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Unter Löw-Ersatz nur Ersatz: Hectors schwerer Weg


Jonas Hector ist zurück in der deutschen Nationalmannschaft. Am Samstag in Weißrussland musste der Linksverteidiger des 1. FC Köln jedoch 90 Minuten zuschauen. Die Rückkehr in den Kreis der DFB-Elf mag den 29-Jährigen gefreut haben. Die Rückkehr in die Stammformation dürfte aber schwer werden. Auch, weil Nico Schulz den Weg ging, den Hector nicht ging.

Das 2:0 der Nationalelf in Weißrussland war freilich kein fußballerischer Leckerbissen. Doch unter Ersatz-Bundestrainer Marcus Sorg, der für den verletzten Joachim Löw einsprang, blieb Hector nur die Rolle des Zuschauers. Zwar könnte sich das im zweiten EM-Qualifikationsspiel am kommenden Dienstag gegen Estland schon wieder ändern. Dauerhaft jedoch muss sich Hector womöglich von seinem Stammplatz verabschieden.

Seit März 2015 war Hector unangefochtener Stammspieler unter Joachim Löw. Dreieinhalb Jahre, bis zum Flop bei der WM 2018 in Russland, spielte der Kölner Nationalspieler praktisch immer. Hector war nicht nur immer dabei, wenn er fit war. Er spielte auch in 40 von 44 Spielen von Beginn an. Nach der WM 2018 kam es zum Bruch. Nicht nur persönlich mit dem FC und dem Abstieg in die Zweite Liga, auch in der Nationalmannschaft. In zwei der folgenden vier Länderspielphasen wurde der Kölner nicht mehr nominiert, im Oktober und November 2018 spielte er je einmal über 90 Minuten und saß je einmal – wie nun in Weißrussland – auf der Bank.

Schulz geht den Weg, den Hector nicht ging

Mit Nico Schulz und Marcel Halstenberg stehen mittlerweile zwei ernsthafte Konkurrenten zu Hector im DFB-Kader. Schulz, drei Jahre jünger als der Kölner, durfte in Weißrussland von Beginn an ran. Halstenberg, zwei Jahre jünger, blieb neben Hector Bankdrücker. Beide Konkurrenten haben Hector bekanntlich etwas voraus: Sie spielen international, Schulz in der vergangenen Saison in Hoffenheim und künftig beim BVB, Halstenberg bei RB Leipzig. Zwei Topklubs, mit denen Köln nicht konkurrieren kann, bei denen die beiden Linksverteidiger auf höherem Niveau und auch offensiv stärker gefordert sind als Hector mit Köln in der Bundesliga. Und weil unter Sorg/Löw am Samstag wieder in einem 3-4-3 agiert wurde, sprechen gerade die offensiven Fähigkeiten und das Tempo der beiden Konkurrenten eher für sie als für den 29-Jährigen vom Effzeh.

Dass Löw Hector schätzt, bleibt dabei unbestritten. Der Kölner galt in den vergangenen Jahren als loyaler, mannschaftsdienlicher, lernwilliger und verlässlicher Schüler des Bundestrainers. Löw schätzt solche Eigenschaften, oftmals sogar mehr als die individuelle Klasse der jeweiligen Spieler. Und so weiß der Nationalspieler, dass er im Falle guter Leistungen in der Bundesliga auf der Position des Linksverteidigers immer eine Option bleiben wird. Vor allem aber Schulz hat mit seinem Wechsel zum Vizemeister aus Dortmund auch in der Wahrnehmung des Deutschen Fußball-Bundes noch einmal einen Schritt aus dem Schatten gemacht. Diesen Schritt hatte sich Hector bekanntlich im vergangenen Sommer nicht getraut, sondern war mit Köln in die Zweite Liga gegangen. Gut für den FC, aber womöglich der Nationalmannschafts-Karriere Hector weniger zuträglich.

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