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Derby-Historie: Von Risse über Wynhoff bis zum Rekordtrainer

Die Spiele zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach sind nicht nur geprägt von einer Jahrzehnte alten Rivalität, es gab in der Vergangenheit auch einige spektakuläre Aufeinandertreffen und Momente. Wenn es nach den Kölnern geht, darf es am Sonntag mal wieder einen Derby-Sieg sein. Denn davon gab es in den letzten Jahren nur wenige.

Köln – Rund zwei Jahre ist es her, und noch immer ist das Traumtor von Marcel Risse im Derby gegen Gladbach in den Köpfen der FC-Anhänger allgegenwärtig. Nicht nur, weil es ein besonders schönes Tor war oder weil es den 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit bedeutete. Siege gegen Gladbach waren in der Vergangenheit eine Seltenheit. Am Sonntag soll ein weiterer dazu kommen. Auch, um die Hoffnung auf den möglichen Klassenerhalt neu zu befeuern.

Bittere Derby-Bilanz

Ein Jahr vor Risses „Tor des Jahres“ gelang dem Effzeh ein weiterer Derby-Sieg. Anthony Modeste erzielte damals den entscheidenden Treffer vor der heimischen Südkurve. Ansonsten allerdings sieht die Bilanz der vergangenen zehn Aufeinandertreffen düster aus: sieben Niederlagen, dazu ein Unentschieden. Gäbe es in der Historie des Derbys nicht die erfolgreiche Zeit des Effzeh in der Oberliga West (1950 bis 1963), sähe die Gesamtbilanz der Geissböcke fast schon verheerend aus. Seit dem ersten Aufeinandertreffen am 10. September 1950 wurden insgesamt 121 Begegnungen offiziell verzeichnet: Oberliga, Bundesliga, Zweite Liga, DFB-Pokal, Westdeutscher Pokal und UEFA-Pokal. 57 Mal gewann die Borussia, 42 Mal der FC. In der Bundesliga konnte Gladbach gar über die Hälfte aller Begegnungen (48 von 87) für sich entscheiden.

Kein Wunder, dass es in den letzten 68 Jahren einige denkwürdige Derbys gab, an das beide Seiten gerne zurückdenken. Zu den spektakulärsten Duellen gehört zweifelsfrei das torreichste Unentschieden in der Derby-Geschichte vom 20. Oktober 1979. Am Ende stand in Müngersdorf ein 4:4 auf der Anzeigetagel. Damals führte der FC nach der ersten Halbzeit mit 3:0. Doch innerhalb von nur 13 Minuten stellte die Borussia die Partie auf den Kopf, ging 4:3 in Führung. Dieter Müller rettete den FC und besorgte den späten Ausgleich. Es blieb das bis heute einzige Spiel, in dem die Fohlen nach einem Drei-Tore-Rückstand noch punkten konnten.

Hennes Weisweiler erlebte 41 Derby als Trainer

Bemerkenswert war auch ein Fernduell, das sich Köln und Gladbach lieferten: In der Spielzeit 1977/78 – Hennes Weisweiler war nach seiner erfolgreichen Zeit in Gladbach und einem weniger erfolgreichen Intermezzo in Barcelona in die Domstadt zurückgekehrt – kam es zum großen Showdown zwischen beiden Klubs um die Meisterschaft. Bis zum letzten Spieltag lagen Gladbach und Köln in der Tabelle gleichauf. Der FC hatte das deutlich bessere Torverhältnis. Doch beinahe hätte dies nicht ausgereicht, um Meister zu werden. Gladbach gewann mit 12:0 gegen Borussia Dortmund und machte einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft. Hätte der Effzeh nicht mit 5:0 gegen den FC St. Pauli gewonnen, wären die Borussen im Saisonfinale noch am rheinischen Rivalen vorbeigezogen. So gewannen die Geissböcke das bis heute einzige Double in der Vereinsgeschichte.

Überhaupt hat niemand das Derby so geprägt wie Hennes Weisweiler. An 41 Derbys war der einstige Spielertrainer und Meistercoach beider Teams beteiligt. Für Köln holte er sechs Siege in 14 Spielen (vier Unentschieden, vier Niederlagen). Die Borussia betreute er ganze 27 Mal: 16 Siege, fünf Unentschieden, sechs Pleiten. Das Gründungsmitglied der Geissböcke sah als Gladbach-Coach immer besonderen Ansporn darin, seinen Ex-Klub zu ärgern. Er trug als Coach sogar dazu bei, dass die Borussia die längste Siegesserie in der Derby-Historie hinlegte: Zwischen 1966 und 1970 gab es acht Erfolge hintereinander für die Fohlen.

Prägende Figuren und besondere Torschützen

Und dann gab es natürlich noch die besonderen Figuren eines Derbys. Peter Wynhoff beispielsweise, ein echter Derbyschreck für die Geissböcke, der in den 90er Jahren insbesondere gegen Köln fast immer zu treffen schien. Toni Polster auf der anderen Seite traf mit seinem Hinterteil zu einem 3:2-Sieg, der allerdings ausgerechnet in der Rückrunde der Saison 97/98 zum ersten Abstieg der Kölner aus der Bundesliga führte. 13 Jahre später bekam der FC die Chance die Fohlen in die Zweite Liga zu schießen. Am 29. Spieltag hätte ein Sieg über Gladbach den fast sicheren Abstieg des Rivalen bedeutet. Stattdessen ging Köln in Gladbach mit 1:5 unter und die Borussia rettete sich am Ende der Saison über die Relegation.

In Erinnerung geblieben sind auch Kuriositäten. Der Mannschaftsbus der Gladbacher beispielsweise, der samt Ausrüstung von dem Hotelparkplatz verschwand. Das war im Jahr 1971, und die Borussen mussten sich kurzfristig Ersatzschuhe und -Trikots organisieren. Köln gewann. Oder zwei Jahre später, als sich im DFB-Pokalfinale 1973 Günter Netzer in der Verlängerung selbst einwechselte und den 2:1-Siegtreffer erzielte. Sein Tor wurde in der ARD-Sportschau zum „Tor des Monats“ gewählt. Diese Ehre mit einem Derby-Tor wurde sonst nur noch Thomas Häßler im Oktober 1987 und Lukas Podolski im Januar 2004 – bis Marcel Risse zu seinem Freistoß anlief.

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