein, zwei, drei oder sogar auch nur null Punkte. Dann hätte jeder gefragt, ob wir Modeste nicht doch nach China hätten verkaufen sollen und für das Geld andere, hungrige Spieler holen können.“

Eine Diskussion, die sich im Kreise dreht – das wissen die FC-Verantwortlichen, das wissen die Fragesteller, das weiß jeder, der „hätte, hätte, Fahradkette“ buchstabieren kann. Und obwohl diese Fragestellung dem Effzeh nicht weiterhilft, zeigt sie das Dilemma der Geissböcke auf. Modeste fehlt dem Effzeh an allen Ecken und Enden. Offensiv, weil Modeste in den letzten zwei Jahren in einzigartiger Weise Tore auch aus Halbchancen heraus erzielte, immer gefährlich, in fast allen Lagen anspielbar und der perfekte Wandspieler für den Spielaufbau war. Defensiv räumte er zudem unzählige Freistöße und Ecken aus dem Strafraum. Alles Aufgaben, die nun Jhon Cordoba übernehmen soll, aber (noch) nicht leisten kann.

Die Jungs haben bewiesen, dass sie richtig gut Bundesliga spielen können

Zudem war der Franzose zwar eine Diva, ein nicht gerade einfacher Charakter, der sich in schlechten Phasen wie den acht torlosen Spielen in der Hinrunde 2015/16 auch mal hängen ließ, mürrisch und abseits der Mannschaft seine Zeit auf dem Trainingsplatz verbrachte, in Zweikämpfen auch mal ruppig seine eigenen Teamkollegen anging. Doch Modeste war die meiste Zeit einer der zentralen Charaktere in einer funktionierenden Gemeinschaft, der nun dieses Puzzleteil fehlt. In diese Rolle müssen erst andere Spieler hineinwachsen.

Überhaupt gilt das Motto für die Geissböcke: Die Lücke, die Anthony Modeste als Spieler und Mensch hinterlassen hat, wird kein FC-Profi alleine füllen können. „Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft in der Bundesliga konkurrenzfähig ist und besser ist, als wir uns momentan präsentieren“, sagte Stöger. „Die Jungs haben bewiesen, dass sie richtig gut Bundesliga spielen können.“ Das lag nicht nur an Modeste. Doch der Franzose gab seinen Mitspielern auch den Glauben an ihre Stärke. Und genau dieser fehlt aktuell.

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