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„Deine Tage sind gezählt!“ Nicht nur Proteste gegen den Vorstand

Die Fans des 1. FC Köln hatten am Samstagnachmittag gegen den VfL Wolfsburg endlich wieder etwas zu jubeln. Der erste Bundesliga-Sieg der Saison (1:0) stand nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel. Doch die Anhänger rollten in der Südkurve mehrere Banner aus und bedrohten dabei auch den Fanbeauftragten Rainer Mendel.

Köln – Nach dem 3:4 gegen den SC Freiburg war es nur ein kleiner Banner, diesmal war er größer, deutlicher, und erschien schon zum Anpfiff: „Vorstand raus“. Später hieß es dort: „Nur noch Spinner am Werk – Vorstand raus“. Worte, die auch mit Gesängen aus der Südkurve untermalt wurden. Die Worte richteten sich an Werner Spinner, Toni Schumacher und Markus Ritterbach. Letztere saßen in der ersten Hälfte noch mit versteinerten Mienen auf der Tribüne. Erst der Sieg hellte diese auf. Spinner dagegen weilte nicht im RheinEnergieStadion.

„Wilde Horde“ droht Rainer Mendel

Doch die Worte der Fans richteten sich nicht nur an den Vorstand. In der zweiten Hälfte tauchte ein Plakat am Zaun auf, das sich an den Fanbeauftragten des Effzeh richtete. „Mendel, Deine Tage sind gezählt!“, hieß es dort. Eine deutliche Drohung gegen Rainer Mendel, der seit 1989 die Fan-Belange auf Seiten des Klubs vertritt, mit den Anhängern spricht, organisiert. Inzwischen aber hat insbesondere die „Wilde Horde“ den 52-Jährigen ins Visier genommen. In den letzten Wochen hallten bereits „Mendel raus“-Rufe durch die Kurve. Nun tauchte erstmals ein Banner auf, dazu noch ein geschmackloses.

Die „Wilde Horde“ wirft Mendel unter anderem vor, für die polizeiliche Durchsuchung der Räumlichkeiten des Fanprojekts verantwortlich zu sein, die in der letzten Saison nach dem Heimspiel gegen Hoffenheim stattgefunden hatte. Darüber hinaus sorgten die Stadionverbote im Sommer für eine Verschlechterung des Verhältnisses, die teils von der zuständigen Kommission des FC und teils vom Deutschen Fußball-Bund ausgesprochen worden waren. Die Psycho-Spielchen insbesondere zwischen den Ultras und den Vertretern des 1. FC Köln laufen bereits seit Monaten. Nur geredet wird nicht mehr miteinander.

Reaktion des FC wird erwartet

Weder Rainer Mendel noch der 1. FC Köln wollten sich bis Sonntagmittag zum Banner und der aktuellen Situation mit Teilen der aktiven Fanszene offiziell äußern. Doch klar scheint, dass die Geissböcke auf die Drohung reagieren werden. Zumal sie offenbar ausgerechnet von Teilen jener Leute ausgesprochen wurde, die auch an den skandalösen Vorkommnissen beim Europa-League-Auswärtsspiel in Belgrad beteiligt gewesen waren.

5 Kommentare
  1. Ankerdensin says:

    Ich frage mich, wie man Menschen, die in dieser Form kommunizieren, aus dem Fanumfeld loswerden kann.
    Die Aussage, Deine Tage sind gezählt, ist aufgrund der Doppeldeutigkeit nicht tolerabel.
    Und schon gar nicht aus Kreisen von Menschen, die sich nicht an geltendes Recht halten und ein Stadion oder einen Verein als rechtsfreien Raum ansehen.
    Wenn eine Polizeiaktion durchgeführt wurde, dann sollte sich die Wilde Horde doch bitte selbst kritisch hinterfragen.
    Wer Recht bricht oder sich verdächtig macht, muss mit den Konsequenzen leben.
    Man sollte der Wilden Horde den Fanstatus aberkennen, solange sie sich von solchen Hetzereien nicht distanziert.
    Und dieses ewige Vorstand raus Gegröle nervt nur. Es sind Fehler gemacht worden und es gibt Versntwortliche, die sich dazu bekennen und die die Aufgabe annehmen wollen, diese Fehler zu beseitigen.
    All diese Forderungen kommen doch von Leuten, die nie in einer solchen Funktion tätig waren, sind oder es sein werden.
    Konstruktiver Dialog und nicht Hetze und Pyros.

    • Huey L. says:

      Sehr guter Kommentar. Den vorletzten Satz würde ich nur noch um ein „sein dürfen“ erweitern. Ansonsten ist es nur traurig, dass solche Leute mit ihren Spruchbändern, Gesängen und nicht tolerierbarem Gebären dafür sorgen, dass ein Verein auseinanderbricht. Da ist ja permanentes Fremdschämen angesagt, wenn man deren „Aktionen“ rund um „ihren“ Verein mitbekommt.

  2. Michael__ says:

    Jetzt bleibt mal auf dem Teppich! Wo ist denn da bitte eine Drohung?! Hier wird ja gerade so getan, als hätten die Ultras dem Mendel einen blutigen Pferdekopf ins Bett gelegt. Wenn die Redewendung „…Tage sind gezählt“ eine Drohung wären, dann würde z.B. die FDP offensichtlich ein Attentat auf Merkel planen (Google ist dein Freund).
    Keiner will hier die hirnlosen Aktionen z.B. von Belgrad entschuligen, aber man muss nicht immer aus jedem Furz einen Skandal machen.

    • Mike says:

      Genau diese Haltung und Verharmlosung der verbalen Angriffe gibt diesen Chaoten die Nahrung und die Basis, sich weiterhin so zu verhalten und zu glauben, dass Recht zu haben, sich so zu verhalten.
      Das Stadion ist kein rechtsfreier Raum !

      • Michael__ says:

        Und es ist weiterhin kein Unrecht und keine Drohung, auch wenn es gerade zum selbstgebildeten Gesamtbild passt. Das ist das doofe mit dem Recht: jeder hat es, auch diejenigen, denen man es gerne vorenthalten will…
        Wer allerdings mit Pyros auf den Rängen zündelt, der bewegt sich definitiv außerhalb des Rechts und kann entsprechend sanktioniert werden!

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