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Schulz und Wehrle: Wie kam der Modeste-Deal zustande?

Werben in China für Modeste fruchtet nicht

Martin Schulz wollte Bundeskanzler werden. Das hat der SPD-Politiker bekanntermaßen nicht geschafft. Doch beim 1. FC Köln fühlt man sich dem 62-Jährigen seit Samstag zu großem Dank verpflichtet. Schulz war laut Präsident Werner Spinner maßgeblich daran beteiligt, dass Anthony Modeste zukünftig wieder für die Geissböcke auflaufen wird. Auch, wenn die Ankündigung einer Klage des chinesischen Klubs Tianjin Quanjian zeigt, dass die Bemühungen nur bedingt geholfen haben.

Köln – Die Bemerkung kam überraschend. Als Werner Spinner den Deal mit Anthony Modeste am Samstagabend bereits verkündet hatte und alle Gäste sich auf einen amüsanten Abend eingestellt hatten, ergriff der Präsident noch einmal das Wort und dankte explizit dem ebenfalls anwesenden Martin Schulz für dessen Unterstützung beim Transfer von Anthony Modeste aus China zurück nach Köln.

In der Folge trat Schulz selbst auf die Bühne und wurde von Moderator Sven Pistor über seine Rolle in diesem Transfer ausgefragt. Schulz hielt sich mit Details zurück, erklärte jedoch: „Werner Spinner hatte mich angerufen und gefragt, ob ich behilflich sein könne. Es gebe ein Problem in China. Es gehe um Anthony Modeste. Da ich in China ein paar Verbindungen aus meiner bisherigen Tätigkeit als Politiker habe, habe ich diese versucht zu nutzen. In den letzten drei Wochen haben wir so mit viel Einfühlungsvermögen auf Tianjin eingewirkt, dass der Transfer möglich wird.“

https://twitter.com/fckoeln/status/1064080773081292801

So soll also Schulz, der selbst im Beirat der Geissböcke sitzt, zusammen mit Geschäftsführer Alexander Wehrle diesen Transfer in die Wege geleitet haben. Tatsächlich traf sich Wehrle wenig später auf Vermittlung Schulz‘ in China persönlich mit dem Eigentümer des Noch-Modeste-Klubs Tianjin Quanjian FC. Einen Auflösungsvertrag konnte Wehrle in diesem Treffen nicht erwirken, dazu hatte der FC-Geschäftsführer weder die Befugnis noch gab es darauf eine reelle Chance. Wehrle und Schulz hatten jedoch gehofft, die Chinesen dazu bewegen zu können, sich gedanklich von ihrem Spieler Modeste zu verabschieden und loszulassen.

Das hat ganz offensichtlich nicht gefruchtet. Nachdem Modeste im Sommer wegen ausstehender Gehaltszahlungen seinen Vertrag mit Tianjin Quanjian gekündigt hatte, bestätigte der Klub am Sonntag, diese Kündigung bis heute nicht zu akzeptieren. Man gehe weiterhin davon aus, dass die Gründe für die Kündigung nicht ausreichend seien, der Arbeitsvertrag mit dem Spieler weiterhin rechtsgültig sei und daran auch die Unterschrift beim 1. FC Köln nichts ändere. Für die Chinesen ist Modeste also weiterhin ein Spieler des Tianjin Quanjian FC. Sollte die FIFA anders entscheiden, wolle man den Internationalen Sportgerichtshof CAS anrufen. Es ist zu erwarten, dass umgekehrt wiederum Modeste vor den CAS ziehen würde, sollte die FIFA im Sinne des chinesischen Erstligisten entscheiden.

Ein Versuch, das Gesicht zu wahren?

Oder ist es bei den Chinesen nur ein bekannter Versuch fernöstlicher Diplomatie, auf diesem Wege das Gesicht zu wahren? Modeste ist überzeugt, dass sein Klub ihm eine erhebliche Summe an Geld schulden würde, was die Kündigung rechtskräftig mache. Wie viel genau, ist nicht bekannt. Von jährlich knapp über zehn Millionen Euro netto plus Boni und Sonderzahlungen für Flüge nach Köln war die Rede. Ein paar ausstehende Reisekosten dürften es also nicht gewesen sein, die Modeste zur Kündigung getrieben hatten. Um wie viel Geld es aber wirklich geht, wissen wohl nur Modeste, seine Anwälte und die Chinesen.

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