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Kommentar: Der Ausgang des Konflikt ist völlig offen


Am Dienstag um 15 Uhr beginnt für die Spieler des 1. FC Köln wieder der Trainingsalltag. Hinter verschlossenen Türen aber dürfte der Streit zwischen Armin Veh und Werner Spinner erst richtig Fahrt aufnehmen. Was Veh will, ist offen. Was Spinner will, auch. Beide sind jetzt gefordert, um im Sinne des Vereins eine Lösung zu finden.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Als Markus Anfang am Sonntag nach dem 2:1-Sieg des 1. FC Köln beim FC Ingolstadt 04 meinte, seine Spieler sollten es nun zu Rosenmontag richtig krachen lassen, dachte er wohl nicht daran, dass es auch beim FC so richtig krachen könnte. Dass es so kam, hatte er seinem Geschäftsführer Sport, Armin Veh, zu verdanken.

Auch am Tag nach der Offenlegung des Bruchs zwischen Veh und Präsident Werner Spinner war man sich beim 1. FC Köln noch immer nicht sicher, in welche Richtung sich diese Vertrauenskrise zwischen Sportchef und Vereinsboss entwickeln könnte. Denn hat Veh seine Ziele offen gelassen. Wollte er einfach nur ein anderes Arbeitsklima einfordern? Dann waren seine Worte zu drastisch gewählt. Wollte er seinen Co-Geschäftsführer Wehrle, die Vizepräsidenten Ritterbach und Schumacher, den Mitgliederrat und den Aufsichtsrat dazu auffordern, sich entweder für ihn oder Spinner zu entscheiden? Oder wollte er einfach nur offen legen, was bis dato im Argen gelegen hatte, ohne die Konsequenzen aber selbst zu überschauen? Für eine einfache Retourkutsche jedenfalls waren die Aussagen zu deutlich.

Was lässt Spinners Selbstverständnis zu?

In jedem Fall hat sich Veh einer „lame duck“ (Ausdruck für Politiker am Ende einer Amtsperiode) entgegen gestellt. Also einem Präsidenten, dem im Herbst kaum noch Chancen eingeräumt werden, eine weitere Amtszeit zu bekommen – wenn Spinner sie überhaupt anstreben würde. Um den 70-Jährigen war es in den vergangenen Wochen ruhig geworden. Er fehlte auf der Karnevalssitzung und beim Rosenmontagszug, verfolgte die Spiele der Profis aus dem Urlaub lediglich aus der Distanz. Gerüchte zu seinem Abschied, weil er sein Herz schonen wolle, ließ er zwar halbwegs dementieren. Doch es hatte sich bereits vor der letzten Mitgliederversammlung das Gerücht aufgetan, wonach Spinner vorzeitig seinen Hut nehmen könne.

Nun ist Spinner allerdings keiner, der einfach so hinschmeißen würde. In seinem Selbstverständnis ist verankert, den eigenen Abschied selbst zu wählen, selbst zu verkünden und sich nicht dazu drängen zu lassen. Schon gar nicht durch eine öffentliche Herausforderung eines Angestellten, der Veh per Vereinsstruktur ist. Genauso hat Spinner in der Vergangenheit durchklingen lassen, bei der Suche seines Nachfolgers mithelfen zu wollen. Dies hat sich der Mitgliederrat zwar verboten. Nichts desto trotz könnte Spinner dazu geneigt sein, einen geeigneten Kandidaten ausgucken, der mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach in einer Kampfabstimmung antreten würde. Ganz so „lame“ will Spinner also nicht sein. Vor allem kein kritisierter Spinner, der sich in der Vergangenheit nur selten deutliche Widerworte gefallen ließ und in solchen Fällen eher zum Gegenangriff überging.

Nach Schmadtke entgleitet Spinner auch Veh

Die Frage lautet also: Wird der 70-Jährige gegen Veh aktiv werden, werden sie versuchen für die verbliebenen Monate bis zu Spinners Abdankung einen Burgfrieden zu schließen oder wird sich der Präsident gar dem internen Druck beugen? Für einen Rauswurf des Managers bräuchte Spinner eine Mehrheit im Gemeinsamen Ausschuss. Diese erscheint aktuell unwahrscheinlich. Auch, weil den Gremiumsmitgliedern nicht entgangen ist, dass dem Präsidenten nach Jörg Schmadtke nun schon der zweite Manager entglitten ist. Auch deswegen muss der Ausschuss beide Führungspersonen, Spinner und Veh, anhören und zu einem Gespräch zusammenbringen. Denn Spinner und Veh haben beide stets betont, der Klub stünde über allem. Das müssen sie nun beweisen und die bestmögliche Lösung im Sinne des 1. FC Köln finden.

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