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Geißbockheim-Ausbau? Reker: „Es hat ein Umdenken stattgefunden“


Muss sich der 1. FC Köln komplett neu aufstellen und umorientieren? Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat am Freitag eine politische Bombe platzen lassen, indem sie deutlich vom Ausbau des Geißbockheims abgerückt ist. Sollte es tatsächlich so kommen, dass der FC die Unterstützung der Politik verliert, wäre der Klub wohl zu einem Wegzug aus dem Grüngürtel gezwungen.

Köln – Die Äußerungen von Henriette Reker kommen überraschend. Nicht nur, weil sich die Kölner Oberbürgermeisterin in der Vergangenheit eigentlich für den 1. FC Köln und dessen Geißbockheim- und Stadionpläne stark gemacht hatte. Sondern auch, weil die Äußerungen zwei Wochen vor dem 30. August kommen, ein Datum, bis zu dem sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt noch zu den Ausbau-Plänen des FC äußern können.

Was aber hat Reker überhaupt gesagt? Sie könne sich auch alternative Standorte für ein Trainingszentrum des Bundesligisten vorstellen, erklärte Reker am Freitag der Kölnischen Rundschau. „Mir wäre es am liebsten, mit dem FC eine gute und einvernehmliche Lösung zu finden.“ Eine „gute und einvernehmliche Lösung“ heißt in der Regel, dass man sich nicht einig wird, aber alle Seiten das Gesicht wahren müssen. Reker machte damit deutlich, dass mit ihr wohl kein Ausbau im Grüngürtel und an den Gleueler Wiesen zu machen sein wird.

Der Klimanotstand ist ernst gemeint

Die Oberbürgermeisterin dürfte ein Jahr vor der nächsten OB-Wahl in Köln die Nase kräftig in den Wind gehalten und gemerkt haben, dass sich ein Sturm über Köln und dem Geißbockheim zusammenbraut. Und so schwenkte die Politikerin um, sogar sehr deutlich, und folgt nun der Argumentation der Umweltschützer und der Grünen: „Der Klimanotstand ist ernst gemeint. Es hat ein Umdenken stattgefunden.“ Manchmal würden sich die Dinge eben ändern, es gebe derzeit eine große Unterstützung für die Umweltbewegung, heißt es aus Rekers Sicht in dem Bericht. „Und ich nehme auch die Argumente in der Offenlage der Pläne sehr ernst.“

Diese Offenlage läuft noch zwei Wochen. Dann wird der Baudezernent Markus Greitemann die Einreichungen der Bürger prüfen und im kommenden Jahr dem Stadtrat eine Empfehlung geben, ob der Ausbau durchgeführt werden kann oder nicht. Selbst wenn Greitemann dem FC-Antrag folgen würde, wären jahrelange Klagen der Bürgerinitiativen sicher. Das weiß auch Reker, und so setzte sie nun auf das Pferd Umwelt und stellte sich dem FC deutlich entgegen. Und das nicht nur in Sachen Geißbockheim-Ausbau.

War der FC Anfang Juli zu voreilig?

Auch in Sachen Stadionausbau in Müngersdorf bezog Reker Stellung und machte dem FC wenig Hoffnung auf einen Ausbau in Richtung der erträumten 75.000 Zuschauer. „In der von der FC gewünschten Form wird der Ausbau dort voraussichtlich nicht möglich sein“, sagte Reker. Worte in einer Deutlichkeit, die man von der Kölner OB so bislang nicht kannte, die man sich beim FC aber wohl schon vor zwei Jahren gewünscht hätte, aber nicht bekam. Lange lavierte Reker herum, versuchte den FC zu umgarnen, sah die Proteste der Umweltschützer nicht kommen und nahm diese nicht ernst. Nun springt sie offenbar auf den Zug auf, in der Hoffnung, eine breite Unterstützung zu gewinnen, um im kommenden Jahr noch einmal für den OB-Posten zu kandidieren.

Entsprechend überrascht zeigte sich FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle ob der Äußerungen Rekers: „Wir befinden uns in einem geordneten Verfahren und tun alle gut daran, dessen Ende abzuwarten“, sagte Wehrle lediglich. Doch auch er dürfte nun recht konsterniert sein, schließlich hatte es Anfang Juli noch derart gut ausgesehen, dass der FC auf seiner Website getitelt hatte: „Grünes Licht für den Ausbau am Geißbockheim“. Diese Einschätzung hatte der Klub nach der Entscheidung des Regionalrats der Bezirksregierung abgegeben, in dem es geheißen hatte, dass die Voraussetzung geschaffen worden sei, „die durch die Stadt Köln vorgelegte Fassung zur Realisierung des RheinEnergie Sportparks zu ermöglichen“. Reker sieht dies nun gänzlich anders. Ein politisches Erdbeben, dessen Folgen noch nicht absehbar sind. Für den FC verheißen die Äußerungen jedoch nichts Gutes.

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