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Bei aller Courage: Für den Abstiegskampf reicht es nicht

Man stelle sich, eine Mannschaft spielt gegen den Abstieg, soll kämpfen, beißen, ackern – schafft es körperlich aber nicht dagegen zu halten. Trotz des 2:2 zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 lief der Effzeh auch in diesem Spiel wieder in entscheidenden Momenten hinterher. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison.

Köln – Nach dem 0:6 in Hoffenheim vor drei Wochen war aufgefallen: Kein einziger FC-Spieler hatte sich in diesem Spiel eine Gelbe Karte abgeholt. Keine Zweikämpfe. Kein körperliches Spiel. Keine Chance. Gegen Mainz und Hertha setzte sich ein Trend fort. Gegen Schalke wurde er noch einmal ersichtlich und führte am Ende trotzdem zu einem Punkt, weil Schalke die Geissböcke in Hälfte eins hatte leben lassen und in Hälfte zwei einen Gang zurückschaltete.

Gegen Schalke 9 zu 22 Fouls

In den letzten vier Spielen – und das im tiefstem Abstiegskampf – verübten die Geissböcke deutlich weniger Fouls als ihre Gegenspieler. Gegen Schalke waren es gar nur neun eigene Fouls, während 22 Mal gegen Schalke gepfiffen wurde. Schalke unterbrach Kölns Rhythmus. Schalke zog taktische Fouls. Schalke bearbeitete die Gegenspieler derart, sodass Leo Bittencourt und Dominic Maroh nach der Partie humpelnd das Feld verließen.

Die Grenzen zwischen hartem und unfairem Spiel können fließend sein. Der FC kam nie auch nur annähernd an diese Grenze heran. Selbst in den letzten Wochen des Überlebenskampfes in der Bundesliga trat das Ruthenbeck-Team zu brav auf, war körperlich unterlegen, nicht hart genug in den Zweikämpfen, nicht hart genug mit sich und vor allem mit den Gegnern. Hoffenheim, Mainz, Berlin und Schalke entnervten die Kölner immer wieder mit Nicklichkeiten und kleineren Fouls. Gelbe Karten bekamen auch sie selten bis gar nicht. Sie gingen aber an den Rand des Erlaubten.

Nur ein Sieg aus sieben Spielen zu wenig

Bereits einige Duelle in den letzten Monaten haben deutlich die körperlichen Defizite und Probleme in den Zweikämpfen aufgezeigt. Spieler wie Marco Höger, Salih Özcan, Vincent Koziello, Yuya Osako oder selbst Nationalspieler Jonas Hector waren ihren Gegenspielern körperlich unterlegen. Ob in Frankfurt, Hoffenheim oder nun gegen Schalke – die Rückstände aus dem fehlenden Krafttraining des vergangenen Sommers machen sich noch immer bemerkbar. Aufholen werden die Spieler dies erst im Sommer.

Auch deshalb haben die Geissböcke nur eines der letzten sieben Bundesliga-Spiele gewonnen. Und das, obwohl eigentlich der Schlusspurt in der Liga gelingen sollte. Die Bereitschaft war immer mal wieder zu spüren – aber viel zu selten auch nur ansatzweise über 90 Minuten. Auch gegen Schalke entschädigte nur die zweite Hälfte für einen mut- und hilflosen Auftritt vor der Pause. Stattdessen steht der sechste Kölner Bundesliga-Abstieg bevor. Alles andere als ein Sieg am kommenden Samstag in Freiburg würde diesen perfekt auch rechnerisch besiegeln.

7 Kommentare
  1. Horst Simon says:

    Die körperliche Unterlegenheit wird vor allem in Liga 2 deutlich werden. Wir haben keine
    Spieler, welche dagegen halten können. Ich hoffe, daß die sportliche Führung hier
    nachbessert. Es fehlt allerdings auch an Laufbereitschaft, Aggressivität, Kondition,
    Schnelligkeit, Technik, Passgenauigkeit usw. Es gibt viel zu tun für den neuen Trainer.

    • Derbysieger_FC says:

      Ich frage mich, ob tatsächlich die körperliche Unterlegenheit problematisch ist, oder ob der Mannschaft nicht doch eher die angesprochene Schnelligkeit und Aggressivität in weiten Teilen fehlen. Koziello und Osako mal ausgenommen, wirkt unsere Mannschaft ja nicht gerade wie ein Team von schmächtigen oder unfitten Hänflingen, die sich gegenüber körperlich übermächtigen Gegnern erwehren müssten. Vielmehr sieht es aus meiner Sicht danach aus, als fehle bei vielen irgendwie die letzte Wettkampfhärte und auch die Bereitschaft, einem Gegner mal hart den Schneid abzukaufen. So Vögel wie Latza oder Donati von Mainz sind ja alles andere als körperlich überlegen, haben aber im Spiel gegen uns eine Giftigkeit an den Tag gelegt, die ich mir auch von unseren Spielern wünsche. Manchmal muss man dem Gegner – gerade im Abstiegskampf – eben auch dreckig den Zahn ziehen. Das sollte nicht zu Aktionen wie der von Donati zum Ende der Partie führen, aber ich kann mich auch nicht als Lamm auf dem Weg zur Schlachtbank präsentieren und Partien ohne gelbe Karten beenden. Hier muss für die neue Saison m.E. zwingend gegengesteuert werden. Ich bin allerdings zuversichtlich, das AV und MA dieses allzu offensichtliche Problem nicht verkennen und angehen werden.

  2. C W says:

    Ich stelle jetzt mal die böse Behauptung auf die ich auch in den letzten Wochen privat immer wieder geäußert habe und sage einige Spieler haben Angst sich zu verletzen.

    Es gibt sicher Spieler im Kader die von Statur und Körperbau körperliche Unterlegenheit geltend machen können. Aber gerade ein Bittencourt ist hier ein Spieler dem man nicht mangelnden Einsatz vorwerfen kann.

    Aber gerade im Bereich der Truppe hinten fehlt mir vielfach der Einsatz. Gerade gegen Schalke hatte ich bei den Herren da hinten bis ein Maroh kam wieder das Gefühl da ging Eigenschutz über Torschutz.

    Frei nach dem Motto bloß nicht vor dem Abstieg noch schwerer verletzen.

  3. Uli Scherber says:

    Meiner Meinung nach ein mal wieder unterirdisches Spiel.
    Wenigstens hat Herr Ruthenbeck im Gegensatz zu Hoffenheim und einigen anderen Spielen reagiert und Sörensen erlöst.
    Was liefert Heinz seit 5-6 Spielen ab….jahrelanger Garant für gute Abwehrarbeit und Stellungsspiel. Hat sich des Öfteren düpieren lassen.
    Handwerker nehme ich bewusst außen vor, war der einzige der mal 1:1 Situationen gewonnen und auch erzwungen hat.
    Über all die anderen Anwesenden Herren lieber ein Mantel des Schweigens… außer Timo,Dome und Bittencourt.
    Falls Schalke wirklich ernst gemacht hätte, dürften wir uns über 4-5 Gegentore allein in der ersten Halbzeit nicht beschweren….

    • Boom77 says:

      Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Heintz ist in den letzten Wochen leider auch nur ein Schatten seiner selbst. Eingangs dieser Saison war er noch der „Lichtblick“ und fast stets der beste Feldspieler. Seit Hoffenheim geht da gar nichts mehr. Ich denke, er ist gedanklich (sicher nicht bewusst) schon weg vom FC, was ihn dann auch hemmt. Im Übrigen ist Heintz für mich ein gutes Beispiel dafür, dass Schmadtke/Stöger es nicht verstanden haben, dass aufgrund des Erfolges der letzten Saison eine andere Spielweise implementiert werden musste, da sich viele Mannschaften anfangs erstmals gegen uns hinten reingestellt haben, weil wir das Spiel machen müssen, was wir nicht konnten und bis heute eigentlich nicht wirklich können. Selbst bei normalen Leistungsvermögen ist Heintz für den Spielaufbau, der da auch mal aus der Abwehr überraschend kommen müsste, nicht der richtige Speiler – auch wenn er bei normalem Leistungsvermögen von der reinen Abwehrarbeit sicherlich ein guter Abwehrspieler ist. Aber diese langen und oft unmotivierten Bälle, die in der letzten Saison vielleicht mal mit Glück den Modeste gefunden haben, gingen eigentlich schon damals nicht und gehen heute ihne Modeste erst recht nicht. Zumal bei Heintz bei 10 von ihm geschlagenen langen Bällen vielleicht max. 2 mal beim eigenen Spieler ankommen. Der Rest landet beim Gegner. Und das bekommt man aus ihm auch einfach nicht raus. Was den Spielaufbau angeht, prognostiziere ich, dass er es überall schwer haben wird, auch auf Schalke. Von Nationalmannschaft braucht er da gar nicht träumen, denn ein Jerome Boateng wird aus ihm nie werden.

      Bittencourt hat sich reingehängt. Das kann man nicht anders sagen. Und Maroh hat für mich auch ein gutes Spiel gemacht. Der hat da hinten eine Souveränität an der Tag gelegt, die man bei unseren Verteidigern lange nicht gesehen hat. Warum Maroh keinen neuen Vertrag bekommt (zumal es ja fast sicher in die 2. Liga geht, wo wir ihn in jedem Fall gut gebrauchen können – meiner Ansicht nach auch in der 1. Liga), bleibt für mich weiterhin unverständlich und wäre für mich ein Fehler, von dem ich bis heute hoffe, dass ihn Herr Veh nicht begeht. Und seien wir mal ehrlich… Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Maroh überzogene Forderungen stellt, was Gehalt und Laufzeit angeht.

  4. Karl Heinz Lenz says:

    Wieder trifft Marc Merten den Nagel auf den Kopf. Die berechtige Freude über den Verbleib von Jonas Hector beim FC darf nicht dazu führen, die Realitäten zu ignorieren. Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden. Ich bin aber guter Hoffnung, dass Veh und Anfang realistisch und kritisch denken und die Weichen für die Zukunft so stellen werden, dass beim FC wieder der sportliche Leistungsgedanke an erster Stelle steht.

    • Ali Perez says:

      AV hat ja bereits schon gesagt, dass es aus seiner Sicht keinen Sinn macht, mit dem kompletten Kader in die 2. Liga zu gehen. Er will anderen Fußball spielen lassen, als es derzeit möglich ist; also kann man davon ausgehen, dass die Mannschaft dementsprechend verändert wird, verändert werden muss.

      Ich hoffe, dass es in der Zukunft wieder nach 1. FC KÖLN aussehen wird; AVs Aussagen gehen zumindest in die Richtung. Wir sollten daher nicht zu pessimistisch in die Zukunft schauen. Wenn der Counter wieder auf 0 gestellt ist, die Truppe von einer ordentlichen Vorbereitung gestählt ist und wir auf den vakanten Positionen wieder gut besetzt sind, dann sollten wir wieder angreifen können.

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