,

„Grenzüberschreitung“: FC-Fans gestehen Fehler ein

Die Probleme zwischen den Fans und den Verantwortlichen des 1. FC Köln schwelen seit Monaten immer weiter an. Nun hat sich der Südkurve 1. FC Köln e.V. zum Verhältnis zu den FC-Bossen und vor allem zu den Vorfällen während des Europa-League-Spiels bei Roter Stern Belgrad geäußert.

Köln – Am 18. Januar waren sie zusammengekommen, viele Fans des 1. FC Köln zu einem Südkurvenstammtisch. Es war das erste Treffen im Jahr 2018, und die Kölner Anhänger diskutierten die Vorfälle des vergangenen Jahres. Generell, erklärten die Anwesenden nun in einem Schreiben, habe sich das Verhältnis zu den Vereinsfunktionären „seit Anfang 2017 immer weiter verschlechtert“. Dazu werde man sich in den kommenden Wochen noch einmal gesondert äußern.

Als Grenzüberschreitung bewertet

Vor allem aber standen die Vorfälle im Mittelpunkt der Diskussion, die für einen Skandal in Belgrad gesorgt hatten. Aus dem Kölner Gästeblock hatten FC-Fans diverse Böller und Leuchtspuren abgefeuert. Mit einer Rakete trafen sie beinahe ein Einlaufkind und einen Kölner Spieler. Darüber hinaus feuerten sie mehrere Geschosse in andere Zuschauerbereiche und auf Ordner ab. Sie rissen Sitzschalen aus den Verankerungen und sorgten für einen beschämenden Abend für den 1. FC Köln. Die Strafe der UEFA steht noch aus.

Wie die Vertreter des Südkurven-Vereins nun mitteilten, hätten diverse Anwesende die Vorfälle in Belgrad kritisiert. Es hieß: „Es wurden von den Vertretern des Südkurve 1. FC Köln e.V. Zugeständnisse gemacht. In diesem Zusammenhang wurde der Einsatz von Böller und Leuchtspuren, insbesondere auf die eigenen Spieler, selbstkritisch erwähnt und als Grenzüberschreitung bewertet.“ Worin diese Zugeständnisse bestanden, wurde nicht bekannt. Darüber hinaus wurde lediglich zurückhaltend erwähnt, dass „die Einhaltung des Verbundbriefs durch die uns angeschlossenen Gruppen und Fanclubs weiterhin der Anspruch“ sein werde.

Verantwortung nicht gerecht geworden

Dem Vernehmen nach waren sich die Anwesenden in diesem Thema nicht einig. Man einigte sich lediglich darauf, sich vor allem „auf das Einfangen einzelner Leute“ konzentrieren zu wollen, „um gewisse Zustände auch weiterhin kanalisieren zu können“. Die Vertreter des Südkurve 1. FC Köln e. V. betonten, „sich ihrer Verantwortung in dieser Hinsicht durchaus bewusst“ zu sein. Sie räumten ein, „dieser Verantwortung in Belgrad nicht gerecht geworden zu sein“. Man sei bemüht darum zu kämpfen, dass es nicht zu einer „Spaltung der Kurve“ kommen werde.

7 Kommentare
  1. NICK says:

    Für alle die nicht in Belgrad waren, das wird im Artikel nicht so deutlich, es flogen ebenso Sitzschalen und Feuerwerkskörper in den Gästeblock. Die Erstprovokation ging davon aus, dass ein Belgrader die Boyz-Fahne abreißen wollte. Daraufhin flog der erste Böller in den Nebenblock. Als Anwort kamen die ersten Böller und Sitzschalen in unsere Richtung geflogen…so gings dann weiter hin und her. Wobei ich sagen würde, dass auf uns Kölner wesentlich mehr geschossen wurde, als umgekehrt – wir hatten ja sogar Goldregen-Raketen die drei Meter über unsern Köpfen hochgingen…

    Ich fand das alles nicht gut. Ich fands wie viele andere auch vor allem UNVERSCHÄMT. Schon vor Spielbeginn war uns allen klar, egal wie das Spiel ausgeht – wegen den paar Idioten, fahren wir jetzt nicht zum nächsten Europaauswärtsspiel. Ich konnte den so frühen Pyroeinsatz leider gar nicht verstehen, hätten sie es am Ende gemacht, wenn wir keine Chance aufs Weiterkommen gehabt hätten, wärs für mich ok gewesen – also reiner Pyroeinsatz, ohne Werfen auf andere Fans…aber so verbaute man 7000 Leuten, die alle soweit angereist waren und die wohl lieber auf Pyro verzichtet hätten und dafür zum nächsten Auswärtspiel gefahren wären, den Traum von weiteren Europapokal-Auswärtsspielen…Das war wirklich ein Pyroeinsatz zur reinen Selbstdarstellung, ohne Rücksicht auf den Großteil der anderen Fans die sich ja dann auch deutlich mit „Scheiß Wilde Horde“ gemeldet haben und ihre eigenen Lieder angestimmt haben. Der so wichtige Support der Mannschaft in dem Hexenkessel war so schnell dahin…leider…

    PS: „Scheiß Wilde Horde“ müsste eigentlich „Scheiß Pyrozünder/Werfer“ in dem Falle heißen. „Wilde Horde“ wurde hier wohl als Begriff für die Pyrozünder, die ja aus verschiedenen Gruppen kamen verallgemeinert.

  2. Karl Heinz Lenz says:

    Im „effzeh.com“ steht ein ähnlicher Artikel im Netz, dort mit der Überschrift „Südkurve e. V. räumt Versäumnisse in Belgrad ein“.
    Mir stieß an dieser Stelle beim Lesen das von der Südkurve e. V. tatsächlich in ihrer Erklärung verwendete Verb „einräumen“ auf, dass auch im aktuellen Geissblog-Artikel wiederkehrt.
    Ich sage es hier in unserem Forum nochmal: In der normalen Sprache, die wir miteinander reden, sagen wir: „Ich gebe es zu! Es ist meine Schuld!“.
    Im Politikerslang oder im Slang der Wirtschaftsbosse oder im Slang von Winkeladvokaten vor Gericht heißt es: „Wir räumen es ein!“. Das Verb „einräumen“ bedeutet, dass ich es zwar nicht zugebe, aber damit du mich endlich mit deinem blöden Gelaber in Ruhe läßt, meinetwegen: Ich räume ein. Oder: Wir räumen ein.
    Wer etwas einräumt, der gibt seine eigene Schuld nicht zu, sondern tut mit seinem vornehmen Getue nur so als ob.

    • NICK says:

      Da hast Du recht. Ich war früher auch mal auf den Südkurven-Stammtischen. Die Meinung und die Ergebnisse stehen da aber, meiner Meinung nach, vorher schon fest – da kann man diskutieren wie man will. Das Wort „einräumen“ trifft es da sehr gut.

      „Wir räumen es ein“ = Schulter zucken – „Ja es war so, man kann es nicht mehr ändern.“ Konsequenzem untereinander gibt es keine. Diskussion beendet.

    • Phey says:

      Naja..
      (Etwas) einräumen wird mit „bekennen“ und „eingestehen“ übersetzt. Nur weil Du diesen Begriff in Deinem Sprachgebrauch nicht nutzt und Deine Wortwahl als „normal“ definierst, wird deine Aussage („..bedeutet dass ich es nicht zugebe..“) nicht richtiger.

      • Karl Heinz Lenz says:

        Achte in Zukunft mal drauf, wie das Verb „einräumen“ verwendet wird. Meistens so:

        „Wir räumen ein, dass Fehler passiert sind, aber …“ oder „Ich räume ein, dass Versäumnisse geschehen sind, aber …“.
        Erstens wird meistens nicht gesagt, um welche „Fehler“ oder „Versäumnisse“ es sich handelt. Es bleibt ganz allgemein und wird nicht konkret. Und damit wird nichts wirklich zugegeben. Wer so spricht, tut meistens nur so, als sei er selbstkritisch, will aber konkretes Fehlverhalten nicht benennen und damit auch nicht zugeben.
        Zweitens ist dann das „aber …“ wichtig. Der Sprecher tut zuerst so, als ob er selbstkritisch ist – bleibt dabei aber ganz unkonkret – und schiebt dann hinter dem „aber …“ einen Satz hinterher, aus dem hervorgeht, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Meinetwegen so:
        „Wir räumen ein, dass Fehler passiert sind, aber die uns gemachten Vorwürfe sind weit übertrieben und berücksichtigen nicht, dass …“

        Beim Zeitunglesen und beim Nachrichtengucken begegnen dir solche „Wir räumen ein“-Sätze dauernd. Zugeben muss ich allerdings, dass ich den ganzen Text, den der Südkurven e.V. herausgegeben hat, jetzt nicht mehr nachgelesen habe. Vielleicht haben die Jungs es ja besser gemacht …

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar