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Kommentar: Vehs Aufstellungs-Seitenhieb – Viel Lärm um nichts

“Er stellt zwar nie die Mannschaft auf, die ich aufstellen würde”, antwortete Armin Veh, sportlicher Geschäftsführer des 1. FC Köln, bei der Pressekonferenz am Freitagmittag auf die Frage, wie denn der Austausch mit Trainer Stefan Ruthenbeck funktioniere. Lachend blickte er in die Runde und fügte noch hinzu:  “Ansonsten tauschen wir uns gut aus. Aber vielleicht kommt es ja mal so, dass wir uns da einig sind.”

Köln –  Es waren Sätze, die durchaus für Verwunderung sorgten. Denn Vehs Aussage, Ruthenbeck stelle immer anders auf, als er es als langjährige Trainer tun würde, kann durchaus als Seitenhieb gegen den FC-Coach gewertet werden. Und so wird es in verschiedenen Kölner Medien auch dargestellt.

Gerechtfertigte Kritik?

Das ist nicht nur einfach, sondern auch durchaus nachvollziehbar. Immerhin musste sich Ruthenbeck zuletzt durchaus Kritik an seinen taktischen und personellen Ideen gefallen lassen. Beim schwachen Auftritt in Frankfurt setzte der Trainer beispielsweise gleich auf vier gelernte zentrale Mittelfeldspieler von Beginn an  – was gründlich schief ging. Zudem verzichtete der FC-Coach in den letzten Wochen auf einen Startelfeinsatz des Winter-Neuzugangs Vincent Koziello – den Armin Veh als seinen Wunschspieler eigens in die Domstadt geholt hatte.

Auch die Personalie Jhon Córdoba ist durchaus ein Streitfall gewesen. Gegen Frankfurt schickte Ruthenbeck den Kolumbianer von Beginn aufs Feld. Der 24-Jährige zeigte eine durchwachsene Leistung. Veh selbst zeigte sich zuletzt öffentlich über die Sprachprobleme Córdobas verwundert, als er mit ihm über die Nichtnominierung für den Kader gegen Hannover sprach. Nicht zu übersehen also, dass der Geschäftsführer kein Fan des Angreifers ist.

Entscheidend ist, wie der Trainer aufstellt

Doch Armin Veh fügte auf der Pressekonferenz noch einige Sätze hinzu, die seine flapsige Äußerung Richtung Ruthenbeck doch stark relativierten: “Ich weiß ja, wie ein Trainer tickt. Ich habe das selbst ein paar Jahre lang gemacht”, sagte er und fügte hinzu: “Aber entscheidend ist, wie der Trainer aufstellt und was er für Gedanken hat. Er trainiert die ganze Woche mit der Mannschaft. Ich sehe das ja nicht die ganze Woche. Dementsprechend stellt er die Mannschaft auf, bei der er denkt, dass er mit ihr gewinnen kann.”

Den Seitenhieb, den man bei Vehs anfänglichen Sätzen noch durchaus heraushören konnte, nahm der Geschäfsführer Sport somit gleich selbst wieder zurück. Er wandte sich an Ruthenbeck und sagte: “So gehen wir miteinander um. Oder siehst du das anders?”, fragte er. “Ich sehe es genauso”, antwortete Ruthenbeck.

Manchmal eine andere Denkweise

Noch einmal auf seine Äußerung angesprochen, sagte Veh: “Ich bin eher derjenige, der es so sieht wie der Zuschauer oder der Fan. Das ist einfacher, wenn du die Eindrücke nicht immer alle hast. Es war so, dass ich jedes Mal ein bisschen anders aufgestellt hätte, wenn wir mal drüber geredet haben. Aber wir sprechen jetzt nicht jede Woche über die Aufstellung. Er hat Gedanken, die ich auch immer nachvollziehen kann. Das ist manchmal eine andere Denkweise als ich habe, aber ich kann in meinem hohen Alter anscheinend immer noch etwas lernen”, fügte er schmunzelnd hinzu.

Letztlich lässt sich festhalten, dass Armin Veh sich mit seiner Äußerung keinen Gefallen hat. Denn zu Recht lässt sich seine scherzhaft gemeinte Aussage in Richtung Ruthenbeck als Kritik am Trainer verstehen. Doch der sportliche Geschäftsführer erkannte seinen Fehler schnell und ruderte noch während der Pressekonferenz deutlich zurück. So bleibt am Ende ein ehemaliger Trainer, der selbst nicht mehr so nah an der Mannschaft ist wie früher, mit seinen Eindrücken von außerhalb aber anders aufgestellt hätte, als es der Trainer getan hat. Keine große Überraschung. Überraschender war vielmehr, dass sich ein erfahrener Mann wie Veh mit solch einer Aussage selbst aufs Glatteis begibt.

3 Kommentare
  1. Paul Paul says:

    Armin Veh hat vollkommen recht. Es ist manchmal unbegreiflich, was sich Ruthenbeck denkt, wenn er aufstellt oder einwechselt. Ihn zu beschäftigen war der letzte Fehler in einer grandiosen Fehlerkette seit dem Sieg gegen Mainz. Vorstand raus!

  2. Franz-Josef Pesch says:

    Auch mir waren ( sind) einige Entscheidungen von Ruthenbeck unverständlich. Wir haben große Defizite in der Abwehr, die in jedem Spiel zu entscheidenden Toren geführt haben. Ich denke das in der neuen Saison, (wahrscheinlich in der 2. Liga) ein neuer Trainer an der Linie steht, sonst wird es mit dem Wiederaufstieg
    nichts werden.

  3. Huey L. says:

    Sehe ich nicht so. Hätte man Ruthenbeck früher die Verantwortung übergeben, stünden wir wahrscheinlich deutlich besser da, vergleicht man mal den Punkteschnitt den wir mir Ruthenbeck geholt haben mit dem von Stöger (gerne auch aus der Anfangszeit der Saison, als es die Dreifachbelastung und vielen Verletzten noch nicht gab). Außerdem hat Ruthenbeck es geschafft, wieder Feuer und Leidenschaft in der Mannschaft zu entfachen. Bei vielen Spielen (natürlich nicht bei allen) machte es deutlich mehr Spaß dem Spiel unserer Mannschaft zuzusehen, als es vorher noch der Fall war. Die Mannschaft spielte teilweise mit einer Intensität/Leidenschaft, die sich direkt auf die Ränge übertrug. Natürlich waren nicht alle Personalentscheidungen glücklich oder gar erfolgreich, waren die das immer unter Stöger? Entscheidungen im Nachhinein zu beurteilen, ist immer einfach und kein großes Kunststück, da weiß man ja schließlich wie alles gelaufen ist… .

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