,

Kommentar: Ein Schulterschluss mit deutlicher Warnung


Armin Veh hat in Folge der angeblichen Spitzel-Affäre mit deutlichen Worten einen Schulterschluss mit Markus Anfang vollzogen (mehr dazu hier). Der Sportchef des 1. FC Köln wollte zeigen, dass es menschlich mit seinem Trainer weiter funktioniert. Ein wichtiges Signal, schließlich hat man das beim FC in der Abstiegssaison schon anders erlebt. Doch sportlich gab es eine ebenso klare Ansage, die niemanden – auch Anfang nicht – überraschen kann.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Jeder Trainer, ob im Fußball oder in einer anderen Mannschaftssportart, hat in einem Kader seine Vertrauensspieler. Spieler, mit denen sich ein Coach austauscht, bespricht und neben taktischen und trainingsspezifischen Dingen auch die Stimmung im Team diskutiert. Dies sind normale Vorgänge, die es genauso in Unternehmen gibt. Chefs wollen wissen, wie es ihren Mitarbeitern geht. Das gilt auch für Markus Anfang als Trainer des 1. FC Köln.

Der Vorwurf aber, Anfang habe sich in der Mannschaft Spitzel gesucht, zielte auf etwas anderes. Er sollte suggerieren, dass Anfang seine Mannschaft ausspionieren und wissen wollte, ob Spieler möglicherweise hinter seinem Rücken schlecht über ihn reden oder sich nicht an die Regeln halten würden. Woher der Vorwurf kommen dürfte, ist nicht schwer zu erraten. Dass Berater unzufriedener Spieler oder solche Spieler selbst versuchen am Stuhl eines Trainers zu sägen, ist so alt wie der Fußball selbst. Und dass man dabei gezielt potentielle Lieblingsspieler des Trainers in Diskredit bringt (wie in Köln die beiden Ex-Kieler Czichos und Drexler), gehört ebenso dazu.

Ob der Vorwurf letztlich ein Fünkchen Wahrheit (oder gar mehr) in sich trägt, ist nun gar nicht mehr so relevant. Das Gerücht ist in der Welt, die Saat der Skepsis gesät. Und weil es bereits zuvor Gerüchte um Grüppchenbildungen im Kader gegeben hatte, demonstriert dieses Kapitel vor allem, dass es in der Tat Risse gibt – im Mannschaftsgefüge selbst und im Verhältnis zumindest einiger Spieler zum Trainerteam. Das konnte auch der energische, wortgewaltige Auftritt des ehrlich entrüsteten Sportchefs Veh nicht aus der Welt räumen.

Allerdings dürfte sich Anfang auch bewusst sein, dass Veh nicht nur den menschlichen Schulterschluss mit seinem Trainer suchte, sondern auch einen anderen Satz fallen ließ. Veh wurde gefragt, was er von den schon zehn Trainerentlassungen in der Zweiten Liga halte. Vehs erster Satz der Antwort lautete: „Meistens macht man das dann, wenn man seine Ziele gefährdet sieht.“ Genau das hatte Veh bekanntlich selbst dem FC als Zeugnis nach dem 2:3 in Paderborn ausgestellt – dass das Ziel Aufstieg gefährdet sei, wenn es so weitergehe. Menschlich mag zwischen Veh und Anfang also weiterhin ein enger Austausch herrschen. Sportlich darf sich Anfang mit seiner Mannschaft aber keine Ausrutscher mehr erlauben.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar