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Borussia-Boss mit Hommage an das Unwort des Jahres

Borussia Mönchengladbach hat am Mittwochabend ein Interview mit ihrem Geschäftsführer Stephan Schippers veröffentlicht und darin den 1. FC Köln scharf angegriffen. Allerdings lesen sich Teile des Gesprächs wie eine Hommage an die Gesellschaft der Deutschen Sprache. Diese hat gerade erst „Alternative Fakten“ zum Unwort des Jahres 2017 gekürt.

Köln – Es ist das Eine, wenn ein Vizepräsident in einer Fernsehsendung live aus der Emotion heraus sich zu bestimmen Äußerungen hinreißen lässt. Kein Klub weiß das besser als der 1. FC Köln mit Toni Schumacher im Vorstand. Insofern waren die Worte Rainer Bonhofs milde zu bewerten, der den Effzeh nach dem Fahnenklau im Derby am vergangenen Sonntag kritisiert hatte.

Was die Borussia am Mittwochabend dagegen auf der vereinseigenen Website veröffentlichte, war ein Interview der Medienabteilung mit dem Geschäftsführer der Borussia, Stephan Schippers. Keine Live-Situation, keine unbedachten Äußerungen aus der Emotion heraus, sondern ein kalkulierter Schachzug der Öffentlichkeitsarbeit. Schippers warf den Geissböcken in diesem Interview allerdings nicht nur Versagen in Sicherheitsfragen im Stadion vor. Diesen Vorwurf muss sich der Effzeh tatsächlich gefallen lassen. Der Borussen-Boss tätigte darüber hinaus Aussagen, die der GEISSBLOG.KOELN zu einem Faktencheck veranlasste.

Ordnerweste versus orangene Weste

Schippers-Aussage: „Jeder konnte sehen was passierte: Wie ein mit einer Ordnerweste gekleideter Mann unterstützt von weiteren Personen eine Fahne am Zaun des Gästeblocks abgerissen und sie dann quer über den Rasen hinüber zur Kölner Fankurve gebracht hat.“

Faktencheck: Zwei Details dieser Aussage sind nicht korrekt. Beteiligt waren insgesamt zwei Männer. Beide trugen orangene Westen, bei denen es sich aber nicht um offizielle Ordnerwesten handelte, sondern um handelsübliche Modelle, wie sie in Berufsbekleidungsgeschäften zu erwerben sind.

Frage des Interviewers: „Wie konnte es sein, dass ein Fan in den Besitz einer Ordnerweste gekommen ist?“

Faktencheck: Wie erwähnt, waren die Fans nicht in den Besitz von Ordnerwesten gelangt. Sie hatten diese Westen selbständig ins Stadion gebracht. Wie dies geschehen konnte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlung. Dass es sich nicht um Ordnerwesten handelte, zeigen die Bilder diverser Pressefotografen.

Die Mär der friedlichen Gladbach-Fans

Schippers-Aussage: „Zunächst einmal muss ich das Verhalten der Gladbach-Fans ausdrücklich loben. Trotz dieser für sie drastischen erneuten Provokation haben sie sich nicht dazu verleiten lassen, den Innenraum zu stürmen oder sich zu einer anderen Revanchehandlung hinreißen lassen.“

Faktencheck: Unmittelbar nach dem Fahnenklau kletterten rund zwanzig Fans von Borussia Mönchengladbach über den Zaun des Gästeblocks und betraten den Stadioninnenraum. Sie machten sie anschließend auf den Weg in Richtung Südkurve und wurden erst auf Höhe der Mittellinie vor der Osttribüne von Ordnern und Polizisten aufgehalten und zurückgedrängt. Videomaterial und Pressefotos belegen diesen Vorfall. Im Zuge dieser versuchten Revanchehandlung musste die Polizei Pfefferspray einsetzen, um die Gladbach-Fans wieder in ihre Kurve zu drängen. Dabei flüchtenden einige Anhänger über den Kölner Heimbereich der Nordkurve aus dem Innenraum und entkamen so dem Zugriff durch die Polizei. Darüber hinaus ist ein Polizei- und Ordnereinsatz während der zweiten Halbzeit – also nach dem Fahnenklau – verbrieft, durch den mehrere Fans von Borussia Mönchengladbach aufgehalten wurden, die versucht hatten, über die Osttribüne in den Bereich der Südkurve einzudringen.

Die vergessenen Ausschreitungen

Schippers-Aussage: „Ich kann an unsere Fans nur appellieren, sich auch diesmal nicht provozieren zu lassen.“

Faktencheck: In der jüngeren Vergangenheit sind mehrere Provokationen verbrieft, die von Gladbacher Fans ausgegangen waren. Einer der größten Skandale der jüngeren Geschichte ereignete sich im September 2014. Damals stürmten Anhänger der Borussia zwei Stunden vor dem Spiel in Köln die Jahnwiesen vor der FC-Südkurve und lösten so eine Massenschlägerei zwischen beiden Fanlagern aus. Beim Rückspiel der Kölner in Gladbach hielten die Borussia-Fans dann ein Banner mit der Telefonnummer des Krankenhauses in die Höhe, in das ein schwer verletzter FC-Anhänger eingeliefert worden war.

Wehrle kritisiert Schippers

Was sagt der Effzeh zu den Aussagen? FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle äußerte sich auf Nachfrage des GEISSBLOG.KOELN: „Nach meinen Erkenntnissen sind durchaus Gladbacher Fans von unseren Ordnern davon abgehalten worden, noch weiter in das Stadioninnere vorzudringen. Darüber hinaus halte ich wenig davon, öffentliche Schuldzuweisungen auszusprechen, ehe nicht alle Fakten bekannt sind. Dazu in die Vergangenheit zu blicken und alte Verfehlungen aufzuzählen, hilft nicht für die Zukunft.“

GBK-Fazit: Mitnichten hat sich die Kölner Ultra-Szene in den vergangenen Jahren besser verhalten als die Borussen-Szene. Dumme bis widerliche Aktionen gab es auf beiden Seiten alleine in den vergangenen zehn Jahren zuhauf. Auf Kölner Seite sei nur an den Bus-Angriff mit Ziegelsteinen oder die Platzsturm in Maleranzügen erinnert. Allerdings sprach Schippers nun davon, man müsse die Situation endlich beruhigen. Im gleichen Zug stachelte er jedoch die eigene Fan-Szene wissentlich mit Unwahrheiten auf. Aussagen, mit denen er nicht half in der Aufarbeitung des Geschehenen, nicht im Binnenverhältnis beider Klubs und erst recht nicht mit Blick auf das Verhältnis der beiden Fangruppen in der Zukunft.

3 Kommentare
  1. Stefan Schmitz
    Stefan Schmitz says:

    „Die Mär der friedlichen Gladbach-Fans“

    Nicht zu vergessen: Das unterirdische Parkhaus des Rheinenergie Stadions hat einen Wasserschaden weil unsere „friedliebenden Gäste“ in den Toiletten ihres Blocks randaliert haben.

  2. NICK
    NICK says:

    Jaja, die friedlichen Gladbacher, die nie etwas Schuld sind, auch nicht teilweise…auch wenn in deren Stadion Fluchttore zum Innenraum aufgehen, die man nachweislich nur vom Innenraum aus öffnen kann, bei denen man statt Abtasten am Einlass einfach durchgewunken wird und die sich dann wundern das Drinnen ein Haufen Pyro gezündet wird…auch provozieren sie nie an Bahnhöfen, sondern werden grundsätzlich heimtückisch angegriffen…und der Besuch vor der Südkurve ist auch nur durch ein fehlerhaftes Anreisesystem für Gästefans zustande gekommen, weil man die Parkpläte so interlligent angelegt hat, dass jeder Fan der mit dem Auto anreist genau an der Südkurve vorbei laufen muss…Auch ist es legitim, wenn sich 350 Leute vormittags am Derbyspieltag mit Bussen in die Kölner-Innenstadt fahren lassen um dort friedlich eine Tasse Tee zu sich zu nehmen – das nenne ich mal frei von jeglichem Provokationsgedanken…

    DERBYSIEGER, DERBYSIEGER – HEY, HEY…

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