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Kommentar: Genau dafür gehen die Fans ins Stadion


Mit der neuen Spielweise unter Trainer Markus Anfang begeistert der 1. FC Köln seine Fans. Die Geissböcke wollen nicht nur wieder erfolgreich sein, sondern auch attraktiv. Im Vordergrund steht das Spektakel. Und davon bekommt der Zuschauer bislang eine ganze Menge geboten.

Köln – Fußball ist Unterhaltung. „Ich sitze ja auch als Fußballfan auf der Tribüne und will guten Fußball sehen“, hatte Sportchef Armin Veh bei der Vorstellung von Markus Anfang erklärt. Das Ziel: Es soll sich wieder lohnen, den 1. FC Köln beim Fußballspielen zuzusehen. Der neue FC-Trainer scheint diese Vorgabe bereits verinnerlicht zu haben. Inzwischen ist wohl jedem klar: Anfang wurde genau dafür ausgesucht. Denn sein Fußball ist auf Spektakel ausgerichtet.

Wenn Spieler und Fans sich gegenseitig elektrisieren

Rafael Czichos und Dominick Drexler dürften sich bereits an die vergangene Saison erinnert fühlen. Mit Holstein Kiel waren sie die Ballermänner der Zweiten Liga. Mit 71 Toren standen die Störche unter Anfang wie kein anderes Team für gnadenlosen Offensivfußball. Allerdings stand die Abwehr mit 44 Gegentoren nicht so sattelfest, wie es nötig gewesen wäre, um die Sensation des Aufstiegs zu schaffen. Dennoch begeisterte Kiel seine Anhänger und die ganze Liga mit unterhaltsamen Spielen, mit einem meist offenen Visier und einer unkonventionellen und wohl gerade deshalb so erfolgreichen Spielweise.

Genau dafür sollen in dieser Saison auch die Geissböcke stehen. Nach vier Spielen lässt sich bereits sagen: War Peter Stöger über viele Jahre beim FC mit einer auf Sicherheit bedachten Spielanlage überaus erfolgreich, setzt Anfang auf das genaue Gegenteil, hofft aber auf einen ähnlichen Erfolg. So wird das 5:3 auf St. Pauli wohl noch lange in den Erinnerungen vieler Fans bleiben. Die Spieler auf dem Platz rissen die Fans am ausverkauften Millerntor mit. Die Fans trieben im Gegenzug die Kicker auf dem Rasen zu einem noch intensiveren Spiel an. Eine gegenseitig elektrisierende Stimmung, die kaum jemanden im Stadion mit ruhigem Puls zurückließ.

Gänzlich ohne Defensive wird’s nicht gehen

Für diesen Fußball gehen Zuschauer in die Stadien. Für diesen Fußball zahlen Fans ihren Eintritt. Für diesen Fußball vergisst jeder Anhänger eines noch so ambitionierten Klubs die aktuelle Ligazugehörigkeit – zumindest für 90 Minuten. Nicht jedes Kölner Spiel wird in den kommenden Monaten so verlaufen wie das 5:3 in Hamburg. Die Geissböcke werden auch Rückschläge einstecken müssen, Spiele verlieren, mehr Gegentore kassieren als Tore schießen. Doch all das ist einkalkuliert, solange die Spieler an der Marschroute ihres Trainers festhalten: Dominanz ausüben, offensiv zu Werke gehen, nicht auf Verwalten spielen, immer weiter spielen und Tore erzielen wollen.

20 Tore in fünf Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache. Zumindest in dieser Zweitliga-Saison könnte der FC mit seiner neuen Spielidee nicht nur attraktiv anzuschauen, sondern auch erfolgreich sein. Und sollte dieser Fußball tatsächlich am Ende zum Aufstieg führen, wäre freilich noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann wäre, um im Bild zu bleiben, die Fahne gerade einmal erst am Mast befestigt. Um sie erfolgreich in die Höhe zu befördern, müsste der FC sein Spiel verfeinern. Denn bei aller Begeisterung über die vielen Tore der letzten Wochen ist auch klar: Gänzlich ohne defensive Stabilität geht es dann doch nicht. Bessere Teams hätten die Kölner Anfälligkeit gnadenlos bestraft. Doch für diesen Prozess haben die Geissböcke ja noch Zeit. Bis dahin heißt es: Visier hochklappen und mit Vollgas in die Offensive. Die Fans werden es den Spielern danken.

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