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Kommentar: Ein gutes Ende als neuer Anfang?


Anthony Modeste darf wieder für den 1. FC Köln spielen. Wenn es stimmt, wie es nun heißt, hat der Effzeh den Franzosen ablösefrei zurückgeholt und von der FIFA keine vorläufige, sondern eine dauerhafte Spielgenehmigung erhalten (mehr dazu hier). Dies ist ein Coup für Alexander Wehrle, Armin Veh und den Klub.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Es ist müßig darüber zu sinnieren, dass die Rückkehr des Franzosen zwar ablösefrei geschieht, doch die einstige Rekordablöse durch den Abstieg längst wieder verbrannt ist. Geschehenes lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Es ist auch müßig in alten Aussagen zu wühlen, mit denen die FC-Bosse den Stürmer einst vom Hof gejagt, ihm gar prophezeit hatten, er werde nie wieder so eine gute Saison spielen wie 2016/17.

Diese Worte fielen in einer hitzigen Phase monatelanger Verhandlungen und persönlicher Verletzungen, Kränkungen und Eitelkeiten. Sie werden im Kern zwar einige Wahrheiten enthalten haben. Doch auch diese Zeit liegt lange genug zurück, um lieber über das Hier und Jetzt zu reden. Die monatelange Hängepartie, seit Modeste erst mit der U21 zu trainieren begann, am 17. November 2018 einen Vertrag unterschrieb, aber bis zum 14. Februar 2019 auf seine Spielgenehmigung warten musste, ist beendet. Also Ende gut, alles gut?

Veh und Wehrle sind die Sieger im Poker

Es liegt an Modeste und dem Trainerteam, den Stürmer wieder zu alter Stärke zu führen. Fakt ist: Modeste hat 2017/18 in einer unterklassigen Liga gespielt. Modeste hat seit dem 20. Mai 2017 kein Pflichtspiel mehr auf Bundesliga- oder Zweitliga-Niveau und seit dem Sommer 2018 überhaupt kein Spiel mehr bestritten. Modeste fehlt noch die Fitness, die er für sein Spiel dringend benötigt. Und Modeste ist älter geworden. Um seinem hochdotierten und langfristigen Vertrag gerecht zu werden, liegt also noch viel Arbeit vor dem Spieler und den Trainern.

Sollte der Stürmer aber erst einmal ins Rollen kommen, so dürfte ihn zumindest in der Zweiten Liga ähnlich wenig aufhalten wie Simon Terodde oder Jhon Cordoba. Im Winter gab der FC mit Simon Zoller und Serhou Guirassy zwei Stürmer ab, von denen man aktuell wie perspektivisch nicht mehr überzeugt war. Das war trotzdem ein Risiko, da die Causa Modeste längst nicht geklärt war. Doch Armin Veh und Alexander Wehrle haben den Poker gewonnen. Denn jetzt sitzt der wohl gefährlichste (und teuerste) Joker der Zweitliga-Geschichte auf der Kölner Bank. Einen gewaltigeren Sturm als mit Cordoba, Modeste und Terodde hat wohl noch nie ein Zweitligist aufgeboten. Nicht einmal RB Leipzig. Das ist vor allem der Verdienst der beiden Geschäftsführer.

Der unnötige Beigeschmack

Insofern könnte das gute Ende tatsächlich ein neuer Anfang für den FC gewesen sein – und ein Knackpunkt im Kampf um den Aufstieg. Jedoch bedarf es wohl noch einer internen Aufarbeitung der Art und Weise, wie der FC die Causa Modeste in der Öffentlichkeit gehandhabt hat. Die Verantwortlichen verkalkulierten und vergaloppierten sich zunächst noch komplett. Das schrittweise Zurückrudern in Folge der voreiligen Kommunikation auf der 70-Jahr-Feier tötete zwischenzeitlich nahezu jegliche Euphorie um die Rückkehr des Stürmers und Hoffnungsträgers und ließ mehr genervte als entzückte Fans zurück. Am Ende können sich die FC-Bosse zwar zu Recht auf die Schultern klopfen. Doch den Weg bis zu diesem positiven Ende hätte man sich weitaus einfacher machen können. Nämlich so, wie Veh eigentlich gerne Transfers abarbeitet: im Hintergrund, in Ruhe und erst dann öffentlich, wenn der Deal wirklich in trockenen Tüchern ist. Dies hätte dem FC in den letzten Wochen besser zu Gesicht gestanden und dem Klub viel Aufregung erspart.

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