,

Nach Union-Vorfällen: Südkurve e.V. kritisiert Stadionverbotskommission

Der Südkurve 1. FC Köln e. V. hat die Stadionverbotskommission der Geissböcke scharf kritisiert und betroffenen Personen abgeraten, vor dieser Kommission auszusagen. Beim FC nimmt man insbesondere den Zeitpunkt der Stellungnahme verwundert zur Kenntnis. Das Verhältnis zwischen der aktiven Fanszene und dem Klub verschlechtert sich damit weiter.

Köln – Der Dachverband der aktiven Fanclubs hatte am Freitag in einer Mitteilung die Stadionverbotskommission zu einer „totalen Farce“ erklärt, da der Klub weder Verschwiegenheit der dort getroffenen Aussagen garantiere noch Indiskretionen aus den Anhörungen verhindere. Es gäbe keine gemeinsame Vertrauensbasis, damit betroffene FC-Fans vor der Stadionverbotskommission aussagen könnten.

Vorwurf der Weitergabe von Informationen

„Theoretisch kann jedes Mitglied der Stadionverbotskommission von der Staatsanwaltschaft als Zeuge zu dem Sachverhalt vorgeladen werden“, hieß es in der Mitteilung des Fan-Verbands. Grundsätzlich halte man zwar die Kommission in ihrer Idee für „unterstützenswert“. In der Praxis habe sie sich jedoch aus Sicht des Südkurve 1. FC Köln e.V. nicht bewährt. Stattdessen werde „auf der einen Seite Vertrauen suggeriert, auf der anderen Seite der Staatsanwaltschaft Tür und Tor sperrangelweit aufgestoßen, um an Aussagen zu kommen“. Der Südkurve 1. FC Köln e.V. riet in der Stellungnahme daher allen Betroffenen ab, einer Ladung vor die Kommission zu folgen.

Der 1. FC Köln wollte sich auf GBK-Nachfrage nicht zu der Mitteilung des Dachverbandes äußern, ließ jedoch erkennen, dass sich der Klub mit den Äußerungen noch intensiver befassen wird. Vor allem, weil der Zeitpunkt der Mitteilung durchaus bemerkenswert ist. Bekanntlich hatte der 1. FC Köln zuletzt Stadionverbote gegen 28 Personen ausgesprochen, die am Angriff auf einen Fanbus von Union Berlin beteiligt gewesen waren. Darunter hatten sich auch FC-Mitglieder, Dauerkarteninhaber und Mitglieder der aktiven Fanszene befunden – einige der Täter hatten gerade erst alte Stadionverbote abgesessen.

Nacht von Bocklemünd als Anlass?

Diese neuen Stadionverbote waren zunächst ohne Anhörung vor der Kommission ausgesprochen worden, da unmittelbar auf das Union-Spiel zwei weitere Spiele unter besonderer Beobachtung der Sicherheitskräfte (gegen den BFC Dynamo und Erzgebirge Aue) stattfanden. Erst nach Aussprechen der neuen Stadionverbote wurden die von der Polizei in der Nacht in Bocklemünd ermittelten Täter von der Stadionverbotskommission zu Anhörungen eingeladen. Diese Einladungen dürften nun wohl zu der Mitteilung des Südkurve 1. FC Köln e.V. geführt haben. Die Anhörungen sollen zeitnah stattfinden.

10 Kommentare
  1. NICK says:

    Die Horde, sicher auch massgebend beim „Südkureve e.V.“ hat schon vor dem Bochumspiel davon abgeraten zur SV-Kommission zu gehen. Dies jetzt speziell in den Zusammenhang mit dem Busangriff gegen Union zu bringen ist also Quatsch.

    • Fabio says:

      Südkurve e.V. sollte mal lieber auf die schwachsinnigen Idioten und Selbstdarsteller effektiv einwirken, völlig dämliche Aktionen -wie Raketen, die Einlaufkinder gefährden und sooo vieles Anderes, mit denen das Image unseres geilen Clubs beschmutzt wird- endlich zu unterlassen als sich mit der ach so bösen Stadionverbotskommission zu befassen! Wenn es die vermummten Kriminellen in der Kurve nicht gäbe, müsste man gar keine Kommission haben!

  2. Ankerdensin says:

    Ich kann es nicht verstehen. Gewalt im Stadion, am Stadion geht nicht.
    Gar nicht und nie.
    Wer sich gewalttätig verhält, gehört bestraft. So funktioniert die Gesellschaft, so ist die Rechtslage.
    Wenn nun vermeintliche Fans, die gerade ihr Stadionverbot „abgesessen“ haben, die wieder gewalttätig waren oder andere Auffälige gedeckt werden sollen, dann ist das nicht nachvollziehbar.
    Wer die gängigen Regeln wiederholt missachtet, gehört ausgeschlossen ggf. lebenslang.
    Ich möchte zum Stadion, im Stadion und auf dem Weg zurück unbehelligt bleiben, und nicht irgendwelchen Kriminellen begegnen. Und Menschen, die in der Form andere attackieren sind kriminell. Nichts anderes. Und wer solche Vorfälle sieht, sollte von diesen auch berichten.
    Und daher kann ich die Strllungnahme der Südkurve nicht verstehen. Traurig.

    • NICK says:

      Und? Ist Dir oder jemand den Du kennst, schon mal auf dem Weg zum, im oder auf dem Rückweg vom Stadion von Seiten von Ultras oder deren nahestehenden auch nur eine winzige Kleinigkeit passiert?

      Die Info geht dahin, dass die Aussagen die in der SV-Kommission getätigt werden von der Staatsanwaltschaft ganz einfach abgefragt werden können. Vor Gericht kannst Du auch die Aussage verweigern, um Dich nicht selbst zu belasten…kannst Du das verstehen?

      • Anneliese says:

        Ja! Auf dem Weg vom Stadion zum Auto wurden generische, völlig friedliche Menschen laut angepöbelt und ganz unterste Schublade beschimpft. Eine junge Frau, vielleicht 19, 20 Jahre alt, wurde außerdem mehrfach von unseren sogenannten Fans bespuckt. Mich hat das beschämt, erschrocken, aber vor allem beängstigt!! Wie viel Hass und offensichtliche Gewaltbereitschaft da unterwegs ist. Ich hatte tatsächlich Angst, dass die Situation eskaliert und wolle doch nur nach dem Spiel auch wieder friedlich nach Hause. Mir hat das den Spaß am Spiel und im Stadion sein verdorben. Ganz offensichtlich ist das den betreffenden „Fans“ oder deren Sympathisanten aber völlig egal. Hier geht es nicht um einfache Benimmregeln (und nur das wäre besser gewesen), sondern um ein soziales Miteinander. Dafür haben wir Gesetze, denen Gottseidank auch immer noch die Kriminellen aus der Fanszene unterworfen sind. Es spricht ja für sich, wenn die Aussage verweigert wird, um sich nicht zu belasten: dann liegt ja wohl auch etwas vor!
        Es ist sowas von toll was diese Kerle für eine Stimmung mit ihren Gesängen verbreiten: reicht das nicht, um die überschüssige Energie positiv zu verarbeiten?

      • Ankerdensin says:

        Ich mag es nicht, von einem behelmten Polizeiaufgebot empfangen und verabschiedet zu werden im und am Stadion. Das ist aber leider ein Ergebnis aus eben Gründen, die man mit Gewalt bezeichnen kann. Und ganz ehrlich, werde ich Zeuge von Übergriffen, werde ich auf Befragung Antworten geben. Aus Eigenschutz, Vepflichtung anderen gegenüber und weil ich Kriminelle damit aus dem Verkehr ziehe. So funktioniert die Gesellschaft. Daher, null Toleranz gegenüber Gewalt.

  3. NICK says:

    Das ist alles richtig. Das gibt es alles und wenn man sowas mitbekommt, sollte man nach seinen Möglichkeiten helfen, selbst einschreiten oder Hilfe holen. Aber was Anneliese beschreibt hört sich für mich nicht nach Ultra-Südkurve an, sondern eher nach Oberrang Nord. Ich behaupte sogar, Ultras würden einschreiten, wenn sie sehen, dass irgendwelche besoffene Idioten, eine kleine Gruppe friedlicher, einfacher Gegnerfans angehen würden. In Köln laufen vor so vielen Spielen gegnerische Fans im Trikot vor der Südkurve rum und da passiert niemandem was. Öffentlich hinhalten, für alles was rund ums Stadion oder im gesamten Stadtgebiet passiert, auch wenn keiner weiß wer der Täter war oder woher dieser stammt, müssen aber immer reflexartig sofort die Ultras aus der Südkurve. Das stört mich.

    Und zum Polizeiaufgebot am Spieltag – ist das WIRKLICH SOO nötig? Beamte alle paar Meter behelmt und in Kampfmontur in rauen Mengen? Wie ruhig lief das in London mit Mützen und Belgrad ab? In Belgrad standen zwar auch genug Beamte, auch mit Schild und Helm, aber die hatten den Helm nicht auf und haben eher zurückhaltend und deeskalierend Spalier gestanden…

    • Karl Heinz Lenz says:

      Nick, vielleicht kannst du dich erinnern, dass ich vor einiger Zeit einmal über mein Erleben im Stadion – so vor gut 50 Jahren – erzählt habe. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es auch damals bereits „Gewalt“. Diese Gewalt wurde aber weniger im Stadion, sondern abseits ausgelebt. Bestimmte Fan-Gruppen (den Begriff „aktive Fanszene“ kannte man noch nicht) verabredeten sich nach dem FC-Spiel irgendwo im Grüngürtel zu Schlägereien. Wenn ich mich nicht vertue, dann gehörten damals, als Frauen-Emanzipation noch kein großes Thema war – auch Frauen zu diese Gruppen, für die zum Anschluss an das Bundesligaspiel im Stadion eine zünftige Gruppenschlägerei im Grünen gehörte.

      Damals kam mir so etwas irgendwie merkwürdig vor. Heute aber habe ich dafür ein wenig Verständnis. Wir leben in einer vollständig durchorganisierten und bei aller verkündeten Liberalität vollständig und streng reglementierten Lebensumwelt. Es gibt kaum noch Freiräume, sich unbemerkt auszutoben und vieles von dem zu tun, was eigentlich verboten ist. In meiner Kinderzeit war das noch anders. Es gab in Köln noch die vielen Trümmergrundstücke, die für uns Kids eine herrliche Möglichkeit waren, dort unterzutauchen und ohne Wissen der Eltern vieles Verbotene auszuprobieren. In unserer durchstrukturierten Welt gibt es diese oder vergleichbare Möglichkeiten zum nicht-kommerzialisierten „Wildsein“ und zum „Abenteuer“ kaum noch, auch für Heranwachsende und junge Erwachsene nicht.

      Der Fußball scheint mir noch so eine Rest-Nische zu sein. Dort können Menschen im Gruppenzusammenhang „auf die Kacke“ hauen und „die Sau rauslassen“, so wie damals die Jungs und Mädels auf den Prügeltreffs im Grüngürtel. Angeblich sollen unter diesen heutigen „Aktiven“ ja auch viele Menschen sein, die in ihrem sonstigen Leben sozial gut gestellt sind und sich dort als Saubermänner und Sauberfrauen präsentieren. Das wundert mich nicht: Wer unter Überanpassung leidet, der braucht vielleicht ein Ventil, mit dem er hinter Sturmhauben Druck ablassen kann. Ich vermute mal, je „zivilisierter“ unsere Kultur wird, je mehr werden wir solche „Gegenreaktionen“ erleben.

      Ich muss natürlich dazu sagen, dass ich von der Ultra-Szene eigentlich keine Ahnung habe und kaum jemand daraus persönlich kenne. Diese Zeilen sollten nur ein Versuch sein, sich den geschilderten Problemen mal von einer anderen Seite aus zu nähern.

      • NICK says:

        Das was Du schreibst ist richtig. Natürlich fühlt man sich als junger Mensch im Zusammenhalt einer solchen Gruppe toll und stark, aber da sind genug Poser dabei, die sich in der Gruppe stark fühlen und alleine komplett den Schwanz einziehen – ich vermute zum Beispiel die ganzen Jungs mit den tollen Sturmhauben, die ich mehr als lächerlich finde…auf dem Weg nach Belgrad machten wir ein Gruppenfoto, plötzlich zogen sich so zwei Hongs rot, weiße Sturmhauben über und machten auf „extrem gefährlich“…ich fand das mehr als lächerlich und bin dann lieber dem Foto fern geblieben…

        Was ich ja auch nur sagen wollte, es sind nicht immer „die Ultras“ die Scheisse bauen und wenn es doch die Ultras sind, ist es nicht immer die „Wilde Horde“. Es läuft mittlerweile so – Fussballchaoten sind immer „Ultras“ und „Ultras-Störer“ sind dann immer gleich „WH“.

        So ist es aber nicht. Und zurück zu diesem Artikel, auch der Aufruf nicht zur SV-Kommission zu gehen, bezieht sich nicht auf den Union-Busangriff, sondern diesen Aufruf gab es auch schon vor dem Bochumspiel.

  4. Ankerdensin says:

    Wenn ich nun heute diese Plakate am Millerntor in Hamburg lese, dann ist das ein Selbstverständnis, welches tief blicken lässt. Es passt zur Szene. Wenn jemand einen Schaden verursacht und habhaft gemacht werden kann, dann darf und wird das geschehen. Und das ist so und das ist gut so.
    Mit welcher Arroganz sind diese, Entschuldigung Vollpfposten denn unterwegs? Wir dumm muss man sein, zu glauben, der FC wird geltendes Recht nicht anwenden? Wie dumm ist es, anderen Menschen auch noch vorzuführen, dass man so Dumm ist.
    Aber wenn man so unterwegs ist, ist man für alles gut.
    Fußball kann so schön sein, Fußball live im Stadion so toll. Aber bitte ohne Fremdschämens für solche Mrnschen.

Dein Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar