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Hat der Effzeh verlernt, die Balance zu bewahren?

Peter Stöger probierte es in der Hinrunde, doch der Defensivspezialist bekam das eigene Tor beim 1. FC Köln nicht dicht. Unter Stefan Ruthenbeck funktioniert die Offensive zwar wenigstens wieder mitunter hervorragend. Doch noch immer ist die Abwehr das große Problem.

Köln – Ein Blick auf die Rückrundentabelle verrät das große Drama beim 1. FC Köln. Nach acht Spielen steht der FC zwar mit elf Punkten auf Rang neun. Würde die Hinrunde mit mickrigen sechs Punkten nicht so schwer auf der Mannschaft liegen, bestünde noch eine berechtigte Hoffnung auf den Klassenerhalt. Doch auch in der Rückrunde wurde das größte Problem des FC nicht behoben.

Zweibeste Offensive – zweitschlechteste Defensive

Mit 14 erzielten Toren stellt Köln zwar die zweitbeste Offensive der Rückrunde. Mit 14 kassierten Gegentoren stellen die Geissböcke gleichfalls aber auch die zweitschlechteste Defensive. Vorne hui, hinten pfui – oder anders ausgedrückt: wie gewonnen, so zerronnen. Immer wieder in der Rückrunde machten sich die Kölner ihre Offensivstärke gleich wieder zunichte, indem man sich einfache Gegentore fing.

Sind es nur die individuellen Fehler wie gegen Stuttgart, die zu einer derartigen Gegentorflut in dieser Saison geführt haben? Fast zwei Gegentore im Schnitt pro Spiel (46 Gegentore in 25 Spielen) bedeuten die Bilanz eines Absteigers. Dabei hat sich die Defensive personell in den letzten zweieinhalb Jahren kaum verändert. In den letzten Jahren war das Team immer wieder in der Lage, zur Not mal ein 0:0 einzustreuen, wenn gar nichts sonst zusammenlief. Nun aber traf Stefan Ruthenbeck am Donnerstag eine überraschende Aussage: „Wir wollen gar nicht nur aus tiefem Stehen und Kontern kommen, dafür haben wir gar nicht die Typen.“

Kein Respekt mehr vor der FC-Defensive

Nicht die Typen? Dabei hat sich die Defensive personell kaum verändert. Haben die Spieler also das Verteidigen verlernt? Unter Stöger schien die Mannschaft fast jederzeit in der Lage, ohne Gegentor zu bleiben. Das lag vor allem an der Disziplin, mit der die FC-Profis ihre Defensivaufgaben erledigten. Es schien ihnen diebische Freude zu bereiten, das Spiel der gegnerischen Mannschaft zu zerstören. Das Offensivspiel litt zwar häufig darunter, es brauchte bekanntermaßen die Qualität eines Anthony Modeste, um offensiv gefährlich zu bleiben. Doch fast allen Bundesligisten graute es davor, gegen den FC anzutreten, weil der Abwehrverbund kaum zu knacken war. Das ist inzwischen gänzlich anders, das Kölner Gehäuse gleicht einem Scheunentor.

Seit dieser Saison scheint das letzte Quäntchen Lust an aufopferungsvoller Defensivarbeit vielen Spielern abhanden gekommen zu sein. Dazu gesellten sich vormals unvorstellbare individuelle Aussetzer und Patzer. So geriet das Kölner Spiel aus dem Gleichgewicht und hat sich bis heute nicht eingependelt. Nun müssen die Geissböcke zu einer Mannschaft reisen, die unter Florian Kohfeldt ihre Freude an der Offensive wiedergefunden hat. Wird es also einen Schlagabtausch geben im Weserstadion? „Wir wollen weiterhin einen spielerischen Ansatz wählen“, kündigte Ruthenbeck an, ließ aber im Training am Donnerstag bewusst Umschaltaktionen üben. „Da haben wir gegen Stuttgart Fehler gemacht. Wir müssen unsere Konter besser nutzen.“ Beim SVW will der FC also wohl erneut versuchen, eine bessere Balance zu finden zwischen defensiver Stabilität und offensiver Gefahr.

 

3 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz says:

    Ich weiß, es ist nicht üblich ist, dass in unserem Forum ein schon einmal geschriebener Kommentar noch einmal gebracht wird. Ich kann es mir an dieser Stelle aber nicht verkneifen – sorry! Das Folgende habe ich nach dem Stuttgart-Spiel für uns geschrieben, bringe es hier gekürzt noch einmal, weil es gut auf den aktuellen geissblock-Artikel passt:

    Es fallen folgende Sachen auf, die nicht neu sind, sondern die es auch in den vergangenen Bundesliga-Spielzeiten so oder ähnlich schon gab:
    – Es fällt der Mannschaft schwer, nach dem ersten Tor noch einmal nachzulegen. Das zweite Tor, geschweige dann das dritte oder vierte Tor will nicht oder eher selten fallen. Man könnte so sagen: Es fehlt an „Killer-Instinkt“.
    – Die Mannschaft ist in den ersten Minuten nach Spielbeginn empfindlich für Gegentreffer. Anscheinend ist das Team des Öfteren zu Beginn des Spiels noch nicht auf Temperatur.
    – Auch kurz vor Ende der 1. Hälfte fängt der FC – meiner Beobachtung nach – häufiger als andere Teams Gegentreffer ein. Der Mannschaft fällt es schwerer als anderen, die Spannung bis zum Schlusspfiff hochzuhalten.
    – Spiele, in denen die Mannschaft über die vollen 90 Minuten auf dem Platz wirklich präsent wirkt, sind eher selten. Oft gelingt ihr nur eine gute Hälfte.
    – Schon seit der letzten Saison 2016/2017 wirkt die Abwehr nicht mehr sicher. Man hat zwar den Eindruck, dass die einzelnen Abwehrspieler gut sind, aber dennoch wirken die Spieler im Verbund im Abwehrverhalten oft unaufmerksam. Der Führungstreffer der Leipziger beim kürzlichen Auswärtsspiel unserer Jungs dort war ein krasses Beispiel. Und jetzt auch gegen den VfB.

    Man könnte es vielleicht so sagen. Die Mannschaft hat unbestreitbar Qualität, aber es fehlt ihr etwas. Könnte man das fehlende „Wettkampf-Härte“ nennen? In der Leichtathletik benutzt man diesen Begriff, soviel ich weiß.

    Wenn das so wäre, dann müsste man sagen, dass es hier ein Versäumnis auf Seiten des alten Sport-Geschäftsführers und des alten Cheftrainers gab. Die Mannschaft ist – was die „Wettkampf-Härte“ angeht – nicht weiterentwickelt worden. Da ist, was wir von außen sehen können, nicht viel passiert.

    Wir wissen ja nicht, was in den letzten Jahren innerhalb der Mannschaft wirklich los war. Von daher bleibt alles Vermutung. Manchmal war zu lesen, da hätte es zu viel „Wohlfühl-Atmosphäre“ gegeben und zu wenig Klartext. Jedenfalls verblüffte mich in diesen Tagen ein Interview im KStA, das unser Fredrik Sörensen (zusammen mit Dominik Heintz) gab. Sörensen wurde gefragt, wie es denn zu dem Rekord-Absturz (3 Punkte aus 14 Spielen) hätte kommen können. Das war Sörensen, wie ich im Internet las, vor zwei oder drei Wochen auch von einer dänischen Zeitung gefragt worden. Beide Male sagte er sinngemäß: Das wäre doch ganz einfach. Die Mannschaft wäre durch die vielen Europa-League-Spiele überlastet gewesen und keiner der Spieler sei damit zurecht gekommen, weil die Situation doch für alle Spieler neu gewesen sei. Ich war verblüfft. Sörensen hätte doch auch sagen können, dass die Spieler im Sommer in einem schlechten körperlichen Zustand aus den Ferien kamen, eine schlechte Vorbereitungsphase spielten und in der Liga eine Niederlagen-Serie starteten, obgleich die Euro-League noch gar nicht angefangen hatte. Der Reporter fragte dann weiter, wie er darüber denke, dass seine Leistungen beim FC zuletzt kritisiert worden seien. Sörensen antwortete (unterstützt von Heintz), er würde besser spielen als von ihm behauptet wird und er sein sowieso gewohnt, dass er als Ausländer deutlich kritischer bewertet wird als einheimische Spieler. Das habe er auch schon in Italien, wo er ja ausgebildet wurde, erlebt.
    Mir geht es mit dieser Schilderung nicht speziell um Sörensen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er mit seiner wenig selbstkritischen Haltung vielleicht im Team nicht alleine dasteht. Wir wissen es nicht. Die Interviews mit Timo Horn, der ja immer auch selbstkritisch mitdenkt, könnten ja vermuten lassen, dass in unserer Mannschaft alle so wie er ticken. Aber so muss es nicht sein.

    Stefan Ruthenbeck und sein Trainerteam müssen mit damit arbeiten, was sie vorgefunden haben (plus der zwei Neuverpflichtungen). Ich denke, dass sie das sehr gut machen.

    Für das neue Jahr – egal in welcher Liga – würde ich mir wünschen, dass es im Kader unseres FC einen Umbruch gibt. Es hat nicht alles nur an Schmadtke und Stöger gelegen, um es mal so zu sagen.

    • Ali Perez says:

      Ich teile deine Beobachtungen. Ich prangere den Umstand, dass wir zum Teil durch die Spiele schalfwandeln schon seit über einem Jahr an. Aber ich widerspreche dir in der Schlussfolgerung, dass das nichts mit Schmadtke und Stöger zu tun hat. Die Mannschaft ist nunmal von beiden zusammengestellt und entwickelt worden und trägt ganz klar noch ihre Handschrift.
      Wieso fällt z.B. ein Koziello oder ein Terodde so krass positiv auf??? Einstellung und Können liegen doch arg über dem, was wir von Neuverpflichtungen in den letzten Jahren gewohnt waren. Clemens war noch nicht mal in Mainz Stammspieler, Höger ist streng genommen Sportinvalide, zu Cordoba muss man nix mehr sagen und die jungen Neuverpflichtungen müssen allesamt immer noch entwickelt werden. Und das in einem Team von Mitläufern. Wo ist denn der Anführer, der auch mal eine Ansage macht? Sörensen scheint dringend eine zu brauchen. Durch Verletzungen und Misserfolg haben doch viele ehemalige Stammkräfte genug mit sich selbst zu tun. Ein Charakter wie Kruse bei Bremen würde uns gut zu Gesicht stehen. Terodde traue ich das noch am ehesten zu, so wie der den Gegner in jedem Spiel bearbeitet und somit praktisch vorkämpft. Bittencourt ist auch eine Kämpfernatur, aber er müsste mal gesund bleiben. Ruthenbecks Endspielpsychologie kann man jetzt wunderbar nutzen, um auszusortieren. Wer mit dem Druck nicht klar kommt oder es nicht schafft, alles aus sich raus zu holen, um seine eigene Existenz zu retten, wird auch in Zukunft immer wieder enttäuschen, wenn es darauf ankommt. Dann hätten wir auch deinen Umbruch; ganz sicher.

  2. Pit says:

    Da is viel Wahres dran.
    Was Sörensen betrifft, finde ich das allerdings auch erstaunlich. Wir sind doch schon vor der richtigen EL-Belastung in der BuLi total abgekackt. Und so schlecht wie er in der Rückrunde ist, müsste er längst aus der ersten Elf geflogen sein…

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