,

Fünf Tore! Effzeh ballert sich den Frust von der Seele

Der 1. FC Köln hat seinen ersten Sieg in Europa seit 25 Jahren eingefahren. Gegen BATE Borisov gelang dem Effzeh ein 5:2 (1:2)-Kantersieg. Dank vier Toren nach dem Seitenwechsel drehten die Kölner gegen die Weißrussen einen Rückstand und gingen erstmals in der Europa League als Sieger vom Platz. Lediglich die Verletzung von Sehrou Guirassy schmerzt. 

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Nach dem Erfolg im DFB-Pokal und den verbesserten Leistungen in der Bundesliga wollte sich der Effzeh am Donnerstag endlich in der Europa League mit den ersten Punkten belohnen. Bereits im Hinspiel vor zwei Wochen war zu erahnen, dass die Champions-League-erfahrene Mannschaft aus Borisov zu schlagen sein könnte. Für die Kölner war es zudem die letzte Chance, die Hoffnung auf das Weiterkommen im internationalen Wettbewerb am Leben zu erhalten.

Ausgangslage

„Wir werden die stärkste Mannschaft ins Rennen schicken“, hatte Peter Stöger im Vorfeld der Partie angekündigt. Im Vergleich zum Derby in Leverkusen schenkte der Österreicher Konstantin Rausch hinten links das Vertrauen und brachte Christian Clemens für Yuya Osako. Der am Sonntag noch auf Krücken gehende Dominic Maroh wurde noch rechtzeitig zum zweiten Europa-League-Heimspiel fit, sodass Sörensen wieder auf die rechte Abwehrseite rückte.

Moment des Spiels

Leonardo Bittencourt konnte in der 63. Minute nur durch ein Foul an der Strafraumgrenze gestoppt werden. Sehrou Guirassy schnappte sich die Kugel und schlenzte den Ball traumhaft über die Mauer hinweg ins lange Eck – die Führung zum 3:2 für den Effzeh – dieses Mal sollte sie halten. Bitter für den Torschützen: Nur zwei Minuten nach seinem Traumtor musste der Franzose mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden.

Die wichtigsten Szenen

Bereits nach zwei Minuten hatte der Effzeh die erste gute Gelegenheit auf dem Fuß: Bittencourt sah an der Strafraumgrenze den besser postierten Lehmann, der aus 16 Metern allerdings verzog. Nur wenige Minuten später kamen die weißrussischen Gäste zu ihrer einzig guten Gelegenheit, als Dominique Heintz nach einem Einwurf zu lange diskutierte und dabei das Verteidigen vergaß. Borisov nutzte die Gelegenheit und zog aus 20 Metern ab. Den von Lehmann abgefälschten Schuss konnte Timo Horn mit einer Glanzparade vereiteln. Nach dem Schreckmoment spielten die Kölner stark auf. Erst scheiterte Guirassy nach Vorlage von Zoller, dann verpasste Bittencourt eine Hereingabe nur um Haaresbreite. In der 16. Minute erlöste Zoller die Fans im RheinEnergieStadion: Özcan und Rausch mit einer gemeinsamen Balleroberung, Özcan schickte gedankenschnell Zoller, der vor Denis Scherbitski eiskalt blieb und zur verdienten Führung traf.

Die ersten 20 Minuten ließen nicht darauf schließen, dass der Effzeh an diesem Tag etwas anbrennen lassen würde. Doch nach dem Führungstreffer stellten die Geissböcke ihre Offensivbemühungen ohne Grund ein und ließen die Weißrussen kommen. Diese dankten es den Kölnern mit einem Doppelschlag nach 30 Minuten. Nach einem unnötigen Foul von Heintz an der rechten Strafraumseite brachte Borisov den Ball flach auf den Elfmeterpunkt, wo Nemanja Milunovic völlig frei einlief und zum Ausgleich traf. Keine 120 Sekunden später konnten die rund 150 mitgereisten Borisov-Fans erneut jubeln: Heintz hinderte Aleksei Rios nicht am Flanken und in der Mitte war Maroh zu weit von Nikolai Signevich, der sehenswert per Fallrückzieher Horn keine Chance ließ.

Mit Osakos Einwechslung kommt die Wende

Zur zweiten Halbzeit bewies Peter Stöger ein gutes Händchen und brachte Yuya Osako für den schwachen Christian Clemens. Mit seiner ersten auffälligen Aktion sorgte der Japaner keine zehn Minuten nach dem Seitenwechsel für den Ausgleich. Nach einem Freistoß von Lehmann konnte Borisov den Ball nicht aus der Gefahrenzone bringen, Sörensen legte per Brust auf Osako ab, dessen Schuss unhaltbar für Scherbitski im langen Eck einschlug. Sichtlich angefressen vom unnötigen Rückstand in Hälfte eins war der Ausgleich die Initialzündung für den Effzeh. Die Fans hinter sich, verpasste erst Bittencourt mit einem satten Schuss aus 25 Metern knapp (56.), ehe Guirassy mit seinem traumhaften Freistoß aus 17 Metern für die erneute Führung sorgte und ganz Müngersdorf vom ersten Sieg in der Europa League nach 25 Jahren träumen ließ.

Doch wie schon im ersten Durchgang nach der Führung lud die FC-Abwehr Borisov zu Chancen ein. So musste Timo Horn binnen drei Sekunden gleich zwei Mal sein ganzes Können aufzeigen, um den erneuten Ausgleich zu verhindern (66.). Doch dieses Mal machte es der Effzeh besser, kam durch Özcan (75.), Heintz (77.) und Jojic (81.) zu weiteren guten Gelegenheiten und belohnte sich durch den zweiten Treffer von Osako mit dem 4:2 (82.). Bittencourt flankte von links, Osako rutschte am langen Pfosten rein und traf. Den Schlusspunkt setzte Milos Jojic in der Nachspielzeit nach einer Flanke des Japaners, und der Effzeh feierte seine ersten drei Punkte in der Europa League nach einem Vierteljahrhundert.

Fazit

Zum Freuen: Endlich! Ein Schützenfest für die ersten drei Punkte.

Zum Ärgern: Guirassys Verletzung kurz nach seinem Traumtor – Gute Besserung!

Unser Held des Tages: Yuya Osako mit zwei Toren und einer Vorlage in der zweiten Hälfte.

Aufstellung

T. Horn – Rausch, Heintz, Maroh, Sörensen – Bittencourt, Özcan, Lehmann, Clemens (46. Osako) – Guirassy (69. Jojic), Zoller (83. Olkowski)

Tore

1:0 Simon Zoller (16.), 1:1 Nemanja Milunovic (31.), 1:2 Nikolai Signevich (33.), 2:2 Yuya Osako (54.), 3:2 Sehrou Guirassy (63.), 4:2 Yuya Osako (82.), 5:2 Milos Jojic (90.)

10 Kommentare
  1. Robert H. says:

    Na kommt, Leute. Sagt was hier!
    Gut gemacht, Jungs! Habt euch mächtig reingehängt. War ein hartes Stück Arbeit, geht hoffentlich nicht an eure Substanz. Jetzt versuchen, den Schwung mitzunehmen.
    Ihr seid halt doch nicht so schlecht, wie euch manche hier Ernst-haft reden wollen.

    Gut für die Seele! Gut fürs Ego! Come on Effzeh!

    • NICK says:

      So ist es Robert. Bei einer Niederlage springen sofort alle ans Tablet, den PC oder zücken das Smartphone – 50 Kommentare. Bei einem Sieg…

      Die waren wahrscheinlich alle im Stadion. Ich war im Stadion und gestern um 1:00 erst wieder zu Hause…

      Aber das Spiel war ein Sieg der Moral, in Führung gegangen – auf die Fresse bekommen, wieder aufgestanden und dann den Gegner platt gemacht. Eine Wohltat für alle Jungs die mit dem Effzeh dieses Jahr fast nur frustiert nach Hause gefahren sind.

      Aber zählt alles nix…ich denke der Europazug ist abgefahren…chancenlos sind wir nicht, aber wir müssten Belgrad auswärts UND Arsenal schlagen um weiter zu kommen…mmh…die Hoffnung stirbt zuletzt :) Wichtig sind jetzt aber 3 Punkte gegen Hoppelheim – das ist das wichtige Spiel, das gewonen werden muss. Ich hoffe unsere neuer „Fußballgott“ Guirassy ist bis dahin wieder fit :)

  2. Ali Perez says:

    Die Mannschaft hat mal wieder eine klasse Moral gezeigt und sich endlich mal selbst belohnt. Die Tatsache, das Spiel umgebogen zu haben, sollte dafür sorgen, dass die Jungs mit breiter Brust am Sonntag ins Spiel gehen. Hoffenheim könnte jetzt der perfekte Gegner sein. Wir werden zwar wieder nicht zu Null spielen, aber wir werden ein Tor mehr schießen.

  3. Matthias Wiegand says:

    620km in die schönste Stadt Deutschlands gefahren und dann so eine magische Nacht….respekt FC…..es gibt diesmal fast nichts zu bemängeln…..ausser mein Freund Konstantin R., geht zu keinem Kopfball hoch, eins gg eins unterirdisch und Standards sowie Flanken einfach nur eine Katastrophe….warum darf der die Standards regelmäßig verballern??warum zieht der Stöger diesen Typen nicht einfach aus dem Verkehr???unfassbar….zum Glück haben sich Lehmann und Guirassy die Bälle bei den Freistößen geschnappt, ansonsten wären das 2:2 und 3:2 nie gefallen…ich möchte den Rausch eigentlich nicht mehr auf dem Platz sehen..sorry für alle Kocka Fans aber der ist absolut nicht zu gebrauchen

  4. Klio says:

    Das hat mal richtig gut getan. Ein tolles Spiel mit tollen Toren und dem besseren Ende für uns – was will man mehr?

    Der Verlauf mit dem Wechselbad der Gefühle war perfekt, um Selbstbewusstsein für die Bundesliga mitzunehmen. Hier konnten die Spieler nicht nur wieder mal das Gefühl erleben, wie es ist, wenn die Tore reingehen und man gewinnt (was für sich schon mal hilft). Gerade, dass die Mannschaft sich nach dem schockierenden Doppelschlag in der 2. Halbzeit so befreien konnte, kann in der BL in schwierigen Spielen helfen.

    „Unser Held des Tages: Yuya Osako“ – auf jeden Fall, aber dieser Titel war gestern hart umkämpft.

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar