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„Bin ein selbstbestimmender Mensch“: Deutet Veh seinen Abschied an?


Armin Veh plant dieser Tage die neue Saison mit dem 1. FC Köln. Der Geschäftsführer Sport hat sich mit dem künftigen Trainer Achim Beierlorzer darüber verständigt, auf welchen Positionen der Kader nachgebessert werden muss. Doch der 58-Jährige denkt über die anstehende Transferperiode hinaus. Denn sein Vertrag läuft nur noch bis 2020.

Köln – Aktuell ist Armin Veh der starke Mann beim 1. FC Köln. Der Interimsvorstand um Stefan Müller-Römer und die beiden scheidenden Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach würde es zwar nie zugeben, ist praktisch aber handlungsunfähig, weil in sich gespalten. Der Gemeinsame Ausschuss scheut die Konfrontation mit der Geschäftsführung, um neben dem Vorstand kein noch größeres Vakuum an der Führungsspitze zu riskieren. Und so können Armin Veh und Alexander Wehrle gerade praktisch schalten und walten, wie es ihnen beliebt. Große Gegenwehr aus den Kontrollgremien haben sie nicht zu erwarten.

Zumindest nicht bis zum 8. September, wenn ein neuer Vorstand gewählt werden wird. Dann dürften Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren das Zepter bei den Geissböcken übernehmen. Bekanntlich sind dann schon die Weichen für die neue Bundesliga-Saison gestellt, der Transfermarkt geschlossen, der Kader zusammengestellt, die Saison drei Spieltage alt, die erste DFB-Pokal-Runde gespielt und der Blick auf einen heißen Herbst gerichtet. Erst dann wird sich das mutmaßlich künftige Präsidium mit strategischen Entscheidungen befassen müssen und können, die eigentlich jetzt anstünden. Eine davon ist die Vertragssituation von Armin Veh.

Vielleicht habe ich die Klarheit schon…

Der Kontrakt mit dem Geschäftsführer Sport läuft bis 2020. Branchenüblich wäre es gewesen, über eine Verlängerung nun nach dem erfolgten Aufstieg zu sprechen, um nicht mit einem Sportchef in die Saison zu gehen, von dem nicht klar ist, ob er über die Saison 2019/20 hinaus überhaupt in Köln bleiben will und wird. Aktuell ist gänzlich offen, ob der künftige Vorstand einen Veh-Verbleib wünscht und anstreben wird oder ob Veh unter dem neuen Vorstand überhaupt bleiben wollen würde.

Für Aufsehen dürften nun Vehs Ausagen im Interview mit dem Express sorgen. Zu seiner persönlichen Zukunft gefragt, antwortete Veh: „Vielleicht habe ich die [Klarheit über die Zukunft] schon, ich bin ein selbstbestimmender Mensch. In der jetzigen Situation, wo feststeht, dass wir einen neuen Vorstand kriegen, ist auch klar, dass wir erst ab September über meine Zukunft sprechen“, sagte der Geschäftsführer. Als Trainer war Veh dafür bekannt, stets nur Ein-Jahres-Verträge abzuschließen und, wie in Stuttgart und Frankfurt geschehen, aus eigenem Antrieb heraus den Klub zu verlassen, wenn er das Gefühl hatte, sich verändern zu wollen. In seiner Rolle als Geschäftsführer betonte er zwar zuletzt, er habe eine andere Verantwortung. Den Wesenszug, sich von nichts abhängig machen zu wollen – und sich damit auch nicht langfristig binden zu wollen -, hat Veh aber behalten.

Zum vom Mitgliederrat nominierten Vorstand hat Veh noch keine Beziehung aufgebaut. Es hat erst ein Gespräch gegeben. „Ich glaube, dass die drei ein gutes Team sind“, sagte Veh diplomatisch. Längst ist aber bekannt, dass sich die Geschäftsführung eigentlich ein Präsidium mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach gewünscht hätte. Alexander Wehrle hatte sich in den vergangenen Monaten offen für das Duo eingesetzt und hätte eine Gegenkandidatur begrüßt. Veh hatte sich zurückgehalten. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass der Sportchef zumindest stark bezweifelt, mit dem mutmaßlich künftigen Vorstand konstruktiv zusammenarbeiten zu können.

Erklären kann ich gerne alles – diskutieren geht mir aber zu weit

Auch, weil das Vorstandstrio um Werner Wolf mit dem Vorsatz antritt, die Geschäftsführung künftig wieder stärker kontrollieren zu wollen. Veh sagte zwar, er habe „kein Problem damit, transparent zu sein und die Dinge, die ich vorhabe, zu erklären“. Über dieses Erklären hinaus werde er aber nicht gesprächsbereit sein. „Erklären kann ich gerne alles – diskutieren geht mir aber zu weit.“ Ob sich der künftige Vorstand damit zufrieden geben wird, darf bezweifelt werden. Auch deshalb dürfte sich Veh vorsorglich bereits mit dem Gedanken befassen, „selbstbestimmend“ entscheiden zu wollen, ob er überhaupt an Vertragsgesprächen über 2020 hinaus interessiert sein wird.

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