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Mitgliederversammlung: Darum gibt es keine Online-Abstimmung

Aktuell gehören zum 1. FC Köln laut Vereins-Homepage insgesamt 109.508 Mitglieder. Am 8. September sind diese Mitglieder aufgerufen, an der Mitgliederversammlung in der Lanxess Arena teilzunehmen. Erwartet werden weit über 5000 FC-Anhänger, um den künftigen Vorstand zu wählen. Um ihre Stimme abgeben zu können, müssen die Mitglieder allerdings an besagtem Tag vor Ort sein. Eine dezentrale Stimmabgabe ist nicht möglich. Noch nicht.

Köln – Finden in Deutschland politische Wahlen statt, gibt es aktuell zwei Möglichkeiten der Stimmabgabe: am Wahltag im Wahllokal oder per Briefwahl. In Estland beispielsweise gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, als Bürger seine Stimme in einem Online-Verfahren abzugeben. Beim 1. FC Köln sind dagegen weder Brief- noch Online-Wahlen möglich.

Ein Blick in die Satzung zeigt, dass die Mitgliederversammlung laut Paragraph 13.1 „im Präsenzverfahren abzuhalten ist“, sodass „sich die Mitglieder an einem bestimmten Ort zur gemeinsamen Beschlussfassung“ einfinden müssen. In Paragraph 13.2. ist dagegen zumindest in der Theorie bereits die Möglichkeit geregelt, dass „Mitglieder an der Mitgliederversammlung mit Hilfe geeigneter Telekommunikationsmittel auch ohne Anwesenheit an deren Ort teilnehmen und sämtliche oder einzelne Rechte ganz oder teilweise ausüben können“. Dieses „virtuelle Verfahren“ muss jedoch vom Vorstand vorgeschlagen werden, es bedarf zudem „der Zustimmung des Mitgliederrats“.

Der Ablauf der Mitgliederversammlung als Knackpunkt

In diesem Jahr wird der 1. FC Köln trotz seiner weiter rasant steigenden Mitgliederzahlen erneut auf dieses virtuelle Verfahren verzichten. Obwohl auf diese Weise weit mehr als 5000 Mitglieder vor Ort ihre Stimme abgeben würden, wird es keine andere Stimmabgabe als jene vor Ort in der Lanxess Arena geben. Der GEISSBLOG.KOELN fragte beim FC nach und erhielt zur Antwort, der Klub habe bislang kein technisches System zur virtuellen Teilnahme und Stimmabgabe gefunden, das die besonderen Anforderungen einer Mitgliederversammlung erfülle.

Der Grund hierfür liegt im Ablauf der Mitgliederversammlung: Durch das Präsenzverfahren soll gewährleistet sein, dass vor Ort zunächst alle Argumente für und gegen gestellte Anträge (z.B. Vorstandswahl, Mitgliederratswahl, Satzungsänderungen) ausgetauscht und erst im Anschluss die Stimmen abgegeben werden können. Das bedeutet: Ein Online-Verfahren müsste technisch nicht nur gewährleisten, dass sich ein Mitglied mit einem persönlichen Login in die Versammlung virtuell einschalten und auf diese Weise teilnehmen kann. Die Online-Wahl müsste zudem zeitlich exakt gesteuert werden: Erst, wenn die Wahl vor Ort eröffnet ist – also nach dem Austausch aller Argumente -, dürfte sie auch virtuell geöffnet sein, und müsste sich schließen, wenn der Versammlungsleiter vor Ort die Stimmabgabe für beendet erklärt. Zudem müsste garantiert sein, dass alle virtuellen Teilnehmer auch tatsächlich ihre Stimme abgeben könnten und die Wahl im Nachhinein nicht wegen technischer Probleme angefochten werden könnte.

Das Präsenzverfahren mit anschließender Diskussion und Wahl schließt zudem das Briefwahl-Verfahren aus, denn hier wäre eine Stimmabgabe sogar im Vorfeld nötig, ohne den Austausch der Argumente zunächst virtuell oder vor Ort erlebt zu haben. Dies, so heißt es beim 1. FC Köln, widerspräche dem Gedanken der Mitgliederversammlung.

Virtuelles Verfahren: FC-Gremien gespalten

Und so müssen die Mitglieder des 1. FC Köln auch in diesem Jahr wieder zu Tausenden in die Lanxess Arena pilgern, um am 8. September vor Ort ihre Stimme abzugeben. Nach GBK-Informationen ist man sich beim FC in den unterschiedlichen Gremien nicht einig, ob überhaupt ein virtuelles Verfahren zukünftig eingeführt werden soll – selbst wenn man eine technisch sichere Lösung finden würde. Die Befürworter der Online-Stimmabgabe erhoffen sich eine deutlich höhere Beteiligung bei der Wahl und somit ein demokratisch stärkeres Votum, prozentual auf die gesamte Mitgliederschaft angerechnet. Die Gegner fordern, wer es ernst meine mit einer Mitgliedschaft beim FC, der müsse zur Versammlung auch anwesend sein.

Dies war in der Vergangenheit aufgrund der Terminierung an einem Wochentag für viele Fans, gerade außerhalb Kölns lebend, praktisch unmöglich. Nun findet die Versammlung an einem Sonntag statt und könnte so zumindest deutlich mehr Mitglieder als bislang anziehen. Klar ist: Wenn es auf politischer Ebene (wie in Estland) bereits Onlinewahlen gibt, dann wird technisch einem virtuellen Verfahren für Mitgliederversammlungen schon bald nichts mehr im Wege stehen. Dies könnte freilich hohe Kosten verursachen, die der Klub einkalkulieren müsste. Meint es der FC in Sachen Demokratie aber ernst, so bedarf es schon bald eines Vorstoßes, um diesem Weg die Tür zu öffnen. Allerdings müsste ein solches Verfahren, wie beschrieben, erst vom Mitgliederrat genehmigt werden. Dort sieht man nach GBK-Informationen ein virtuelles Verfahren jedoch noch kritisch.

14 Kommentare
  1. Interessiert Niemand says:

    2 wesentliche Punkte warum digitale Wahlen entweder nicht eingeführt wurden oder oft wieder abgeschafft wurden:
    1. Sie sind NIEMALS sicher. Es gibt aktuell nichtmal Wahlautomaten, die nicht angreifbar sind. Mit Onlineabstimmungen ist das noch mehr in Zweifel zu ziehen.
    2. Es wird nicht sichergestellt, dass der „Stimminhaber“ auch wirklich wählt. Wie wird sichergestellt, dass im Moment des Mausklicks nicht die Katze über die Tastatur gelaufen ist? Oder der Schwager (selbstverständlich BMG Fan) die Stimme abgibt? Bei der Briefwahl sind hier hohe Strafen und Hürden gesetzt (Eideststattliche Erklärung). Will man das hier auch machen? Geht das überhaupt?

    Das Argument: Wem es wichtig ist der kommt, ist natürlich so dämlich wie durchschaubar. Als ob ein Geissbock aus OWL, London oder Tokio weniger am Verein liegt, nur weil die Anfahrt länger ist. Und da haben wir noch nicht über Inklusion gesprochen.

  2. Hans-Georg Skowronek says:

    Man stelle sich vor, der Verein hat demnächst 120.000 Mitglieder und alle, alle wollen sie mitwählen. Die Lanxess-Arena fasst max. 20.000 Menschen. Wie soll das gehen?. Selbst das RheinEnergieStadion fasst nur rund 50.000 Zuschauer.
    Hier möchten einige Mitglieder der FC-Gremien nicht zuviel Aufwand betreiben und sind wohl auch z.T. der Meinung „Je weniger, desto besser (für uns)“.
    Wenn man beim FC schon mittels Neu- und Ausbauten in die Zukunft starten will, sollte man dies auch in diesem Bereich durchziehen: Der FC braucht für die vor dem Verein liegenden Mammutaufgaben jeden Mann, jede Frau, kurz: JEDES Mitglied…

  3. Joss says:

    Finde ich auch richtig so. Keine Onlineabstimmungen für Mitglieder eines Fussballvereines. Da sollte man als Vereinsmitglied auch persönlich anwesend sein. Das ist was besonderes für alle Vereinsmitglieder. Man sollte den Einfluss und den Charakter des Mitbestimmungs-/Abstimmungsrechtes der Vereinsmitglieder auch entsprechend feierlich würdigen. So sehe ich das. Schließlich lebt der ganze Verein von seinen Mitgliedern und Fans. Dieser steht und fällt mit diesen. Die Mitglieder und Fans sind die wichtigste Basis eines jeden Fussballvereines.

    • NICK says:

      Hört, hört…“Die Mitglieder und Fans sind die wichtigste Basis eines jeden Fussballvereines.“ – dann sollte mal auch allen die Möglichkeit geben mit zu wählen – dafür gibt in Deutschland und Europa aber kein ausreichend grosses Stadion…also auf nach Mexiko! Joss kommt auf jeden Fall – ist ja seine persönliche Würdigung…

  4. radrennbahn says:

    „Das ist was besonderes für alle Vereinsmitglieder. Man sollte den Einfluss und den Charakter des Mitbestimmungs-/Abstimmungsrechtes der Vereinsmitglieder auch entsprechend feierlich würdigen. So sehe ich das. Schließlich lebt der ganze Verein von seinen Mitgliedern und Fans. Dieser steht und fällt mit diesen. Die Mitglieder und Fans sind die wichtigste Basis eines jeden Fussballvereines.“

    Das ist richtig; aber warum sollen dann nur 5% darüber abstimmen? Ich bin die letzten Jahre immer erst weit nach Mitternacht zu Hause gewesen – und ich wohne nur 30km entfernt. Wie sieht es aus mit den Fans die weiter weg oder sogar im Ausland wohnen? Gehören die nicht zur Basis? Wenn erst mal jeder wählen kann, ist der Einfluss von Windelhorde etc. nur noch marginal. Ich bin auf jeden Fall dafür – die technischen Voraussetzungen zu schaffen dürfte das kleinste Problem sein.

  5. Joss says:

    Ich sag es hier – extra für dich nochmal- weil ich effektiv keinen Bock darauf habe – so einen geistigen Dünnschiss wie von Dir aktuell – auf meinem Kommentar sitzen zu lassen:

    Wann du Urlaub hast oder nicht – ob dieser womöglich dann noch ausfällt – das interessiert hier auch NIEMANDEN – punkt.

    Und laberst hier was von fortgeschritten – hör doch auf!!!

  6. radrennbahn says:

    Es scheint anscheinend keinen Sinn zu machen, mir Dir zu diskutieren. Du hältst Dich für den Mittlepunkt des Universums – schon in Ordnung. Ob das niemanden interessiert, sei dann mal dahin gestellt. Ich denke mal, dass die anderen über 100.000 Mitglieder ihre eigene Meinung haben – so wie du.

    Ist jetz ävver och joot – ich diskutier nit jähn met ener Wand.

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