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Der Effzeh hat ein „sportliches Beratungsgremium“


Beim 1. FC Köln ist im Zuge des schwelenden Wahlkampfs um das Präsidentenamt eine Diskussion um die Macht der einzelnen Gremien von Verein und KGaA entbrannt. Ein Gremium spielte dabei bislang keine Rolle, obwohl es in der offiziellen Unternehmensstruktur der ausgelagerten Profiabteilung vorgesehen ist: ein „sportliches Beratungsgremium“.

Köln – Armin Veh hatte Kritik einstecken müssen für seine Aussage im Kölner Stadt-Anzeiger, wonach der Effzeh nicht demokratisch geführt werden könne. Der Sportchef meinte damit wohl den operativen Bereich, der ihm als Geschäftsführer Sport unterstellt ist. Dass dieser Bereich freilich nicht direkt vom höchsten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, beeinflusst werden kann, dürfte der 58-Jährige sehr wohl wissen. Aber wie ist der FC überhaupt strukturiert? Ein Überblick.

Der Verein

Die Mitgliederversammlung ist laut Satzung „das höchste Organ des Vereins“. Es wählt den Mitgliederrat, der wiederum das Vorschlagsrecht für einen Vorstand hat, der anschließend von der Mitgliederversammlung gewählt werden kann. Die Wahlen selbst werden von der Wahlkommission beaufsichtigt. So weit, so klar.

Darüber hinaus gibt es den Beirat des Vereins. Dieser ist laut Satzung besetzt aus „Persönlichkeiten der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, die bereit sind, sich mit Rat und Tat für die Belange des Vereins einzusetzen“. Die Mitglieder des Beirats werden vom amtierenden Vorstand berufen, und zwar für die Amtszeit des Vorstands. Der Beirat hat eine beratende Funktion und soll den Vorstand bei dessen Arbeit unterstützen. Auffällig: In diesem beratenden Gremium sitzt kein Fußballexperte oder einstiger Profifußballer.

Die KGaA

Mit dem Gemeinsamen Ausschuss beginnt der Übergang vom 1. Fußball-Club Köln 01/07 e.V. zur 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA, die den Spielbetrieb von den Profis bis runter zur U17 betreibt. Denn der Vereinsvorstand bestellt und kontrolliert zwar die Geschäftsführung der KGaA, und der Vorstand wird wiederum auf Vereinsebene vom Mitgliederrat kontrolliert. Doch alle Geschäfte von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung bedürfen der Zustimmung des Gemeinsamen Ausschusses. Dieser, kurz GA, besteht aus den drei Mitgliedern des Vorstands, den zwei Vorsitzenden des Mitgliederrats, dem Vorsitzenden des Beirats sowie dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, dem Kontrollgremium der KGaA.

Offiziell also verfügt der FC insgesamt über folgende Gremien: Mitgliederversammlung, Mitgliederrat, Vorstand, Wahlkommission und Beirat auf Vereinsseite – der Gemeinsame Ausschuss als Bindeglied – der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung auf KGaA-Seite. Acht Instanzen, eine ganze Menge, jedoch mit eigentlich klaren Aufgaben-, Zuständigkeits- und Verantwortungsbereichen. Alleine, so recht leben wollten die Verantwortlichen des FC diese Strukturen in den letzten Jahren nicht mehr.

Das „Sportliche Beratungsgremium“

Ein weiteres Gremium wurde in den letzten Jahren dagegen komplett vernachlässigt. Wer auf der Klub-Website ein bisschen gräbt, findet im Bereich der KGaA die „Unternehmensstruktur“ des FC (hier). Im Segment „Sportlicher Bereich“ steht unterhalb der Geschäftsführung und neben dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, Frank Aehlig, ein Sonderpunkt: „Sportliches Beratungsgremium„. Dieses Gremium, wie es beispielsweise Borussia Dortmund durch externe Berater aufgebaut hat, wurde bislang beim FC nicht installiert. Nach GBK-Informationen ist in der FC-Führungsetage aktuell nicht einmal allen bekannt, dass eine solche Instanz vorgesehen wäre.

Ob diese benötigt wird und ob sich ein Geschäftsführer Sport von einer solchen Instanz überhaupt beraten ließe, steht auf einem anderen Blatt. Einerseits, weil so der Gremienumfang noch einmal weiter aufgeblasen würde. Andererseits, weil die Mitglieder eines solchen Gremiums auch direkt im Aufsichtsrat der KGaA ihren Platz finden könnten. Dort sitzt mit Dr. Jörg Jakobs aktuell nur ein einziger Experte für den fußballerischen Bereich. Überhaupt ist der ehemalige Sportdirektor der Geissböcke im Aufsichts- sowie im Beirat das einzige Gremienmitglied mit Erfahrung im operativen Geschäft des Profifußballs. Man darf gespannt sein, wie die Kontroll- und Beratungsgremien besetzt werden, sobald im September ein neues Präsidium gewählt wurde. Die Stimme der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung dürfte daher weitreichende Folgen haben, die sich durch fast alle Gremien ziehen könnten.

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