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Ein Jahr Armin Veh: Was der neue Sportchef verändert hat


Die Pressemitteilung kam am 6. Dezember 2017, als sich der Tross des 1. FC Köln auf dem Weg nach Belgrad zum letzten Spiel in der Europa League befand: „Armin Veh wird FC-Geschäftsführer“, hieß die Überschrift. Zum 11. Dezember 2017 werde der einstige Bundesliga-Trainer und Deutsche Meister die Rolle des Sportchefs bei den Geissböcken übernehmen. Ein Jahr später hat sich der FC unter Veh bereits verändert.

Köln – „Armin, vielen Dank, dass Du Dich in dieser schwierigen Phase für uns entschieden hast und ich freue mich auf eine gemeinsame Zusammenarbeit.“ Mit diesen Worten hatte Geschäftsführer Alexander Wehrle die Vorstellung von Armin Veh auf der Pressekonferenz am 11. Dezember 2017 eingeleitet. „Dankeschön“, erwiderte Veh mit einem Lächeln. „Ich hoffe, das sagst Du nach zweieinhalb Jahren immer noch.“

Veh hatte zu diesem Zeitpunkt als Nachfolger von Jörg Schmadtke einen Vertrag bis zum Sommer 2020 unterschrieben. An seinem ersten Tag sprach der heute 57-Jährige von einer „Leidenschaft für ein mittel- und langfristiges Projekt“, die er nach seiner Trainerkarriere in den FC einbringen wolle. „Ein großer Klub“ sei der Effzeh, den es gelte, wieder in die Spur zu bringen. Das gab Veh für sich als Ziel aus. Nach einem Jahr hat er einige Weichen bereits gestellt. Der Erfolg in Liga zwei gibt ihm bislang Recht.

Personelle Situation

Mit Veh haben sich die Strukturen bei den Geissböcken auf den ersten Blick nicht verändert. Mit dem 57-Jährigen kam ein Nachfolger für Jörg Schmadtke ins Amt, der ebenso wie sein Vorgänger als rechte Hand nach Jörg Jakobs mit Frank Aehlig einen Vertrauten zum FC brachte. Darüber hinaus besetzte Veh aber viele weitere Positionen neu. Von Torwarttrainer Andreas Menger über die beiden Atheltik- und Reha-Coaches Max Weuthen und Dennis Morschel bis zur Verkleinerung und Veränderung der Scoutingabteilung und der Ernennung von Matthias Heidrich als neuen Nachwuchschef installierte Veh in einigen Abteilungen neue Köpfe. Mit Markus Anfang und dem neuen Trainerteam folgte Veh im Frühjahr zudem der Idee, die der Vorstand zusammen mit Jörg Jakobs bereits vor der Ernennung Vehs als Plan A für die Nachfolge von Peter Stöger ausgewählt und kontaktiert hatte. Der FC im Dezember 2018 ist personell also in entscheidenden Bereichen nicht mehr mit den Geissböcken aus dem Vorjahr zu vergleichen.

Sportliche Situation

Veh betonte im Sommer zum Beginn der Vorbereitung, dass ihm zum Amtsantritt zunächst in Teilen die Hände gebunden wären. Es sei mehr ein „Verwalten“ gewesen und ein Vorbereiten des Wiederaufbaus nach einem vorhersehbaren Abstieg gewesen. Dafür wurde Veh kritisiert, doch der Neuaufbau im Sommer folgte klaren Vorstellungen. Veh sortierte an einigen Stellen im Profikader aus, konnte zwar keinen Radikalschnitt vollziehen, schreckte dabei aber auch nicht vor unpopulären Maßnahmen zurück, indem er zum Beispiel Dominique Heintz gehen ließ.

Hingegen schaffte es Veh, mit mehreren Personalien eine Duftmarke für seine Arbeit und die Zukunft des FC zu setzen: Dass vor allem Jonas Hector und Timo Horn beim FC blieben, gehört zu den größten Erfolgen, die Veh in seinem ersten Jahr verzeichnen konnte. Darüber hinaus zog er mit Louis Schaub ein Offensivjuwel an Land, die Rückholaktion im Winter von Simon Terodde erweist sich in der Zweiten Liga als Volltreffer, ohne Verletzungen würde wohl auch Vincent Koziello eine noch größere Rolle spielen und mit Dominick Drexler scheinen Veh und Anfang ebenfalls ein gutes Händchen bewiesen zu haben. Dass sich zudem die Rückholaktion von Anthony Modeste auszahlen wird, davon geht jeder am Geißbockheim aus. Dafür braucht es allerdings noch die Spielgenehmigung durch die FIFA.

Neben Vehs Aufgabe, die Profis zurück in die Bundesliga zu führen, wird es für den Geschäftsführer Sport in den kommenden Monaten aber auch darum gehen, im Nachwuchs zusammen mit Heidrich und Carsten Schiel die Weichen zu stellen. Die taumelnde U21 bedarf einer radikalen Generalüberholung. Der sportliche Erfolg der U19 und U17 soll sich bestenfalls in Talenten zeigen, die den Sprung zu den Profis schaffen. Noah Katterbach scheint der erste aus dieser Riege zu sein. Weitere sollen im Optimalfall folgen, darunter Yann Aurel Bisseck, Nikolas Nartey, Tomas Ostrak und Darko Churlinov. Dass der FC im Winter keine neuen Spieler holen will, liegt auch an der Entwicklung Katterbachs, um ihm keinen Konkurrenten vor die Nase zu setzen.

Wirtschaftliche Lage

Durch die Verpflichtung Modestes ist, so hört man aus dem Geißbockheim, das Budget für diese Saison eigentlich ausgeschöpft. Neuzugänge soll es im Winter keine mehr geben, jedoch dürfte Veh geneigt sein, abwanderungswillige Spieler oder solche, die keine Zukunft mehr beim FC haben, auch schon im Winter von der Gehaltsliste zu bekommen und den Kader damit weiter nach seinen Wünschen umzubauen. Im Sommer vollzog Veh schon den ersten Schritt, investierte 15,6 Millionen Euro in neue Spieler, nahm 18,9 Millionen Euro durch Abgänge ein. Anschließend nannte der Sportchef die Mannschaft nun „meinen Kader“. Mit Wehrle zusammen wuchtete Veh einen Lizenzspieleretat von rund 24 Millionen Euro, der sich durch Modeste noch einmal erhöht hat. Alleine daraus ergab sich zweifellos das Saisonziel Aufstieg. Doch auch organisatorisch und strukturell erklärte Veh, dass der Klub erstklassig aufgestellt sei. Den „krassen Gegensatz“ zum sportlichen Abstieg müsse man nun so schnell wie möglich korrigieren.

Die Perspektive

An dieser Korrektur arbeitet Veh mit Trainer Anfang nun. Nach den zwischenzeitlichen Problemen mit fünf Pflichtspielen ohne Sieg setzten sich Geschäftsführer und Trainer zusammen und berieten über mögliche Veränderungen im Kölner Spiel. Heraus kam das 3-5-2, das den Geissböcken die Wende und vier Siege in Serie bescherte. Wie schwer der Aufstieg werden würde, hatten Manager und Trainer gleichermaßen immer wieder betont. Veh hatte aber auch seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass die Mannschaft, je länger die Saison laufen würde, desto besser auftreten würde. Dies scheint sich nun zu bewahrheiten.

Veh weiß aber auch, dass ein Zwischenfazit im Dezember eines Kalenderjahres keine echten Lorbeeren bringen kann. „Es nützt nichts, wenn ich jetzt etwas bewegt habe und am Ende schaffen wir es nicht“, sagte der 57-Jährige auf der FC-Vereinswebsite. „Mein großes Ziel ist, den Verein wieder dahin zu bringen, wo er hingehört. Wir stellen jetzt die Weichen, aber entscheidend ist, was am Ende rauskommt.“ Veh weiß jedoch, dass es auch mit diesem Erfolg längst nicht getan wäre. Die Weisheit, aufzusteigen sei leichter als anschließend in der Bundesliga zu bleiben, ist zwar umstritten. Doch sie würde auch für den FC 2019 nach einer Rückkehr in Liga eins gelten. Insofern hat die Arbeit des neuen Sportchefs erst begonnen.

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