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Stöger kehrt als „Trainer des Jahres“ nach Köln zurück

Die Bilanz ist verrückt: Seit Peter Stöger nicht mehr Trainer des 1. FC Köln ist, haben die Geissböcke zehn Punkte gesammelt. Seit der Österreicher bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht, hat der BVB neun Punkte gesammelt. Für seinen Erfolg beim Effzeh wurde er nun aber noch ausgezeichnet.

Köln/Wien – In Österreich ist Peter Stöger am Montagabend zum „Trainer des Jahres 2017“ gewählt worden. Im Vorjahr hatte sich der 51-Jährige noch Ralph Hasenhüttl geschlagen geben müssen. Nun setzte sich Stöger durch und gewann vor Franco Foda und Goran Djuricin. Klar, dass in dieser Bewertung der Einzug in die Europa League mit dem 1. FC Köln die entscheidende Rolle gespielt hatte.

Das hätte ich nie und nimmer geglaubt

„Das hätte ich nie und nimmer geglaubt“, sagte der Ex-Coach des Effzeh, der für die Verleihung extra nach Wien geflogen war. Er habe es nicht erwartet, weil 2017 für ihn ein Jahr gewesen sei, „das dir normal nicht passiert“. Erst war er für den größten Erfolg in der Kölner Vereinsgeschichte seit 25 Jahren verantwortlich, dann für die schlechteste Hinrunde einer Kölner Mannschaft in der 70-jährigen Historie. Trotz des Absturzes hatte ihn kurz vor Weihnachten Borussia Dortmund verpflichtet, ein bemerkenswerter Aufstieg für Stöger.

Trainer des Jahres in Österreich war Stöger schon einmal nach der Meistersaison mit Austria Wien. Dieser Titel hatte ihn schließlich nach Köln gebracht. „Aber diesmal ist es gefühlt noch einen Hauch schöner“, gab Stöger zu. Am Dienstagmorgen flog der neue BVB-Coach zurück in den Ruhrpott. Er muss seine Mannschaft auf das nächste Spiel vorbereiten. Und das bringt Stöger bekanntlich zurück an den Ort seines größten Erfolgs – ins RheinEnergiestadion.

Stöger mit Dortmund noch ungeschlagen

Mit drei Unentschieden ist der BVB gänzlich schwach in die Rückrunde gestartet. Verloren hat Dortmund unter dem Österreicher in der Bundesliga aber bislang noch nicht. Zwei Siege und drei Remis stehen bislang zu Buche. Lediglich im DFB-Pokal kassierte Schwarz-Gelb beim FC Bayern eine Niederlage. Zuletzt brachte der SC Freiburg Dortmund an den Rande der Pleite, ehe Jeremy Toljan in der 93. Minute den 2:2-Ausgleich erzielte. Der 1. FC Köln will dagegen am Freitagabend seinen Heimvorteil nutzen und seinem Ex-Coach die erste Niederlage in der Liga beibringen.

7 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz
    Karl Heinz Lenz says:

    Es stögert heftig in den ersten Wochen des neuen Jahres. Die Medien versorgen uns mit wichtigen Nachrichten aus dem Leben des Helden, natürlich immer mit großen Überschriften und farbigen Bildern. Eine Auswahl: Beim Skilaufen in den Alpen lächelt er uns gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin an. Auf der Hüttengaudi am Kölner Südstadion ist ganz prominent dabei. Heute erscheint ein großes Bild von ihm mit der Nachricht, dass er seinen Nachfolger beim FC nicht telefonisch zurückgerufen hat. Erschütternd. Und jetzt die Meldung von der Ernennung des Betreffenden als „Trainer des Jahres“. All diese Nachrichten aus 2018 vermelden die Medien nicht unter der Rubrik „Borussia Dortmund“, der Betreffende arbeitet nämlich dort seit Ende 2017, sondern unter der Rubrik der Nachrichten über den „1. FC Köln“. Es kommt einem so vor, als ob der Betreffende als erster Trainer des Profifußballs es schafft, zur gleichen Zeit zwei Erstligamannschaften zu betreuen. Die Verehrer des Betreffenden haben ihrem Helden das vermutlich immer schon zu zugetraut, der Rest kann nur staunen.

    Und nun seine Ernennung zum „Trainer des Jahres“. Ist das nicht zu wenig? Sollte es nicht besser heißen „Trainer des Jahrhunderts“? Denn welcher Trainer hat es in der Geschichte des modernen europäischen Profifußballs bisher geschafft, in einem funktionierenden und finanziell stabilen, großen Verein über 14 Spieltage eine Mannschaft zu führen, die dann drei Punkte auf dem Konto hat? Eine Antwort darauf zu finden, ist eine Aufgabe für Fußballhistoriker.

    Und welcher Trainer hat es bisher geschafft, den Verein, den er in rekordverdächtiger Weise an den Rand des Abgrunds geführt hat und der ihm trotzdem die ganze Zeit den Rücken stärkte, vor seinem letzten Spiel vor großem Publikum zu beschimpfen mit der Behauptung, der Verein würde ihn in einer Weise behandeln, bei der „wichtige menschliche Werte“ mit Füßen getreten werden?

    Und welcher Trainer hat es bisher unterlassen, in einer angemessenen Weise gegenüber der Öffentlichkeit klarzustellen, dass er als Coach für den Misserfolg-Rekord seiner Mannschaft mitverantwortlich oder sogar hauptverantwortlich ist? Und somit der unwahren Behauptung Futter gegeben hat, der Vereins-Vorstand sei verantwortlich für den erfolglosen Bauernfußball, den er seine Mannschaft hat spielen lassen? Und es damit ermöglicht hat, dass in der Öffentlichkeit eine Welle von Spott und Häme über den 1. FC Köln niedergegangen ist?

    Ich kann mich nicht erinnern, dass es ein Trainer geschafft hat, in kurzer Zeit in dieser Art und Weise in seinem sportlichen und sozialen Verhalten hervorzuragen. Deshalb bin ich ganz entschieden dafür, dass der Betreffende mit dem Titel „Trainer des Jahrhunderts“ ausgezeichnet wird.

    • Detlef Lodenkämper
      Detlef Lodenkämper says:

      Lieber Herr Lenz, alles richtig und stellenweise auch witzig, was Sie schreiben. Aber bitte nicht vergessen: Dass Herr Stöger den Karren so lange an die Wand fahren durfte, fällt in den Verantwortungsbereich des Vorstandes und von Herrn Wehrle, die es versäumt haben, die Lücke, die Jörg Schmadtke hinterlassen hatte, schnellstens wieder zu schließen. Der Effzeh war im sportlichen Bereich viele viele Wochen lang handlungsunfähig. Wollen wir hoffen, dass die Mannschaft das noch hinbiegt. Wenn nicht, haben wir es den genannten Herren zu verdanken, dass wir in die 2. Liga absteigen.

      • Huey L.
        Huey L. says:

        Herr Lodenkämper, da machen Sie es sich meiner Meinung nach aber recht einfach. Wie sie wissen gab es durchaus Forderungen und Überlegungen,mit Peter Stöger in die 2. Liga zu gehen. Ein Großteil der Fans hätte dies wahrscheinlich mitgetragen und gutgeheißen. In einer solchen Situation den äußerst beliebten und zuvor 4 Jahre lang erfolgreichen Trainer zu entlassen, hätte wahrscheinlich ein kleines Beben rund ums Geißbockheim ausgelöst. Im Nachhinein zu sagen, der Vorstand hätte schneller handeln müssen, nachdem mit Jörg Schmadke schon eine für ihn tragende Säule weggebrochen war? Ich glaube, das hätte der Verein weder von außen noch von innen verkraftet. Das einzige, was man dem Vorstand vorwerfen kann, ist, dass er etwas naiv und blauäugig die Herren Stöger und vor allem Schmadke frei und unkontrolliert schalten und walten ließ. Dieser Fehler wurde aber inzwischen eingesehen, Besserung wurde gelobt und eine zweite Chance hat jeder verdient. Und nochmal, der Vorstand ist auch weiterhin weder für Trainingssteuerung, Torabschlüsse, Verletzungen bei Spielern, Heim-
        und Auswärtserfolge, Videobeweise… zuständig, so dass man ihn -auch im Fall des Abstiegs-
        nicht für alles verantwortlich machen kann. Drücken wir lieber alle unserem FC die Daumen, dass es nicht zum Abstieg kommt, statt mit Schuldzuweisungen die Einheit zu stören, die unser Verein jetzt mehr denn je braucht!

    • LOCUTUS
      LOCUTUS says:

      Auf den Punkt, Herr Lenz, trotz oder gerade wegen der schönen Ironie :)
      Ich selbst kann den österreichischen Totengräber kaum noch in den Medien ertragen, obwohl (oder wahrscheinlich genau weil) ich selbst ein sehr grosser Fan von ihm war.
      Spätestens als ich ihn wenige Wochen nach seiner Ablösung mit schwarz-gelb-designter Brille an der Seitenlinie seines neuen Herzensclubs (nachdem er sich bei seinem „alten“ mit unfassbarem Vertauensbruchgeschwafel die Entlassung und damit die Abfindung gesichert hat) gesehen habe, habe ich mich geschämt, jemals begeistert an seinen Lippen gehangen zu haben.. Asche über mein Haupt.
      Ich habe mich tatsächlich blenden lassen.
      Nichtsdestotrotz danke ich ihm für seinen Anteil an meinen schönen Fahrten nach London u Belgrad.
      Nun muss aber gut sein.
      Lieber Peter, wie ich hörte soll man in Dortmund auch toll leben können, und außerdem sollen die Mieten nicht so hoch wie hier in Köln sein ;)
      Maach et joot

  2. OlliW
    OlliW says:

    „Trainer des Jahres“ ist natürlich angesichts der Ereignisse seit Sommer ein Scherz. Aber egal, es sei ihm gegönnt. Was Stöger und dem BVB hingegen nicht gegönnt sei, ist auch nur ein Punkt am Freitagabend! Es wäre aus mehrerlei Hinsicht extrem super, wenn der FC gewönne, oder zumindest nicht verliert. Und ich halt es für möglich!
    Erstens wird jeder Punkt gebraucht, zweitens ist Dortmund durchaus schlagbar, wie zuletzt gesehen. Drittens wäre es tragisch, wenn ausgerechtet der Ex-Trainer den FC zuhause „vorführen“ würde, dass er es jetzt besser macht (was er gar nicht tut!). Viertens steht die Mannschaft ganz anders da als noch unter Stöger. Sie traut sich was zu, hat den Kampf angenommen, ist unangenehm und kann Teams mit Europa-Anspruch wehtun. Fünftens ist Dortmund alles andere als stabil. Für sie wird es bei den stärkeren Leverkusenern, Schalkern und teils sogar Frankfurtern und Gladbachern um einen EU-Platz gehen. CL sehe ich nicht dieses Jahr. Aber egal. Es geht um den FC und der hat nur beim letzten Mal gegen Dortmund schlecht ausgesehen. Das waren aber andere Zeiten.

    • Robert H.
      Robert H. says:

      Na klar, wir sind am Freitag der haushohe Favorit. Aber wir sollten die Dortmunder nicht unterschätzen ;-)
      Den ersten der fünf Punkte von OlliW kann ich noch unterschreiben. Es stimmt, dass wir jeden Punkt brauchen. Aber zu glauben, dass wir angeblich taumelnde, instabile, „durchaus schlagbare“ Dortmunder einfach wegputzen, zumal sie jetzt den „Untrainer des Jahrhunderts“ haben, kommt mir ziemlich hochmütig vor.
      Ein Punkt wäre schön, ein Sieg überraschend. Eine Niederlage ist durchaus einzukalkulieren. Die täte aber um so mehr weh, wenn man den Fehler macht, das Spiel zu einem „der FC gegen Stöger, dem wir mal zeigen wollen wo der Hase im Pfeffer liegt“ hochzustilisieren.

  3. Ali Perez
    Ali Perez says:

    Amüsanter Kommentar Herr Lenz!
    Wenn Österreichs Trainer des Jahres am Freitag verlieren bzw. wieder nicht überzeugen sollte, dürfte in Dortmund die nächste Trainerdebatte losgehen. Eine Wende hat Stöger beim BVB bis jetzt nicht einleiten können. Er kann ganz offensichtlich einer verunsicherten Mannschaft nicht helfen. Mal ganz abgesehen von seinen limitierten taktischen Fähigkeiten. Und wenn Ruthenbeck bei uns so weiter macht, müssen wir uns am Ende noch bei Schmadtke entschuldigen, weil mit seinem Kader doch mehr möglich war. Ich hoffe, dass die Mannschaft am Freitag Stöger beerdigt und damit dem letzten Verwirrten hoffentlich klar wird, dass es absolut pathetischer Stuss war, mit Stöger in die 2. Liga gehen zu wollen.

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