,

Verletzungsmisere: Welche Rolle spielt der Hybridrasen?

Der 1. FC Köln hat ein gewaltiges Problem. Spätestens seit dieser Länderspielpause müssen sich die Geissböcke fragen und fragen lassen, ob die Verletzungsmisere der letzten anderthalb Jahre doch einem Muster folgt. Hat man sich im Sommer 2016 mit dem Verlegen eines neuen Rasens auf dem Trainingsplatz verzockt?

Köln – Die Verletztenliste beim 1. FC Köln umfasst seit Beginn der Sommer-Vorbereitung inzwischen 15 Spieler: Dominique Heintz: Muskelsehneneinriss. Marcel Risse: Meniskus-OP und weitere Knieprobleme. Jhon Cordoba: Muskelverletzung im Oberschenkel. Claudio Pizarro: Muskelverletzung im Oberschenkel. Simon Zoller: muskuläre Probleme. Nikolas Nartey: Meniskus-OP. Marco Höger: Muskelverletzung im Oberschenkel. Matthias Lehmann: muskuläre Probleme. Christian Clemens: muskuläre Probleme. Artjoms Rudnevs: muskuläre Probleme. Milos Jojic: Bänderdehnung. Yuya Osako: Bänderverletzung. Timo Horn: Hüftprobleme. Dazu fielen Thomas Kessler (Hand-OP) und Konstantin Rausch (Gehirnerschütterung) zwischenzeitlich aus.

Ausfälle steigen seit 2016 sprunghaft an

15 von 28 Spielern – über die Hälfte der Geissböcke litt in dieser Saison bereits an kleineren oder größeren Blessuren. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison, als der Effzeh ebenfalls schon mit Verletzungspech zu kämpfen hatte, waren es zum gleichen Zeitpunkt des Jahres zehn Verletzte. Und das, obwohl der 1. FC Köln vor dem Sommer 2016 noch dafür bekannt war, nur wenige Ausfälle hinnehmen zu müssen. Die Reha-Abteilung war stolz darauf, dass es keine sogenannten „Re-Verletzungen“ gab, also wiederkehrende Blessuren. Das Trainerteam konnte sich darauf verlassen, dass es fast immer einen Großteil seiner Spieler im Trainingsbetrieb hatte.

In der Saison 2015/16 wies der FC noch die viertwenigsten Muskelverletzungen der Liga aus, musste insgesamt mit 511 Ausfalltagen seiner Spieler (laut fussballverletzungen.com) die zweitwenigsten Verletzungen in der Bundesliga hinnehmen (hinter Ingolstadt). Das hat sich nun gänzlich verändert: In der vergangenen Saison waren es insgesamt 1171 Ausfalltage. Damit lag der FC zwar noch im Mittelfeld, doch die Geissböcke hatten den kleinsten Kader der Liga, es konnten sich also im Verhältnis zu anderen Klubs weniger Spieler verletzen.

„Es gibt kein Muster“ – aber eine Veränderung

Schon in der letzten Saison versuchten die Geissböcke das Thema der vielen Verletzungen öffentlich klein zu halten. Trainer Peter Stöger und Ex-Manager Jörg Schmadtke sagten im Herbst letzten Jahres unisono: „Wir haben nach einem Muster gesucht. Aber wenn man sich die Verletzungen im Detail anschaut, findet man keines.“ Der Grund dieser Aussage war eine Veränderung, die der 1. FC Köln im Sommer 2016 durchgeführt hatte: Auf dem Trainingsplatz der Profis wurde der reine Naturrasen entfernt und durch einen Hybridrasen ersetzt.

Es war die einzige, echte Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren. Die Trainingssteuerung durch den langjährigen Athletikcoach und Weltmeister-Macher Benny Kugel hatte sich nicht verändert. Die medizinische Betreuung der Ärzte, Physiotherapeuten und durch Reha-Coach Marcel Abanoz war gleich geblieben. Und auch – anders als in der diesjährigen Europa-League-Saison – die Belastung durch die Anzahl der Pflichtspiele war in der vergangenen Saison ebenfalls gleich geblieben.

Weiterlesen: Das sagen Studien und Experten zum Hybridrasen

3 Kommentare
  1. Robert H.
    Robert H. says:

    Danke für den Artikel! Schon seit längerem sehe ich die Sache mit dem Rasen äußerst kritisch.
    Eine solch lange Verletztenliste (mit gefühlt der Hälfte der Verletzungen im Trainingsbetrieb) ist eigentlich nie und in der jetzigen Situation noch weniger hilfreich.
    Wenn der Physiotherapeut als Experte da einen Zusammenhang mehr oder weniger bestätigt – also, da würde ich als Verantwortlicher nicht einen Moment zögern und den Trainingsbetrieb sofort verlegen.
    Es kann nicht sein, dass die Spieler auf Naturrasen Bewegungen machen können, die sie auf Hybrid tunlichst unterlassen sollen. Eine solche Unterscheidung ist nicht zumutbar.

    In diesem Fall: dem Beispiel der Bayern unbedingt folgen!

  2. Stefan Schmitz
    Stefan Schmitz says:

    Es gibt halt nichts besseres als Naturrasen. Die Pflege und damit auch Kosten muss man halt in Kauf nehmen. Für einen Profiverein sollte das kein Thema sein.

    Aber zum Thema:
    Reine Kunstrasenplätze werden immer populärer, sogar Kreisliga-Vereine besitzen mittlerweile welche. Diese sind bekanntermaßen im Gegensatz zum Naturrasen sehr stumpf, rein von der Logik her noch wesentlich stumpfer als ein Hybridrasen. Beschwerden bezüglich Verletzungen hört man allerdings kaum. Auch der FC plant mit reinen Kunstrasenplätzen für den Ausbau am Geissbockheim.

    Würde mal gerne hören, wie diese sogenannten „Experten“, ihre Thesen mit Fakten untermauern.
    Und vor allem, warum es nur den Hybridrasen betrifft, aber nicht die reinen Kunstgrüne. Über die regt sich ja keiner auf.

  3. NICK
    NICK says:

    Wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass der Rasen Schuld an den Verletzungen hat, dann wäre das wirklich hanebüchen, den Abstieg mit dem Rasen und danach den fehlenden Transfers eingeläutet zu haben…dann muss man wirklich die Kompetenzfrage stellen, denn in Fanforen wurde das Thema mit dem Rasen doch schon vor langer Zeit angesprochen und auch Positionen im Team benannt, die den ein oder anderen Spieler benötigt hätten und der Bedarf von den Verantwortlichen, jetzt wo’s fast zu spät bestätigt wird…

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar