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„Niemand sagte: ‚Lass das mal bleiben mit den Fotos!'“

Er war dabei, ohne dabei gewesen zu sein: Lukas Mengeler, mit einer Leica Q bewaffnet. Der Fotograf hat den 1. FC Köln in der vergangenen Saison in der Europa League auf Schritt und Tritt begleitet – bis in die innersten Zirkel, Kabine, Ersatzbank, Flugzeug. Das Ergebnis erschien im Bildband „Eines Tages“.

Köln – Als sich der GEISSBLOG.KOELN mit Lukas Mengeler nach der Saison 2017/18 im Belgischen Viertel in Köln trifft, hat Mengeler wieder eine Leica dabei. Nicht die, mit der er die Bilder vom Effzeh geschossen hat. „Dafür brauchte ich dann doch einen Autofokus.“ Diesmal ist es eine Leica Q, ohne Autofokus, dafür mit noch mehr Gefühl. Gerade hat er ein Fotoshooting mit Lukas Podolski absolviert. Mengeler ist im Geschäft. Die Europa League war sein Sprungbrett.

Niemand sagte: Lass das mal bleiben mit den Fotos!

Als sich der FC im Mai 2017 qualifiziert, kommt ihm die Idee für ein Bildband. Mit einer Leica, weil ihr Farbspektrum in der Welt der Fotografie einzigartig ist. Als Fotograf hinter den Kulissen, weil niemand sonst Fotos aus der Kabine oder dem Flugzeug machen könnte. Bei allen Spielen vorher und nachher dabei. Als Teil des Teams, aber ohne, dass die Spieler es großartig bemerken würden. Auch deswegen die Leica, denn ihr Auslöser ist lautlos. Still und stumm, ein unsichtbarer Fotograf im Allerheiligsten der Geissböcke.

Mengeler hat Sport studiert. Ein Praktikum beim heutigen Profi-Athletikcoach Max Weuthen hilft ihm beim FC. Aber nicht so, wie er sich das denkt. „Ich habe gemerkt, dass ich etwas anderes machen möchte.“ Kein Athletiktraining, sondern Fotografie. Mengeler macht sich Ideen, dann kommt die Qualifikation für Europa. Er unterbreitet dem FC ein Angebot. Erst steht der FC dem Projekt skeptisch gegenüber. Dann geben Alexander Wehrle, Jörg Schmadtke und Tobias Kaufmann das Ja-Wort.

Nächstes Projekt mit Poldi und Iniesta?

Von dem Moment an ist Mengeler mit dabei. Er fliegt zu den Auswärtsspielen mit, erlebt den Wahnsinn von London, die Kälte von Borisov und die Hitze von Belgrad. Zwischenzeitlich droht ihm die UEFA mit dem Entzug seiner Akkreditierung. Doch am Ende hält er alles in rund 13.000 Bilder fest. Davon haben es circa 280 in das Buch „Eines Tages“ geschafft.

„Das Auswählen war das Schwerste“, sagt Mengeler, als er ein Jahr nach seiner Idee in einem weißen T-Shirt und einer Cappy der New York Yankees im Belgischen Viertel sitzt. Zu den FC-Spielern hat er immer ein gutes Verhältnis gepflegt. Simon Zoller bricht als Fotografie-Interessierter das Eis, später wollen alle Spieler Bilder von Mengeler haben. „Die Distanz wurde von Spiel zu Spiel geringer. Niemand kam uns sagte: ‚Lass das mal bleiben mit den Fotos!'“ Inzwischen existiert auch ein guter Draht zu Lukas Podolski. Der Ex-Kölner überlegt, Mengeler bei Vissel Kobe in Japan einzuführen. Dann würde Mengeler auch Andres Iniesta fotografieren. „Unglaublich, was in diesem einen Jahr passiert ist.“ Das gilt für Lukas Mengeler gleichermaßen wie für den Effzeh.

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