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Vizepräsident Ritterbach verschafft sich mehr Profil


Die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln dürfte bei den Geissböcken noch länger nachwirken. Die Fronten dürfte sie kaum geschwächt haben. Doch die Positionen der einzelnen Verantwortlichen haben sich verschoben. Einer, der auf sich aufmerksam machen konnte, war Markus Ritterbach.

Köln – Der Vizepräsident des 1. FC Köln war in der Vergangenheit nicht gerade dafür bekannt, im Mittelpunkt zu stehen. Werner Spinner als Präsident und Toni Schumacher als sportliches Idol dominierten allenthalben die öffentlichen Diskussionen. Ritterbach blieb oft im Hintergrund.

Auf der Mitgliederversammlung am Mittwoch änderte sich dies. Ritterbach durfte sich am Ende des Abends auf die Fahne schreiben, den mit Abstand größten Applaus für seine Rede erhalten zu haben. Der 55-Jährige war nach Toni Schumacher als zweiter Redner ans Pult getreten. Der Tünn hatte zuvor über die sportliche Sicht des Vorstands gesprochen. Man erwartete nun, dass Ritterbach über die Arbeit der FC-Stiftung, über soziale Projekte und das Verhältnis zu Sponsoren und Förderern des FC sprechen würde. Doch es kam anders.

Das hat nichts mit Fußballkultur zu tun

Ritterbach sprach sehr bald über ein Thema, das ihn schon beim Mitgliederstammtisch des Vorstands vor einem Monat in den Vordergrund gespült hatte: den Vorfall in Köln-Bocklemünd, als FC-Fans einen Bus mit Anhängern von Union Berlin angegriffen hatten. „Am Tag unseres ersten Heimspiels der Saison hatte ich Gänsehaut“, sagte Ritterbach. „Ich war stolz auf unseren 1. FC Köln. Aber als dann die Nachricht von den Angriffen auf den Union-Bus kam, war ich nicht mehr stolz. Ich habe mich geschämt.“

In der Folge echauffierte sich Ritterbach, arbeitete sich an jenen Fans ab, die in den letzten Monaten für Aufsehen gesorgt hatten. „Zum Fußball gehört Respekt. Sich ins Stadion zu schleichen und eine Massenschlägerei zu provozieren, hat nichts mit Fußballkultur zu tun. Gegnerischen Spielern zu wünschen, dass sie sich umbringen, hat nichts mit Fußballkultur zu tun. Pyrotechnik auf Kinder zu schießen, hat nichts mit Fußballkultur zu tun. Nachts einen Bus und Polizisten anzugreifen, hat nichts mit Fußballkultur zu tun. Und erst recht nichts mit unserem 1. FC Köln. Das ist nicht unsere persönliche Meinung als Vorstand, sondern die überwältigen Mehrheit der FC-Fans und Mitglieder. Wir wollen diese Gewalt nicht. Hört damit auf!“

Standing Ovations für Ritterbach

Klare Worte Ritterbachs, die ihm gar Standing Ovations in der Lanxess Arena einbrachten. Er blieb damit im Laufe des Abends der einzige, dem dies gelang. Ritterbach brachte sich damit wohl erstmals in seiner Zeit als Vizepräsident den Mitgliedern nachhaltig ins Gedächtnis. Der Auftritt hinterließ Eindruck, während es den weiteren Reden mehrheitlich an Energie und Vision mangelte. Mehrere Mitglieder kritisierten hinterher, dass den Reden eine Botschaft gefehlt habe. Ritterbach konnte am Mittwochabend für sich beanspruchen, dass dies auf ihn nicht zutraf. Er hat sein Profil geschärft. Ein Jahr vor den nächsten Vorstandswahlen wohl kein schlechter Schachzug.

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