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Effzeh feiert Punkt auf Schalke – doch reicht das für Stöger?

Der 1. FC Köln hat einen Punkt auf Schalke mitgenommen. In Gelsenkirchen trennten sich beide Mannschaften 2:2 (0:1). Mit einem Doppelpack sicherte Sehrou Guirassy den Geissböcken einen Punkt. Dabei war der Videobeweis am Samstagabend auf Seiten des Effzeh. Dennoch könnte es das letzte Spiel von Trainer Peter Stöger gewesen sein.

Aus Gelsenkirchen berichten Sonja Eich und Jonas Klee

Schon vor dem Topspiel am Samstagabend zwischen dem FC Schalke 04 und dem 1. FC Köln verdichteten sich die Gerüchte um eine baldige Trennung von Trainer Peter Stöger. Nur mit einem Sieg könne sich der Österreicher noch retten, hieß es unter der Woche rund um das Geißbockheim. Der Trainer selbst wünschte sich ebenfalls Klarheit um seine Position. Auch, damit seine Spieler wissen, wie es weitergeht. Diese Klarheit könnte das Spiel am Samstagabend gebracht haben.

Ausgangslage

Zehn Punkte trennten den Effzeh vor dem Anpfiff bereits vom Relegationsplatz, zwölf zum direkten Nichtabstiegsplatz. Gegen die formstarken Schalker musste also unbedingt ein Sieg her, um überhaupt noch einen Funken Hoffnung auf den Klassenerhalt zu haben. Dafür änderte Peter Stöger seine Elf auf drei Positionen. Frederik Sörensen kehrte nach seiner Gelbsperre für den jungen Bisseck zurück in die Anfangsformation. Zudem brachte der Österreicher Jannes Horn nach überstandenem Infekt in der Innenverteidigung und Pawel Olkowski ersetzte den gegen Berlin schwachen Lukas Klünter.

Moment des Spiels 

Der Videobeweis in der 77. Minute. Nach einem Handspiel von Benjamin Stambouli schaute sich Schiedsrichter Tobias Spieler die Szene auf Anraten des Videoassistenten noch einmal an und entschied schließlich auf Handelfmeter. Sehrou Guirassy verwandelte sicher zum 2:2. Es war nicht nur einen seltene Pro-Entscheidung des Videobeweises für den Effzeh, sondern sicherte den Gästen am Ende auch einen Punkte auf Schalke.

Die wichtigsten Szenen

Der FC Schalke 04 begann die Partie druckvoll. Mit der irren Aufholjagd gegen den BVB im Rücken wollten die Hausherren ihr Selbstvertrauen und die gleichzeitige Verunsicherung der Kölner schnell nutzen. So kamen die Königblauen in den ersten Minuten bereits zu guten Torgelegenheiten. Nach nur vier Minuten prüfte Yevhen Konoplyanka Timo Horn in dessen 100. Bundesligaspiel aus der Distanz. Nur drei Minuten später lag der Keeper bereits am Boden, doch der Lupfer von Guido Burgstaller traf nur die Latte. Der Effzeh brauchte zehn Minuten, um sich an das hohe Tempo der Schalker zu gewöhnen und machte seine ersten Versuche in Richtung Ralf Fährmann. Die beste Kölner Chance hatte Yuya Osako in der elften Spielminute, als sich Jojic durch das Mittelfeld tankte und den Japaner steil anspielte. Der Ball war jedoch einen Tick zu lang, sodass der Stürmer nicht mehr genug Druck hinter die Kugel brachte und Fährmann somit vor eine leichte Prüfung stellte. Nach 30 Minuten hatte der Effzeh im Anschluss an eine Ecke sogar eine erste echte Drangphase, konnte jedoch kein Kapital daraus schlagen. Schalke wurde wieder stärker und nutzte einen doppelten Fehler in der Kölner Hintermannschaft eiskalt aus: Frederik Sörensen verlor am Strafraum ein entscheidendes Kopfballduell, Rausch hinderte Caligiuri nicht am Einlaufen und so konnte der Deutsch-Italiener den freien Burgstaller bedienen, der nur noch einzuschieben brauchte (36.). Köln sichtlich geschockt von dem Rückstand musste noch zwei Mal zittern, bevor es in die Pause ging: Erst musste sich Timo Horn nach einem Distanzschuss langmachen (39.), dann traf Konoplyanka nur das Außennetz (41.)

Welche Ansprache Peter Stöger in der Pause auch immer wählte, sie fruchtete. Nach dem Seitenwechsel verzog erst Salih Özcan aus 16 Metern (47.), dann zappelte der Ball im Netz: Nach einem Freistoß von Milos Jojic drückte Sehrou Guirassy den Ball nach einer Kopfballverlängerung von Özcan den Ball über die Linie (50.). Zwar blieben die Schalker die aktivere und bessere Mannschaft, Köln setzte jedoch über Konter gefährliche Nadelstiche. So auch in der 60. Minute, als Osako Guirassy steil schickte, der Franzose Fährmann umkurvte, den Ball aus spitzem Winkel jedoch nicht mehr aufs Tor bringen konnte. Über weite Strecken der zweiten Hälfte verteidigte der Effzeh besser und ließ Königblau nur noch selten gefährlich vor das Kölner Tor kommen. Durch einen geschickten Doppelpass in der 73. Minute zwischen Embolo und Burgstaller hebelte S04 jedoch die gesamte Kölner Abwehr aus. Burgstaller fand in der Mitte Harit, der Bissecks schlechtes Stellungsspiel ausnutzte und zur erneuten Führung traf. Keine fünf Minuten nach dem wiederholten Rückschlag für den Effzeh stand wieder einmal der Videobeweis im Mittelpunkt: Nach einer Direktabnahme von Guirassy kam Stambouli mit dem Arm an den Ball. Nach Rücksprache mit dem Videoassistenten schaute sich Schiedsrichter Tobias Stieler die Situation noch einmal an und entschied auf Handelfmeter. Guirassy schnappte sich den Ball und verwandelte eiskalt zu seinem dritten Saisontor. In den Schlussminuten drängte Schalke auf den Ausgleich, der Effzeh konnte sich kaum noch aus der eigenen Hälfte befreien. Doch alles Anrennen von S04 half nichts, die größte Chance vergab Naldo per Kopf nach einer Ecke (90.) In der Nachspielzeit sah Yuya Osako nach einer mutmaßlichen Schwalbe im Strafraum noch die Gelb-Rote Karte und musste vorzeitig vom Feld. Zudem wurde Yann Aurel Bisseck unglücklich von Sörensen getroffen, sodass der Effzeh die letzten Minuten zu Neunt absolvieren musste. Köln kämpfte unermüdlich und sicherte sich am Ende den Punktgewinn.

Fazit

Zum Lachen: Der Videoschiedsrichter endlich mal auf Seiten der Geissböcke!

Zum Weinen: Der unnötige Platzverweis von Yuya Osako in der Nachspielzeit.

Mann des Tages: Ganz klar Sehrou Guirassy, der den Effzeh mit zwei Treffern vor einer erneuten Niederlage bewahrte.

Aufstellung

Horn – Olkowski, Sörensen, Meré (46. Bisseck), J. Horn, Rausch – Jojic (72. Clemens), Lehmann, Özcan – Osako (82. Handwerker), Guirassy

Tore

1:0 Burgstaller (36.), 1:1 Guirassy (50.), 2:1 Harit (73.), 2:2 Guirassy (78.)

7 Kommentare
  1. Robert H. says:

    Was das Thema Rausch betrifft – ich gehörte immer zu seinen Verteidigern. Nach dem Spiel heute verneige ich mich in Demut vor allen Hermanns, Wiegands und wasweißich – und nehme alles zurück, was ich gesagt habe.
    Ja defensiv normalerweise ordentlich (heute hatte er da nen schweren Stand) – aber wenn er den Ball hat kann man den Countdown von 5 starten, auf halbem Weg zur Mittellinie hat er den Ball hergeschenkt. Meistens ist bei „2“ Schluss. Hinter der Mittellinie gehts noch schneller. Da kann man nicht mal bis zwei zählen.
    Mal ehrlich, spielt der wirklich immer so? Wann kommt Hector zurück?
    Es gibt keine Konkurrenz mehr zu Horn. Der hat Rausch den Rang abgelaufen. Gebt ihm eine Pause.
    Macht die Planungen nicht einfacher.

    • Hermann says:

      Der spielt so gut wie immer so Robert. Mal mehr mal weniger, aber nie wirklich überzeugend. Er ist einer der Spieler denen Stöger immer wieder vertraut hat und nie wirklich dafür belohnt wurde. Er verteidigt den Raum mit 3-4 Metern Abstand zum Gegenspieler und lässt ihm so immer Zeit zum Abspielen oder Flanken. Im Prinzip verteidigt er Körper und Kontaktlos. Klünter verhält sich, zu meinem Leidwesen, dieses Jahr in solchen Situationen ebenso. Rauschs Kopfballduelle sind ein Witz. Jetzt muss man ihm bei seiner Körpergröße zugestehen, das er von Natur aus kein Kopfballmonster sein kann, aber nie versucht er das Kopfballduell zu gewinnen, sondern springt bestenfalls in den Mann. Das ist ein Alibi Spieler. Zum Glück hat den Freistoss vor dem 1:1 Jojic getreten und warum zum Geier hat er Rausch den vielversprechenden Freistoss aus 20 Metern schiessen lassen, den er in die Mauer semmelt!? Er scheint überhaupt kein Ballgefühl zu haben, denn seine Pässe und Flanken haben so gut wie nie die richtige schärfe oder länge. So bald er einen Gegner vor sich hat, schiesst er ihn bestenfalls an und der Ball springt ins Aus, im schlimmsten Fall hat die gegnerische Mannschaft sofort wieder den Ballbesitz. Da hilft es auch nicht das im Spiel mal 1-2 Pässe ankommen. Raumöffnend oder relevant für das Umschaltspiel sind diese aber nie. Beim 0:1 heute läuft ihm sein Gegenspieler Caligiuri davon, während Rausch nicht auf einer Linie mit dem Rest unserer Verteidigungslinie steht und somit ein mögliches Abseits aufhebt. Den Schritt raus macht er als es zu spät ist. Links war heute wieder mal das Einfallstor des Gegners. So wie es oft Rechts war wenn Klünter auf dem Platz stand. Bei Klünter bin ich bereit das als Rückschläge in der Entwicklungsphase zu sehen, bei Rausch habe ich aber schon lange die Geduld verloren.

  2. Robert H. says:

    Was die Jungs betrifft: guter, großartiger Kampf! Der Punkt war nicht selbstverständlich!
    Endlich mal ein VB für uns!
    Ein verdientes Ergebnis. Endlich mal! Das hatten wir uns schon das eine oder andere Mal voher verdient.
    Der erste Sieg wird auch irgendwann kommen.

  3. Michael H says:

    Also die erste Halbzeit fand ich nicht gerade beeindruckend. Nach hinten war man zwar nicht komplett offen, aber vorne lief praktisch nichts zusammen – nicht zuletzt, weil praktisch niemand mit herausrückte und Stöger anscheinend seinen Verteidigern und Mittelfeldspielern eingetrichtert hatte, sich ausschließlich im eigenen Drittel aufzuhalten.

    Spätestens nach dem Elfmeter war die zweite Halbzeit vernünftig und die Mannschaft hat eine knapp mittelmäßige Bundesligaleistung gezeigt. Nach den letzten Wochen und unter Berücksichtigung der Verletztenliste ist das erfreulich.

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