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Auswärtssieg leichtfertig verspielt und zwei Verletzte mehr

Der 1. FC Köln hat einen Sieg bei Holstein Kiel in der Schlussphase noch aus der Hand gegeben und nur eine 1:1 (1:0) erzielen können. Simon Terodde hatte die Geissböcke in Führung gebracht. Ein Abwehrfehler in der 89. Minute kostete den Sieg. Zudem musste der FC zwei weitere Verletzte hinnehmen.

Aus Kiel berichtet Jonas Klee

Das Wiedersehen in Kiel war herzlich für zwei der drei Ex-Kieler im Team des 1. FC Köln: Markus Anfang wurde mit viel Applaus empfangen, durfte viele Hände schütteln und für Autogramme und Selfies bereitstehen. Auch Rafael Czichos, der ehemalige Kapitän der Störche, erhielt einen warmen Empfang. Viele Pfiffe vor und während des Spiels gab es dagegen für Dominick Drexler, der im Sommer aus Kiel über Dänemark nach Köln gewechselt war.

Ausgangslage

Weniger als eine halbe Stunde vor Spielbeginn musste Markus Anfang umdenken. Nach Christian Clemens, Vincent Koziello, Marcel Risse und Lasse Sobiech fiel kurzfristig auch noch Marco Höger aus. Der Sechser hatte sich beim Aufwärmen mit muskulären Problemen abgemeldet. Und so änderte der FC-Coach die Mannschaft auf fünf Positionen: Meré für Sobiech, Özcan für Koziello, Jannes Horn für Clemens sowie Hauptmann für Höger. Dazu kam Benno Schmitz für den unsicheren Matthias Bader hinten rechts zu seinem Pflichtspiel-Debüt für die Geissböcke. Kiel dagegen wollte frech auftreten. „Die Medien machen den FC zum Topfavoriten, ich nicht“, sagte KSV-Trainer Tim Walter vor dem Anpfiff, musste aber unter anderem auf den gesperrten Kingsley Schindler und auf den angeschlagenen Jae-Sung Lee verzichten.

Moment des Spiels

Es lief die 89. Minute. Der FC hatte alles im Griff, führte mit 1:0, Kiel hatte kaum eine Torchance aus dem Spiel heraus. Dann segelte ein Ball, unpräzise nach vorne geschlagen, an der Strafraumkante der Geissböcke. Jorge Meré wollte für Torhüter Timo Horn durchlassen, doch der FC-Keeper war zu weit weg. Heinz Mörschel roch den Braten, sprintete dazwischen und köpfte den Ball an den verdutzten Kölnern vorbei ins leere Tor. Der Ausgleich für Kiel und der verspielte Sieg aus Sicht der Geissböcke.

Die wichtigsten Szenen

Kiel stellte sich dem FC im 4-3-3 entgegen, die Geissböcke versuchten ihrerseits kompakter zu verteidigen als gegen Duisburg, weniger im 4-1-4-1 als in einem 4-2-3-1, und das merklich tiefer als in den vergangenen Spielen. So ergab sich ein Spiel mit verhältnismäßig wenig Ballbesitz für den FC. Passend dazu fehlten die Torchancen hüben wie drüben. Außer einem Czichos-Kopfball nach einer Schaub-Ecke (12.) konnte sich der FC zunächst offensiv nicht in Position bringen. Drexlers Schuss in der 16. Minute war noch zu harmlos. Kiel wirkte zwar etwas gefährlicher, doch Timo Horn wurde in Hälfte eins nicht gefordert. Nach 33 Minuten dann der nächste personelle Rückschlag für den FC: Louis Schaub knickte bei einem Zusammenstoß mit einem Kieler mit dem linken Fuß um und musste ausgewechselt werden. Für den Österreicher kam Simon Zoller. Die erste Wendung im Spiel kam aus dem Nichts. In der 41. Minute gelangte der Ball über Benno Schmitz und Simon Terodde zu Drexler. Dieser wurde von Dominik Schmidt im Strafraum gefoult und Schiedsrichter Robert Kampka zeigte sofort auf den Punkt. Terodde, der bis dahin kaum einmal in Aktion getreten war, ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte den Strafstoß sicher in die linke Ecke – das 1:0 kurz vor der Pause (42.).

Ohne Wechsel ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Ein schnell ausgeführter Freistoß in der 51. Minute führte fast zum 2:0, doch Terodde scheiterte mit seinem Schuss aus 15 Metern an Kronholm. In der Folge entwickelte sich ein Spiel, das an den FC-Sieg in Sandhausen erinnerte. Die Geissböcke darauf bedacht, die Defensive zu schließen, keine Konter zuzulassen, Kiel keine Räume zu gestatten. Die Störche dagegen waren nicht in der Lage, die FC-Abwehr auseinander zu spielen. Es schien, wenn überhaupt, auf der einen oder anderen Seite einen Standard zu benötigen, um zum Torerfolg zu kommen. Doch es war ein Abwehrfehler und Missverständnis zwischen Meré und Horn: Der Spanier wollte einen langen Ball zum Torhüter durchlaufen lassen, doch Heinz Mörschel sprintete dazwischen und köpfte ins leere Kölner Tor (89.). So verschenkte der FC doch noch den Sieg.

Fazit

Zum Freuen: Eigentlich defensivstark – aber nur eigentlich.

Zum Ärgern: Den Sieg leichtfertig verschenkt.

Pechvogel des Tages: Höger? Schaub? Meré? Sucht es euch aus!

Aufstellung

T. Horn – Schmitz, Meré, Czichos, J. Horn – Hector, Özcan – Schaub (38. Zoller), Hauptmann (86. Lehmann), Drexler – Terodde (82. Cordoba)

Tore

0:1 Terodde (42., FE)
1:1 Mörschel (89.)

20 Kommentare
  1. Ostfriesenhennes says:

    lt dem Tünn haben wir ja nen neuen Torhüter, leider nen schlechteren! und es verletzen sich ja mittlerweile alle die, von denen man es auch erwartet hat, so bitter es ist, dass war absehbar! danach stellt man einen Kader auch auf, es fehlen, 2 gelernte Außenbahnspieler! Und wenn ich das alles so sehe, brauchst du bei nem eventuellen Aufstieg eh 7 bis 10 Spieler, um die Klasse dann auch zu halten, besonders Außenbahn hast für Liga 1 fast nur Wüste!

  2. Susanne Lex says:

    Genau, die Jungs werden immer schlechter. Und das Gegentor war so wie das Auftreten der Truppe, grausam!! Ich sage es nochmal, der Trainer ist ungeeignet für den FC. Er MUSS weg. Null Punkt gg den letzten ein gg mittelmäßige Kieler, booh. Jedes Spiel ist Horror. Absolut.

  3. mal im Ernst says:

    Die Spiele unter Anfang werden immer berauschender. Das System besteht aus Rückpässen zum Torwart (ca. 80 bis 100 ). Auch wenn es einige Verletzte gibt , und laut Aussage vom Trainer es keine zweite Reihe beim FC gibt , hat dieser Zoller in dieser Mannschaft nichts zu suchen. Wieder ein mutloser Auftritt. Das ist nicht der Fußball der den Fans versprochen wurde. Anfang führt den FC nicht zum Aufstieg.

  4. 1.Effzeh Porz says:

    Junge junge Timo Horn! Läuft zwölf Meter raus um dann im entscheidenden Moment stehen zu bleiben. Wie immer Horn zieht einfach nie durch. Wie bei den Ecken. Soll ich oder soll ich nicht. Auf der linie ist er ja echt klasse, aber das rauslaufen und die Strafraum Beherrschung ist echt woche für woche mangelhaft. Mere tut mir in dieser Situationen fast leid. Der weiß aber nächste mal kläre ich um jeden Preis egal ob Horn kommt…

  5. Max Moor says:

    das ist einfach keine Einheit aufn Platz … gegen Duisburg ohne Konzept ! heute wieder gegen Kiel null Leistung ! Trainer Anfang muss weg !!! Die Spieler zeigen unter ihm keine Leistungen und lange sind wir nicht mehr da oben wenn schon gegen diese Mannschaften nix geht . Die steigen eher noch ab als Auf ….. hoffe es haben nun wirklich Alle gesehen das Köln immer schlechter spielt . sonst kann man denen auch nicht mehr helfen

  6. Bjørn Westhues says:

    Eigentlich eine gute Leistung vom Effzeh. Hätte mir mehr Mut im Umschaltspiel bei den Kontern in Hz 2 gewünscht. Das war leider gar nix. Meiner Meinung nach hätten wir nicht auf Sicherheit spielen sollen, sondern die Kontersituationen viel besser mit Präzision und Wucht ausspielen können…

  7. Ankerdensin says:

    Fußball ist prinzipiell ein Spiel der Fehler. Tore fallen immer durch Fehler und nach Fehlern.
    Daher kann man ein souverän geführtes Spiel mit einer 1:0 Führung noch aus der Hand geben. Wg. …. Fehler. Aber, und das macht bereitet mir durchaus Sorgen: warum kommt es erst soweit? Der FC hat nach vorne nichts investiert. Gar nichts. Dafür defensiv stabil gestanden, gegen sehr limitierte Kieler. Interessant ist, dass wir wohl nur defensiv stabil oder offensiv spektakulär können. Das wäre dann ein Systemfehler. Und der gehört schnellstmöglich korrigiert. Es kann doch nicht sein, dass wir gegen fußballerisch nicht sehr starke Gegner (P‘born, D‘burg, Kiel, ) keine Lösungen finden. Wir haben eine Mannschaft, die ist sehr gut besetzt. Im Vergleich zu anderen Zweitligamannschaften ist das so. Und ich bin nicht so vermessen zu erwarten, dass wir alles gewinnen. Aber wir brauchen doch ein Muster, ein System in dem sich die Spieler wiederfinden und sicher sind. Die Lösung ist sicherlich nicht Hurrafussball, aber eben auch nicht destruktives Gekicke.
    Es muss doch eine Balance gefunden werden, so dass man nach eigener Führung den Wunsch und die Fähigkeit entwickelt, das 2:0 nachzulegen. Habe ich heute nicht gesehen. Wir haben verwaltet. Mehr nicht.
    Schade, wieder Punkte liegen lassen.

  8. Horst Simon says:

    Wir haben zwar neben Hamburg den teuersten Kader der Liga, aber nicht die besten Spieler. Ich wiederhole mich, ohne Terodde würden wir uns im unteren Bereich der Tabelle befinden. Wir schleppen zu viele Altlasten mit. Von einer starken Bank kann keine Rede sein. Wirklich gute Spieler gibt es zu wenig. Bedenklich ist,dass die Spieler auch nicht besser werden. In der Winterpause benötigen wir einen guten 6er,Flügelspieler, einen weiteren torgefährlichen Stürmer und einen Verteidiger.

  9. Ankerdensin says:

    Verglichen mit den anderen Mannschaften haben wir einen sehr guten Kader, mit dem man Fußball spielen kann.
    Da gibt es nichts vergleichbares in der Liga.
    Wir sind (noch) Tabellenführer. Soweit so gut. Und dennoch passt etwas nicht. Und das it etwas, was mich beunruhigt.
    Und mein Gott, Fußball ist ja nun nicht so eine Wissenschaft. Struktur, Stabilität, Kreativität, Leidenschaft und eine klare Taktik. Gepaart mit guten Spielern und Teamgeist und schon sollte das funktionieren.
    Beim FC macht man aber immer mehr daraus: Anfang-System, Solbakken-System, Rapolder-System.
    Andere Mannschaften erfinden den Fußball doch auch nicht immer neu. Stabile Defensive, gute Raumaufteilung, Mut nach vorne und dann sollte das doch funktionieren.
    Der FC sollte irgendwann zeitnah wissen, wie man die kommenden Spiel anpacken möchte. Am liebsten einfach und erfolgreich. Die Spieler dafür haben wir grundsätzlich.

  10. standmattes says:

    Ruhig, ganz ruhig!
    Wenn wir das Spiel 2:0 gewonnen hätten, was durchaus möglich war, hätten alle geschrieben,
    wie cool und sicher der Sieg eingefahren wurde.
    Wenn Spieler wie Schaub, Höger und Risse fehlen, kann die Mannschaft diesen Qualitätsverlust nur schwer kompensieren.
    Warum der Trainer den verunsicherten Hector schon wieder ins Mittelfeld nimmt, und ihn nicht , statt Höppemötzje Horn, auf der linken Seite spielen läßt, erschließt sich mir aber auch nicht.
    Dadurch werden schon mal zwei Positionen von Beginn an geschwächt.
    Ich finde übrigens, dass Drexler ein gutes Spiel gezeigt hat. Auch Öczan und die Innenverteidiger
    waren m.E. o.k.

  11. Cöln Christian says:

    Wir finden nach vorne leider keine Lösungen. Wenn ich wie der FC vorne einen Torjäger habe, muss ich ihn auch einsetzen. Heute wieder nichts. Hoffentlich ist MR bald wieder fit.
    Hinten wird’s ja besser. Der Schmitz ist kein schlechter.

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